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Erfolgloses Scheibenschießen

Hitzfeld: 'Wir haben alles probiert'

In der Halbzeitpause lenkte Stadionsprecher Stephan Lehmann die Aufmerksamkeit der 69.000 Zuschauer auf den Ehrenplatzbereich der Allianz Arena. Dort saß Gerd Müller, der via Anzeigentafel mit einem verlegenen Lächeln die Glückwünsche zu seinem 62. Geburtstag entgegennahm. „Und lieber Gerd, lauf dich schon mal warm, falls es bis zur 75. Minute immer noch 0:0 steht“, scherzte Lehmann in Richtung des Mannes, der in seiner aktiven Zeit „circa 8 Millionen Tore für den FC Bayern geschossen hat.“

Doch an diesem Nachmittag hätte wohl auch der „Bomber der Nation“ in seiner Blütezeit als Torjäger nicht mehr Abschlussglück gehabt als seine aktuellen Nachfolger. „Die Mannschaft hat sich viele Chancen erarbeitet, ein Sieg wäre verdient gewesen, aber es gibt so Tage, da will der Ball einfach nicht rein“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach dem enttäuschenden 0:0 gegen Eintracht Frankfurt.

Beeindruckende Statitsikwerte

Rekordverdächtige 38:5 Torschüsse, 34:3 Flanken, 16:2 Ecken, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe und 63 Prozent Ballbesitz (nach 20 Minuten waren es unglaubliche 80 Prozent gewesen) hatten die fleißigen Statistiker am Ende für die Bayern ausgemacht. „Das sagt ja alles“, meinte Ottmar Hitzfeld am Morgen nach dem „Scheibenschießen“ gegen den Tabellenneunten. „Wir haben alles probiert, aber es hat nicht sollen sein.“

„Ein, zwei Mal pro Jahr hast du so ein Spiel dabei. Da kann man schießen bis man schwarz wird“, beschrieb Mark van Bommel den erfolglosen 90-minütigen Sturmlauf seiner Mannschaft. Er selbst hatte acht Mal auf das Frankfurter Tor geschossen, zielte aber entweder knapp vorbei oder scheiterte am überragenden Eintracht-Schlussmann Oka Nikolov, der insgesamt 15 Schüsse abwehren konnte. „Wir haben ihn regelmäßig warmgeschossen“, meinte Hitzfeld.

Toni vergibt die ganz frühe Führung

Die wohl wichtigste Parade hatte der Ersatzmann für den wegen einer Erkältung kurzfristig ausgefallen Stammkeeper Markus Pröll schon nach 13 Sekunden gezeigt (im Bild). Nach einer Flanke von Zé Roberto war Luca Toni frei vor ihm zum Abschluss gekommen, doch dieses Mal erzielte der „Türöffner“ nicht wie schon acht Mal zuvor in dieser Saison das wichtige 1:0. „Wenn Toni am Anfang das Tor gelungen wäre, wäre die Defensivtaktik der Frankfurter nicht aufgegangen“, war sich Rummenigge sicher.

Die Ersatz geschwächten Frankfurter hatten in der Allianz Arena ganz auf Torverteidigung gesetzt mit einer Fünfabwehrkette. In der Schlussphase zogen sie gar einen Zehnerriegel vor dem eigenen Strafraum auf und verteidigten diesen mit Mann und Maus. „Wenn man so spielt, geht das eigentlich immer in die Hose“, sagte Hamit Altintop, der sicher ist, dass „nicht alle Mannschaften so viel Glück haben werden wie die Frankfurter.“ Sicherlich wird die Eintracht aber nicht die letzte Mannschaft gewesen sein, die derart defensiv gegen den Rekordmeister agieren wird.

Bayerns Torfabrik stockt

Dass die Bayern trotzdem so viele Möglichkeiten hatten, nahmen die Verantwortlichen als positives Zeichen. „Wir hatten vier, fünf hochkarätige Torchancen, das reicht normalerweise für mindestens ein Tor“, sagte Hitzfeld, der insgesamt ein „überragendes Spiel“ seiner Mannschaft gesehen hatte und nur mit der Chancenauswertung haderte. „Meine Erfahrung als Kenner der Fußballmaterie sagt mir. Wichtig, ist, dass man Torchancen hat“, betonte auch Rummenigge. Der Bayern-Chef ist überzeugt ist, „dass bei der Offensivqualität, die wir haben, sie beim nächsten mal wieder drin sind.“

Dass die Bayern nun schon seit drei Bundesligaspielen ohne Stürmertor sind und nach dem 0:0 in Dormund auch gegen Frankfurt nicht über eine Nullnummer hinauskamen, sorgte also ebenso wenig für Unruhe wie die Tatsache, dass die Verfolger langsam wieder näher rücken. Der HSV hat als Tabellenzweiter nur noch zwei Zähler Rückstand. Rummenigge sagte: „Nervös macht es uns nicht, weil wir heute gut gespielt haben.“ Gerd Müller wird das bestimmt ganz genauso gesehen haben.

Für fcbayern.de berichtet: Dirk Hauser

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