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Mark van Bommel

'Ich war ein bisschen zu aggressiv'

PSV Eindhoven, FC Barcelona und jetzt der FC Bayern. Mark van Bommels Stationen als Fußballer können sich wirklich sehen lassen. Sein erstes Jahr in München brachte nicht den erwünschten Erfolg, in dieser Saison will der 30-Jährige aber endlich auch die ersten Titel mit dem deutschen Rekordmeister einfahren. fcbayern.de traf den Mittelfeldspieler und sprach mit ihm über die aktuelle Situation beim FCB, die neue Mannschaft und warum der von Ottmar Hitzfeld verpasste Spitzname „Aggressiv-Leader“ eigentlich nicht mehr passt.

Das Interview mit Mark van Bommel:

fcbayern.de: Mark, wie sieht Dein Zwischenfazit der bisherigen Saison aus?
Mark van Bommel: „Positiv! Wir sind in der Liga Erster und im UEFA-Cup und im DFB-Pokal gut im Rennen. Sicherlich kann man uns vorwerfen, dass wir in der Bundesliga und im UEFA-Cup ein paar Punkte mehr auf dem Konto hätten haben können. Aber wir spielen guten bis sehr guten Fußball, ganz anders als in der letzten Saison. Ich denke, dass die Zuschauer in der Allianz Arena meistens zufrieden nach Hause gegangen sind.“

fcbayern.de: Trotzdem gab es in den Medien in den letzten zwei, drei Wochen viele kritische Berichte. Wie erklärst Du Dir das?
Van Bommel: „Das gehört wohl zum FC Bayern dazu. Es ist doch so, dass die Medien und die Nicht-Bayern-Fans nur darauf warten, dass es beim FC Bayern mal nicht so gut läuft. Und wenn das dann passiert, kommen halt die Geschichten.“

fcbayern.de: Wie geht man als Spieler damit um? Keine Zeitungen mehr lesen?
Van Bommel: „Du registrierst das zwar und setzt Dich vielleicht auch damit auseinander, aber letztendlich ist es für uns Spieler eigentlich egal. Wenn Du bei Bayern spielst, hast Du immer Druck. Und Du weißt, dass in einer schlechten Situation das ganze Land auf Dich schaut und man sich kein schwaches Spiel erlauben kann. Das kann auch mal mithelfen, die Konzentration hoch zu halten."

fcbayern.de: Unter dieser Konstellation müsste das Spiel am Donnerstag in Braga ja kein Problem für Euch werden.
Van Bommel: „Vorsicht, das ist keine schlechte Mannschaft. Die haben ihr Heimspiel gegen Hammarby in der Qualifikation mit 4:0 gewonnen und haben auch in Bolton einen Punkt geholt. Sporting Lissabon haben sie vor zwei Wochen zuhause 3:0 geschlagen. Klar, man kennt keinen der Spieler, aber es wäre ein Fehler, die Mannschaft zu unterschätzen.“

fcbayern.de: Letztes Jahr seid Ihr nach Moskau, Madrid und Mailand geflogen, jetzt geht’s gegen Mannschaften wie Belenenses und Braga. Macht das für einen Fußballer gedanklich in der Vorbereitung etwas aus?
Van Bommel: „Eigentlich nicht. Man fährt da hin und will genauso wie in der Champions League ein gutes Spiel machen. Klar, bei einem Duell mit Real steht man viel mehr im Fokus des öffentlichen Interesses. Und für einen Spieler ist es natürlich auch viel reizvoller, im Bernabeu oder San Siro zu spielen. Aber das darf letztendlich keinen Unterschied machen. Wir müssen erfolgreich sein, egal ob wir jetzt in der Champions League oder im UEFA-Cup auflaufen. Wobei wir im UEFA-Cup jetzt natürlich in jedem Spiel Favorit sind.“

fcbayern.de: Die Nicht-Qualifikation für die Champions League hat zum größten personellen Umbruch der Klubgeschichte geführt. Acht neue Spieler sind gekommen. Wie schafft man es, die und die etablierten schnell unter einen Hut zu bringen?
Van Bommel: „Acht gute Spieler zu kaufen, ist einfach, wenn man das Geld dazu hat. Schwierig wird es dann, wenn man auch noch den Charakter des Spielers als Kriterium nimmt. Und ich kann dem Vorstand nur gratulieren: Das sind acht Typen, die richtig gut in die Kabine passen. Und das trägt dann natürlich zur guten Stimmung bei, die sich wiederum in den Erfolgen auf dem Platz widerspiegelt.“

