präsentiert von
Menü
Euphorie ebbt ab

'Der Bundesliga-Alltag hat uns zurück'

Am Ende standen alle einträchtig im Mittelkreis und schienen nicht so recht zu wissen, wie sie dieses Spiel einordnen sollten. Mit einem 1:1 (0:1)-Unentschieden trennten sich der FC Bayern und der FC Schalke 04 in einem Bundesligaspitzenspiel, das im Vergleich zu vorangegangen Duellen zwischen beiden Teams ohne die ganz großen Emotionen aber auch ohne einen Sieger auskommen musste.

„Das war ein Kampfspiel, wir wollten nicht zaubern, dazu war Schalke 04 zu stark“, brachte es Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld einen Tag nach dem Spiel auf den Punkt und meinte: „Das war ein schwerer Gegner für uns.“ Marcell Jansen, der nach verletzungsbedingter Pause wieder auf der linken Seite zum Zug kam, ergänzte: „Schalke ist eine Topmannschaft, die putzt man nicht mal eben so.“

Alleingang gestoppt

Nach dem zweiten Remis in Folge ist der vermeintliche Alleingang des Rekordmeisters und die damit befürchtete Langeweile in der Liga vorerst gestoppt. Zwar führt die noch ungeschlagene Hitzfeld-Elf mit elf Punkten aus fünf Spielen weiterhin die Tabelle an, doch die ebenfalls unbesiegten „Knappen“ bleiben mit vier Zählern Rückstand auf Tuchfühlung. Hitzfeld: „Wir wollten Schalke distanzieren, das ist uns nicht gelungen.“

Doch dieser Umstand kommt Spielern und Verantwortlichen des FC Bayern nicht ganz ungelegen. Nach dem famosen Saisonstart sei es nun an der Zeit, dass sich „diese nervige Euphorie“ (Kapitän Oliver Kahn) wieder beruhigt. „Wir haben gesehen, dass alles nicht so einfach ist, das war mir immer völlig klar. Jetzt ebbt die Euphorie wieder ab und es ist gar nicht verkehrt, wie das läuft.“

Fehlende Kaltschnäuzigkeit

Dabei lief es für den FCB vor 69.000 Zuschauern in der ausverkauften Allianz Arena zunächst recht gut. „In der ersten halben Stunde haben wir Schalke nicht zur Entfaltung kommen lassen. Sie hatten lange Zeit gar keine Torchance, während wir vier, fünf Möglichkeiten hatten“, analysierte Hitzfeld, bemängelte aber zugleich die fehlende Kaltschnäuzigkeit seines Teams im Abschluss.

„Wir waren im Strafraum nicht so konsequent, haben zu viel abgespielt, da muss mehr Egoismus rein“, kritisierte der 58 Jahre alte Fußballlehrer. „Das fehlt uns noch, aber das fehlt uns schon die ganze Saison.“ Nach der überraschenden Führung der Gäste durch Ivan Rakitics platzierten Distanzschuss (36. Minute) blieb es Miroslav Klose vorbehalten, mit seinem vierten Saisontor im vierten Spiel den Ausgleich zu erzielen (54.).

FCB immer noch im Soll

„Man hat heute gesehen, dass die Saison nicht so einfach wird für uns“, sagte der Torschütze, der nach der Länderspielpause eine „fehlende Frische“ bei seiner Mannschaft ausgemacht hatte. „Die Vorzeichen waren schon schwierig durch die ganzen Länderspiele. Da fehlen vielleicht zehn Prozent, weil die Vorbereitung nicht optimal ist. Das hat man heute gesehen“, pflichtete ihm Kahn bei.

Und so waren sie nach den 90 Minuten doch nicht ganz unzufrieden über die Punkteteilung mit den „Königsblauen“. „Das Ergebnis ist in Ordnung, wir sind immer noch im Soll“, sagte Hitzfeld. „Der Bundesliga-Alltag hat uns zurück. Wir wissen, dass uns nichts geschenkt wird. Wir sind gewarnt und wissen, dass wir eine Schippe drauflegen müssen. Wir müssen uns steigern.“

Weitere Inhalte