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535 Bundesliga-Spiele

Kahn neuer Rekord-Torhüter

Wenn man es etwas überspitzt sagen will, dann hatte Oliver Kahn am Sonntag in Hamburg seinen ersten richtigen Arbeitstag in dieser Saison. Sowohl in den beiden Heimspielen gegen Rostock und Hannover als auch in Bremen war der Keeper des FC Bayern nahezu beschäftigungslos gewesen - mal abgesehen von ein paar Rückpässen seiner Vorderleute oder der einen oder anderen harmlosen Flanke des Gegners. In einer Münchner Zeitung wurde ihm sogar geraten, sich eine Hängematte im Tor aufzuspannen, um das großartige Treiben seiner Vorderleute noch besser genießen zu können.

An diesem Spieltag musste Kahn aber bereist nach 20 Sekunden das erste Mal eingreifen, um mit einem Sprint an der Torauslinie eine Ecke zu verhindern. In der 13. Minute lenkte er mit den Fingerspitzen eine scharfe Freistoß-Flanke von Piotr Trochowski über die Latte. . Und nach dem Seitenwechsel verhinderte der Kapitän mit einer guten Parade gegen Ivica Olic einen Rückstand. Damit hatte er fast schon mehr Aktionen als insgesamt in den drei Spielen zuvor. Endlich konnte der „Titan“ beweisen, dass er auch in seiner Abschiedssaison immer noch ein großartiger Rückhalt ist.

Eine Partie für die Geschichtsbücher

Und das nun schon seit fast 20 Jahren. Am 27. November 1987 feierte er im Trikot des Karlsruher SC sein Bundesliga-Debüt. Die Partie in Hamburg war sein 535. Einsatz in der höchsten Spielklasse, womit Kahn gleichzeitig einen neuen Bundesliga-Rekord aufstellte. Bisher hatte Eike Immel mit 534 Spielen die Liste der Schlussleute angeführt.

„So was registriert man am Rande“, gab sich Kahn ob seines neuen Rekords völlig unaufgeregt. „Man wird ja nicht Fußballler, um eine gewisse Anzahl an Spielen zu absolvieren und Rekorde aufzustellen. Ich wollte immer erfolgreich sein und Titel gewinnen. Und wenn man dann das Glück hat, bis in das Alter, in dem ich jetzt bin, körperlich relativ unversehrt geblieben zu sein, dann passieren solche Dinge ganz automatisch.“

Kahn warnt vor schwierigen Auswärtsaufgaben

Auch wenn er dennoch sicherlich ein wenig stolz auf diese neue Rekordmarke ist, beschäftige sich Kahn am Tag nach der Punktteilung in Hamburg mit ganz anderen Dingen. „Vor ein paar Tagen war hier noch alles Ballyhoo, Zirkus Sarasani, überirdisch, galaktisch, superklasse - jetzt wird auf einmal wieder so geredet“, wehrte sich Kahn gegen so manche übertriebene Schlagzeile in den Medien. Von einem „Dämpfer“ für den FCB war da teilweise die Rede, gar von einem „Rückschlag“ nach dem ersten nicht gewonnenen Match.

„Ich war ja am Anfang schon vorsichtig gewesen mit dieser zu euphorischen Darstellung der Situation. Es war wichtig für uns zu sehen, wie schwierig es auswärts wird, wo die Mannschaften alles mobilisieren, um gegen uns gut auszusehen“, betonte Kahn. Auch in den nächsten Spielen müsse man sich auf aggressive Gegner wie den HSV einstellen, die bis zur letzten Sekunde alles geben. „Der HSV spielt 1:1 und die Stimmung im Stadion war anschließend, als ob sie die Deutsche Meisterschaft gewonnen hätten. Das sagt doch alles.“

Es kann noch viel passieren

Kahn trat in seiner Funktion als Mannschaftskapitän einmal mehr als Mahner auf. „Ich mache schon so lange diesen Job: Ich weiß, dass in so einer Saison noch viel passieren kann und noch einiges auf uns zukommen wird.“ Auf diese Dinge habe er in der Mannschaft zuletzt immer wieder hingewiesen. Kahn betonte: „Wir haben eine hervorragende Mannschaft mit Topspielern, das haben wir im Ansatz schon gezeigt. Aber natürlich müssen wir das weiter unter Beweis stellen.“

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