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Auswärtsspiel, Teil 5

Oliver Kahns Erinnerungen an Stuttgart

Es ist seine 21. Profisaison und zugleich seine letzte. Mit 38 Jahren hat Bayern-Kapitän Oliver Kahn das Ende seiner langen und überaus erfolgreichen Sportlerkarriere vor Augen. Weit über 500 Bundesligaspiele hat der dreimalige Welttorhüter des Jahres in den letzten 20 Jahren bestritten, die Hälfte davon in des Gegners Stadion. Vor seinen 17 letzten Auswärtsspielen in der Bundesliga blickt Kahn auf fcbayern.de noch einmal auf den jeweiligen Gegner zurück und erinnert sich an besondere Augenblicke, skurrile Situationen, aber auch an sportlich emotionale Momente. Fünfte Station: Stuttgart.

Kahns Erinnerungen an Stuttgart

„Die Spiele in Stuttgart waren schon immer ganz besondere in meiner Karriere. Als junger Torwart beim Karlsruher SC steckte immer viel Brisanz in den Duellen mit dem VfB. Die Badener mussten zu den Schwaben, diese Rivalität in Baden-Württemberg ist in etwa zu vergleichen mit dem Münchner Derby. Wir waren dabei eher der Underdog, Stuttgart der Favorit. Ich habe mit dem KSC auch nie einen Punkt aus Stuttgart entführen können. Trotzdem haben wir es in dieser Zeit zwei Mal in Folge geschafft, am Saisonende vor dem VfB in der Tabelle zu stehen. Das war für die KSC-Fans sicher wie ein gefühlter Meistertitel.

Als ich dann zum FC Bayern kam, war die Ausgangslage eine völlig andere. Zwar herrschte auch hier eine große Brisanz - schließlich trafen die beiden großen Bundesliga-Klubs aus Süddeutschland aufeinander -, doch diesmal waren wir die Favoriten, die Gejagten. Dementsprechend waren auch die Resultate, denn in meinen ersten Jahren beim FCB haben wir nicht verloren.

Von den insgesamt nur drei Niederlagen in Stuttgart, bei denen ich im Tor stand, ist vor allem die letzte im vergangen April noch in bester Erinnerung. Nach einer indiskutablen Leistung verloren wir mit 0:2, was allerdings noch sehr schmeichelhaft war. Schlimmer als die Niederlage an sich war aber der Umstand, dass wir dadurch den Champions-League-Platz verspielt haben und uns in dieser Saison mit dem UEFA-Pokal als internationale Bühne zufrieden geben müssen. Ein Gutes hatte dieses Spiel aber auch: Ohne diese Pleite wären wohl solche Spieler wie Franck Ribéry, Luca Toni oder Miroslav Klose möglicherweise gar nicht erst verpflichtet worden.

Der für mich sicherlich wichtigste Auftritt in Stuttgart war aber das Spiel um den dritten Platz bei der Weltmeisterschaft 2006. Nachdem ich die WM vier Wochen lang nur von der Bank erlebt hatte, habe ich die Mannschaft in diesem Spiel noch einmal als Kapitän aufs Feld führen dürfen. Es war mein 86. Länderspiel, wir gewannen 3:1 und wurden anschließend auf eine Art und Weise von den Zuschauern gefeiert, wie ich es bis dahin nur ganz selten erlebt habe. Nach dem Spiel habe ich dann, völlig zufrieden und mit mir selbst im Reinen, meinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt. Das war der größte und emotionalste Moment, an den ich mich erinnern kann.“

Nächste Station: Bielefeld

(Anm. d. Red.: Aufgrund einer Ellenbogen-Verletzung konnte Oliver Kahn die Auswärtsspiele in Bochum und Dortmund nicht bestreiten.)

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