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Debüt mit Pirouette

Ribéry erobert die Allianz Arena

Die Geschichte von Franck Ribérys Bundesligadebüt beginnt mit einem Abstecher in die Verhaltensforschung. Das Phänomen eines erlernten Reflexes veranschaulicht diese mit dem Beispiel des Pawlowschen Hundes. Dem läuft das Wasser in der Schnauze nicht erst dann zusammen, wenn er zu fressen beginnt, sondern bereits wenn er sein Futter sieht oder das Rascheln der Futtertüte hört. Auf den ersten Blick konnte man dieses Verhalten auch am Samstag in der Allianz Arena beobachten.

Da machten die Zuschauer nämlich das, was sie sich über Jahre angewöhnt hatten, wenn der Bayern-Spieler mit der Rückennummer sieben das Spielfeld verlässt: Sie erhoben sich von ihren Sitzplätzen und applaudierten. Auf den zweiten Blick musste man am Samstag aber feststellen, dass die Nummer sieben nicht mehr die Nummer sieben ist. Publikumsliebling Mehmet Scholl hat seine Fußballschuhe zum Ende der vergangenen Saison an den Nagel gehängt - die Standing Ovations in der Allianz Arena galten daher nicht ihm, sondern der neuen Nummer sieben beim FC Bayern, was die Fans in Sprechchören auch deutlich zum Ausdruck brachten: „Ribéry! Ribéry!“

Brillant und unermüdlich

Was jenem Franck Ribéry nach seinem 79 Minuten dauernden Bundesligadebüt gegen Hansa Rostock von den Rängen entgegenschallte, hatte man so wohl noch nie beim deutschen Rekordmeister erlebt. Der 62 Kilo leichte Franzose hatte es geschafft, sofort schwer Eindruck zu machen und sich in die Herzen der Fans zu spielen. „Er ist ein begnadeter Spieler“, war auch Ottmar Hitzfeld begeistert.

Tatsächlich war es außergewöhnlich, was Ribéry den 69.000 Zuschauern in der Allianz Arena bot. Technisch brillant, läuferisch unermüdlich und mit einem Zug zum Tor ausgestattet, den man beim FC Bayern lange vermisst hatte, machte er da weiter, wo er in der Vorbereitung aufgehört hatte. Höhepunkt seines Auftritts war an diesem Nachmittag eine Pirouette, mit der er in der 44. Spielminute seinen Gegenspieler schwindlig spielte. Da fragt man sich: Was wird der Nationalspieler erst mit dem Ball anfangen, wenn es nicht, wie an diesem Nachmittag, aus Kübeln schüttet?

'Kaiser Franck'

Durch ständige Positionswechsel im Mittelfeld und dem Gespür für die Situation war Ribéry für den Gegner nie auszurechnen. Mal schoss er selbst, mal legte er den Ball für seine Mitspieler auf. Am Ende hatte der Franzose neun Torschussvorlagen geliefert, statistisch gesehen spätestens alle neun Minuten eine neue - eine solche Marke hatte in der gesamten letzten Saison kein Bayern-Spieler erreicht. „Ich freue mich über meine Leistung“, sagte er nach dem Schlusspfiff, „ich genieße es, wenn ich auf dem Platz viele Freiheiten habe, mal vorne, links oder rechts spielen kann. Ich möchte so viel Ballbesitz wie möglich haben, denn das gibt mir richtig Selbstvertrauen.“

Gegen Rostock lief das Spiel ganz nach der Vorstellung von Ribéry, der danach erzählte, dass er vor dem Anpfiff schon „ein bisschen nervös“ gewesen war. „Das erste Spiel ist schon etwas Besonderes“, sagte er, „aber nachdem wir gut angefangen haben, habe ich mich gut gefühlt.“ Nach dem Spiel tanzte Ribéry, dem die französische Sportzeitung „L’Equipe“ am Tag zuvor auf ihrer Titelseite mit der Überschrift „Kaiser Franck“ gehuldigt hatte, in der Kabine.

Ein bisschen Kritik

„Ich freue mich über diese Titelseite, das ehrt mich sehr. Ich freue mich auch, dass sich die französischen Journalisten für die Bundesliga interessieren“, sagte der 24-Jährige zu den Nachrichten aus der Heimat. Noch nie zuvor hatte „L’Equipe“, die wichtigste französische Sportzeitschrift, auf der Titelseite über die Bundesliga berichtet. Doch auch Ribéry weiß, dass all dies erst ein Anfangserfolg ist. „Die Saison ist noch lang“, sagte er und betonte: Zusammen mit der gesamten Mannschaft werde er sich noch steigern.

Worte, die bei Hitzfeld auf offene Ohren stoßen. Denn dem kritischen Auge des FCB-Cheftrainers war während des Rostock-Spiels nicht entgangen, wo sich Ribéry noch verbessern muss: im Defensivverhalten. Doch das hatte Hitzfeld auch nicht anders erwartet. Nachdem Ribéry in der Vorbereitung lange als Stürmer hatte aushelfen müssen, müsse er sich jetzt erst wieder an seine Mittelfeldposition gewöhnen, erklärte der Trainer. „Da müssen wir in dieser Woche noch einiges einstudieren.“

Mit Spaß begeistern

Mit seinen Offensivaktionen hat Ribéry aber auch den Trainer begeistert, die Fans sowieso. Über deren überwältigende Reaktion bei seiner Auswechslung war er „sehr froh. Am wichtigsten ist, dass ich mich in München sehr wohl fühle und die Fans mich mögen“, sagte er, „ich will weiter Spaß haben und mit meinem Fußball auch die Zuschauer begeistern.“ Für die Zuschauer in der Allianz Arena heißt es daher weiterhin, wenn die neue Nummer sieben des FC Bayern vom Platz geht: aufstehen und applaudieren.

Für fcbayern.de berichtet: Nikolaus Heindl

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