fcbayern.de: Wie geht man in der Kabine mit einem Spieler um, der öffentlich davon spricht, den Verein in der Winterpause verlassen zu wollen?
Van Bommel: „Ganz einfach. Man redet mit ihm und hört sich seine Geschichte an. Damit ist das Thema dann eigentlich auch erledigt. Es darf aber keine Unruhe dadurch entstehen. Sollte das geschehen, muss die Mannschaft reagieren. Dies war aber bisher nicht der Fall.“

fcbayern.de: Du bist letztes Jahr auch als Führungsspieler zum FC Bayern geholt worden. Ottmar Hitzfeld hat Dich am Anfang gerne seinen „Aggressiv-Leader“ genannt. Glaubst Du, Du bist dieser Rolle gerecht geworden?
Van Bommel: „Ich glaube, im letzten Jahr war ich ein bisschen zu aggressiv. Da waren ein paar Sachen dabei, die nicht so clever waren. Aber daran merkt man, dass man auch mit 30 Jahren noch was dazulernen kann.“

fcbayern.de: Was die Statistik bestätigt. Im letzten Jahr hast Du zehn Gelbe Karten gesehen, in dieser Saison ist es erst eine. Die Statistik belegt aber auch, dass Du jetzt weniger torgefährlich bist. Sechs Tore und vier Vorlagen waren es in 29 Spielen der letzten Saison, jetzt stehst Du nach 13 Spielen bei einem Tor und einer Vorlage.
Van Bommel: „Das und auch die geringere Anzahl an Karten hängt mit meiner neuen Rolle zusammen. Ich spiele jetzt viel defensiver als im letzten Jahr. Ich habe das Spiel mehr vor mir, und muss nicht mehr so oft wie im letzten Jahr mit einer Grätsche etwas riskieren. Ich kann jetzt mehr antizipieren und korrigieren.“

fcbayern.de: Fühlst Du Dich wohl in dieser neuen Rolle?
Van Bommel: „Ich fühle mich viel wohler und ich denke, dass ich jetzt auch wichtiger für die Mannschaft bin. Ich bin vielleicht nicht mehr so auffällig, weil ich weniger vor dem Tor bin. Wobei, wenn ich an die letzten Heimspiele denke, hätte ich schon ein paar mehr Tore machen können, da hat oft nicht viel gefehlt. Aber ich habe jetzt fast 400 Ligaspiele auf dem Buckel. Ich glaube, da kann ich meine Leistungen selbst ganz gut einschätzen. Und ich finde, dass ich in diesem Jahr auf einem konstanten Niveau spiele. Ich bin jedenfalls zufrieden.“

fcbayern.de: Macht es jetzt insgesamt gesehen auch mehr Spaß als letzte Saison?
Van Bommel: „Fußballspielen macht mir immer Spaß. Aber dieses Jahr haben wir schon sehr viel Spaß, und das nicht nur auf dem Platz. Wir haben schon eine lustige Truppe zusammen.“

fcbayern.de: Was glaubst Du, wer nächste Saison Trainer dieser lustigen Truppe sein wird?
Van Bommel: „Das ist eine Entscheidung zwischen Ottmar Hitzfeld und dem Vorstand. Wir als Mannschaft können nur versuchen, bestmöglich mit dem Trainer zusammenzuarbeiten. Was nächstes Jahr passiert, liegt nicht in unserer Entscheidungsgewalt.“

fcbayern.de: Wie steht es um Deine eigenen Zukunftspläne? Dein Vertrag läuft noch bis 2009.
Van Bommel: „Fest steht, dass meine Familie und ich uns sehr wohl fühlen in München. Klar ist auch, dass der nächste Vertrag wahrscheinlich mein letzter sein wird. Das ist eine wichtige Entscheidung, da muss man klar abwägen, ob man bleibt oder noch mal etwas Neues ausprobieren möchte. Und natürlich hängt es davon ab, ob der Klub noch mit mir plant. Aber um all das zu beantworten, haben wir ja genügend Zeit. Jetzt will ich erst mal das erreichen, weshalb ich nach München gekommen: Titel gewinnen. Je mehr, umso besser.“

Das Interview führte: Dirk Hauser

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