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Herbstmeister

'Haben unser Etappenziel erreicht'

Während des Spiels schüttelte Ottmar Hitzfeld immer wieder den Kopf, nach dem Schlusspfiff stand er mit ernster Miene am Spielfeldrand. „Nach den letzten Tagen dachte ich, wir wären im Abstiegskampf“, sagte der FCB-Chefcoach später in die Mikrofone der Reporter. Auch Bastian Schweinsteiger war sich nicht ganz sicher, ob der FC Bayern in den letzten Wochen etwa in den Tabellenkeller gerutscht war. „Ich habe noch mal geguckt, wo wir sind“, erzählte er am Samstag. Der FC Bayern hatte sich gerade durch ein 0:0 bei Hertha BSC Berlin die Herbstmeisterschaft gesichert, zum 16. Mal in der Vereinsgeschichte.

„Wir sollten jetzt mal aufhören herumzueiern, sondern uns einfach nur freuen“, ereiferte sich Uli Hoeneß, nachdem die Medien den Rekordmeister in den letzten Tagen nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst hatten. „Wir haben von 17 Spielen nur eins verloren. Immer wenn dem FC Bayern etwas gelingt, sucht man noch das Haar in der Suppe.“

Punktgleich mit Bremen

„Wir haben unser Etappenziel Herbstmeisterschaft erreicht“, zog auch Hitzfeld eine positive Zwischenbilanz. „Sehr gut“ sei seine Mannschaft in die Saison gestartet. „Mit spektakulären Siegen haben wir die Latte sehr hoch gelegt.“ Doch das sei schließlich zum Problem geworden. „Damit haben wir uns selbst in Zugzwang gebracht.“

Mit sechs Punkten Vorsprung führte der FCB nach dem zehnten Spieltag die Tabelle vor Werder Bremen an. In den restlichen sieben Spielen bis zur Winterpause lief es aber plötzlich nicht mehr rund. Nur zwei Siege und vier Tore verbuchten die Bayern in dieser Phase, spielten vier Mal 0:0. Bremen kam so immer näher und zog am Samstag nach Punkten mit den Münchnern gleich. Dank der um fünf Treffer besseren Tordifferenz überwintert der FCB aber auf Platz eins.

Zu viele Haken, zu wenig Tore

„In den letzten Wochen haben wir einen Durchhänger gehabt und nicht mehr die letzte Konsequenz im Abschluss gezeigt“, analysierte Hitzfeld das holprige Ende der Hinrunde. Die Partie in Berlin fügte sich da nahtlos ein. 62 Prozent Ballbesitz, 20:8 Torschüsse, 13:5 Flanken, 53 Prozent gewonnene Zweikämpfe - die Bayern dominierten das Spiel im Berliner Olympiastadion, trafen aber das Tor nicht. „Wir haben gut kombiniert und um den Strafraum herum sehr gut gespielt. Im Strafraum wollten wir aber den einen oder anderen Haken zu viel machen“, meinte Hitzfeld.

In der Vorbereitung auf die Rückrunde werde er daher einen Schwerpunkt auf Chancenverwertung legen, kündigte der FCB-Cheftrainer an. Dabei gilt es, auch ein Rezept zu erarbeiten, mit dem extrem defensiv eingestellte Mannschaften geknackt werden können. „Ab einem bestimmten Punkt haben die Gegner erkannt, dass wir uns schwer tun, wenn sie sich mit elf Mann hinten reinstellen“, meinte Hoeneß. Das Hertha-Spiel bestätigte dies erneut.

Defensive mit neuem Vereinsrekord

Lange aufhalten wollten sich die Bayern mit dem 0:0 in Berlin aber nicht. Auswärts könne das in Berlin schon einmal passieren, meinte Hitzfeld, der vor allem die Punktverluste in der Allianz Arena bemängelte. „Die zwei Nullnummern gegen Frankfurt und Duisburg stören mich.“

Sehr zufrieden konnte Hitzfeld auf jeden Fall mit der Defensivleistung seiner Mannschaft in der Vorrunde sein. „Die Abwehr und das gesamte Abwehrverhalten der Mannschaft muss man loben“, sagte der Cheftrainer. Nur acht Gegentore kassierten die Münchner in der Hinrunde - der Vereinsrekord aus der Saison 1988/89 (elf Gegentore) wurde damit gebrochen.

FCB zu 86,6 Prozent Meister

Mit einer starken Abwehr und einem hoffentlich wieder treffsicheren Sturm wollen die Bayern in der Rückrunde weiter vorneweg marschieren und möglichst schnell alle Diskussionen ersticken. „Wir können nur Deutscher Meister werden, wenn hier wieder Ruhe einkehrt“, betonte Hitzfeld.

Statistisch gesehen haben die Bayern mit der Herbstmeisterschaft ihre Titelambitionen gestärkt. Nach 13 der vorangegangenen 15 Halbzeittitel wurde der FCB am Ende auch Meister, die Meisterwahrscheinlichkeit beträgt somit 86,6 Prozent. Das bedeutet aber nicht, dass sich die Münchner in der zweiten Saisonhälfte zurücklehnen können. Schweinsteiger sagte: „Wir sind zwar Erster, aber wir wissen, dass wir noch ein bisschen was zu tun haben.“

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