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Rummenigge, Teil 3

'Bundesliga muss konkurrenzfähiger werden'

Vor kurzem wurde Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge in den Vorstand der DFL gewählt. Die wichtigste Aufgabe des Ligaverbandes sieht der Bayern-Boss darin, die Bundesliga im Vergleich mit den Top-Ligen in Europa wieder konkurrenzfähiger zu machen. Zudem möchte sich Rummenigge dafür einsetzen, dass auch beim nächsten Fernsehvertrag ein Platz für die „Sportschau“ erhalten bleibt. Einer Ausweitung des Ligacups steht er allerdings kritisch gegenüber.

Das Interview mit Karl-Heinz Rummenigge, Teil 3

fcbayern.de Herr Rummenigge, Georg Kofler hat zum 31. August seinen Rückzug als Vorstandschef von Premiere angekündigt. Wird das einen Einfluss auf die Politik des Pay-TV-Partners der Bundesliga haben?
Rummenigge: „Ich kenne die Gründe nicht, warum er zurückgetreten ist. Es kommt offensichtlich für alle überraschend. Ich bin aber überzeugt, dass Premiere auch ohne Georg Kofler ein guter und zuverlässiger Partner der Bundesliga sein wird. Wir vom FC Bayern kennen den Nachfolger Michael Börnicke ganz gut und sind überzeugt, dass es keine negativen Auswirkungen geben wird.“

fcbayern.de Sie selbst sind vor kurzem in den Vorstand der DFL gewählt worden. Neuer Vorsitzende des Ligaverbandes ist Dr. Reinhard Rauball. Was halten Sie von ihm?
Rummenigge: „Wir vom FC Bayern haben die Personalie Rauball ja schon von Anfang an unterstützt, als er seine Kandidatur bekannt gegeben hat. Ich halte ihn aus mehreren Gründen für den Richtigen. Er ist ein sehr erfahrener Mann, der seit über 20 Jahren mit Profifußball zu tun hat. Er ist auch vom Intellekt her der richtige Vorsitzende. Und da er nicht mehr im operativen Tagesgeschäft tätig ist, hat er auch ausreichend Zeit und eben auch den Rücken frei, diese Tätigkeit auszuführen. Ich bin überzeugt, dass er ein guter Vorsitzender der DFL sein wird.“

fcbayern.de Wo sehen Sie seine wichtigsten Aufgaben?
Rummenigge: „National ist die Bundesliga ein wunderbares Produkt: Die Stadien sind voll, Sponsoren und Zuschauer sind zufrieden. Aber wir müssen zusehen, dass die Bundesliga international wieder konkurrenzfähiger wird. Dafür brauchen wir mehr Geld vom Fernsehen. Man muss sich nur anschauen, was die Klubs in England, Spanien und Italien kassieren. Es ist sicherlich kein Zufall, dass uns diese Nationen auf Klub-Ebene ein wenig davongelaufen sind. Das sehe ich als eine der wichtigsten Aufgaben in den nächsten Jahren.“

fcbayern.de Mehr Geld vom Fernsehen, heißt das automatisch auch weniger Fußball im Free-TV?
Rummenigge: „Das eine schließt das andere nicht aus. Die Sportschau ist in Deutschland gelebte Historie. Es wäre schön, wenn die DFL mit dem Pay-TV-Sender - im Moment ist das nur Premiere, ich weiß nicht, ob da noch ein Zweiter oder Dritter seinen Hut in den Ring wirft - und der ARD eine harmonische Lösung finden würde. Wird vom FC Bayern sind daran interessiert, dass eine Sportschau überlebt und der Kontakt zu dem Fan bestehen bleibt, der sich Pay-TV nicht leisten kann.“

fcbayern.de Wie sehen Sie die Pläne der DFL, den Ligacup auszudehnen und zu einem ähnlichen Wettbewerb wie den DFB-Pokal?
Rummenigge: „Mein Vorschlag wäre, den Ligacup in 2008 noch mal in der jetzigen Form auszutragen und keinen Schnellschuss zu machen. Die UEFA plant momentan, den dritten Startplatz in der Champions League an den Pokalsieger zu vergeben. Die Klubs in Europa sind zwar dagegen, aber man weiß ja nicht, was am Ende des Tages in die Tat umgesetzt wird. Diese Entwicklung sollten wir erst mal abwarten, um dann gemeinsam die besten Lösungen zu finden in Sachen DFB- und Ligapokal. Was wir aber meiner Meinung nach nicht brauchen, ist ein Konkurrenzprodukt zum DFB-Pokal.“

fcbayern.de Zumal dadurch die Belastung für die Spieler noch größer werden könnte.
Rummenigge: „Wir müssen aufpassen, dass die Belastung nicht überdreht wird, speziell für die Klubs, in denen die Spieler auch noch international beschäftigt sind. Ich bin immer ein Freund der Solidarität, aber Solidarität darf auch nicht überstrapaziert werden. Man darf auch eins nicht vergessen: In England spielen 20 Klubs in der ersten Liga, außerdem haben sie noch zusätzlich den Ligacup, der ähnlich wie bei uns der DFB-Pokal ausgespielt wird. Und wenn die englische Nationalmannschaft dann bei Europa- oder Weltmeisterschaften antritt, sind die Spieler meistens müde und total kaputt. Wir müssen da auch ein bisschen an die Nationalmannschaft denken, dass wir nicht zu viel des Guten machen.“

Das Interview führten: Nikolaus Heindl und Dirk Hauser

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