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Jan Schlaudraff:

'Man hört mich nicht raus, keine Sorge'

Jan Schlaudraff war der erste Neuzugang, den der FC Bayern für die aktuelle Saison perfekt gemacht hatte. Er ist der letzte, der zum Einsatz kam. Zweieinhalb Monate nach seinem Wechsel von Alemannia Aachen nach München trug er Mitte September beim UEFA-Cup-Hinspiel gegen Belenenses Lissabon erstmals das FCB-Trikot.

Inzwischen hat der 23-Jährige drei Kurzeinsätze sowie ein Spiel mit der Regionalliga-Mannschaft des FC Bayern auf dem Konto. Seine Bandscheiben-Operation, die ihn seit Anfang Juni für insgesamt dreieinhalb Monate außer Gefecht gesetzt hatte, ist endgültig überwunden. Mit fcbayern.de sprach Schlaudraff über seine ersten Monate beim FC Bayern, seine Zukunftsaussichten und einen Besuch mit Folgen bei Reinhard Mey.

Das Interview mit Jan Schlaudraff:

fcbayern.de: Jan, inzwischen bist Du seit fast vier Monaten ein Bayer. Hast Du schon Weißwurst gegessen?
Schlaudraff: „Nein, Weißwürste und Bier sind nicht so mein Ding.“

fcbayern.de: Dann hast Du vielleicht schon Schafkopf gelernt?
Schlaudraff: „Gelernt und gespielt, sogar mit deutschem Blatt, ich kannte bisher nur französisches. Vor kurzem habe ich mit Andreas Ottl, Martin Demichelis und Fredi Binder (Physiotherapeut, Anm. d. Red.) gespielt.“

fcbayern.de: Du scheinst Dich also langsam einzuleben in der neuen Heimat, nachdem Du ja zunächst Startschwierigkeiten hattest.
Schlaudraff: (lacht) „Das ist untertrieben ausgedrückt. Es war ein absolut katastrophaler Beginn. Da kam alles zusammen: die Operation, nach der ich drei, vier Wochen gar nichts machen konnte, nicht einmal laufen. Dann wurden meine Möbel nicht geliefert, es gab Ärger mit der Vermieterin, ich musste noch einmal umziehen und alles neu bestellen. Das war keine Glanzzeit, ich bin froh, dass es vorbei ist. Jetzt ist alles vergessen. Ich bin gesund, kann trainieren, habe ein paar Mal gespielt und werde jetzt langsam in den Rhythmus kommen.“

fcbayern.de: Man kann also sagen: Jan Schlaudraff startet jetzt so richtig durch?
Schlaudraff: „Man muss auf dem Teppich bleiben. Es geht stetig nach oben, aber wenn man sieht, wie es bisher für mich gelaufen ist und welchen Erfolg wir als Mannschaft momentan haben, kann man nicht davon ausgehen, dass für mich jetzt auf einmal alles von null auf hundert geht.“

fcbayern.de: Wo stehst Du im Moment?
Schlaudraff: „Insgesamt bin ich zufrieden, wie es nach meiner Verletzung gelaufen ist. Fitnessmäßig bin ich fast wieder hergestellt. Bei meinen Kurzeinsätzen läuft natürlich noch nicht alles so, wie ich es mir vorstelle, aber mit steigender Spielpraxis wird das alles kommen.“

fcbayern.de: Spielpraxis hast Du schon einmal bei den Amateuren gesammelt. Kannst Du Dir vorstellen, dort noch einmal zum Einsatz zu kommen?
Schlaudraff: „Das ist natürlich ein Thema. Am vergangenen Wochenende hätte ich zum Beispiel bei den Amateuren gespielt, aber die waren wie wir spielfrei. Grundsätzlich versuche ich jedoch, so viel wie möglich bei den Profis zum Einsatz zu kommen.“

fcbayern.de: Als Angreifer hast Du mit Miroslav Klose und Luca Toni den aktuellen Traumsturm der Liga vor Dir. Frustriert das?
Schlaudraff: „Man muss ganz klar sagen: Die beiden spielen zu Recht. Bisher haben sie absolute Topleistungen gebracht. Für jeden Fußballer sollte es Ansporn sein, mit solchen Leuten zusammen zu spielen und sich dadurch weiterzuentwickeln. Außerdem kann ich ja auch auf vielen Positionen hinter den Sturmspitzen spielen. Bei meinen Kurzeinsätzen habe ich auch nie ganz vorne im Sturm gespielt, sondern im Mittelfeld oder ein bisschen hängend.“

fcbayern.de: Kannst Du Dir vorstellen, diese hängende Position auf Dauer zu spielen?
Schlaudraff: „Ich kann sowohl vorne als auch im Mittelfeld spielen, dort auf den Seiten oder vielleicht auch zentral. Im Moment spielen wir aber mit zwei Sechsern, das ist absolut erfolgreich und es gibt keinen Grund, daran etwas zu ändern.“

fcbayern.de: Die deutsche Nationalmannschaft spielt am Mittwochabend in München gegen Tschechien. Vor Deiner Verletzung hast Du zum Kader gehört. Hast Du noch Kontakt zum DFB-Team?
Schlaudraff: „Der Kontakt ist nie abgebrochen. Ich fahre jetzt auch gleich zum Essen ins DFB-Mannschaftshotel und habe ein Gespräch mit Jogi Löw und Hansi Flick. Ich war auch letzte Woche dabei, als sich der erweiterte Kader in Berlin getroffen hat.“

fcbayern.de: Ist die Teilnahme an der Europameisterschaft im nächsten Jahr Dein Ziel?
Schlaudraff: „Es ist schon mein Ziel, wieder zum Kader der Nationalmannschaft zu gehören. Ich war ja auch vor meiner Verletzung jedes Mal dabei.“

fcbayern.de: Am Wochenende gastiert der FC Bayern in Bochum. Fürchtest Du, dass die Länderspielpause Euren Lauf unterbrochen hat?
Schlaudraff: „Das glaube ich nicht. Unsere Mannschaft ist so stark, dass wir jederzeit einen neuen Lauf starten können.“

fcbayern.de: Drei Punkte sind also fest eingeplant?
Schlaudraff: „Wenn ich mit Aachen nach Bochum gefahren bin, haben wir gesagt: Wenn wir einen Punkt holen, ist es okay, drei wären super. Wenn ich das jetzt als Spieler des FC Bayern sagen würde, wäre es komisch.“

fcbayern.de: Kurz vor Deinem Wechsel zum FC Bayern hast Du Dich auf dem neuen Album von Reinhard Mey („Bunter Hund“) als Sänger verewigt. Wie kam es dazu?
Schlaudraff: „Wie habt Ihr denn das wieder rausgefunden? (lacht) Ich habe in der letzten Saison mal das große Glück gehabt, das Tor des Monats zu schießen. Die ARD wusste irgendwoher, dass ich im Auto immer Reinhard Mey höre, deswegen hat der dann die Laudatio gehalten. So kam der Kontakt zustande. Er war dann ein paar Mal in Aachen im Stadion, ich war mal bei ihm im Tonstudio und da hat er mich gefragt, ob ich nicht in einem Lied für seine neue CD in einem Chor mitsingen möchte. Das waren zwei Zeilen Text, ich fand’s ganz witzig und wir haben es aufgenommen. Aber da ist so viel dran rumgemurkst worden, da hört man mich nicht raus, keine Sorge.“

Das Interview führte: Nikolaus Heindl

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