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FCB II im Soll

Happy End einer schwierigen Hinrunde

Herman Gerland ballte die Fäuste, der bereits ausgewechselte Siegtorschütze Deniz Yilmaz wurde von den Kollegen auf der Bank umarmt und während das Gros der Mannschaft gemeinsam mit den Fans vor der Gegengerade tanzte, atmete Werner Kern vor dem Kabinengang erst einmal tief durch. Nach dem hart erkämpften 1:0 (0:0)-Regionalliga-Derbysieg gegen den TSV 1860 München II sah man bei den Beteiligten des FC Bayern durchweg zufriedene Gesichter. „Uns ist allen ein riesiger Stein vom Herzen gefallen. Das war ein Spiel, das wir gewinnen mussten“, sagte junior-team-Chef Kern einen Tag später fcbayern.de.

Wie wichtig der Sieg war, zeigt ein Blick auf die Tabelle der Regionalliga Süd. Nach dem 19. Spieltag belegen die „kleinen“ Bayern nun Platz acht mit zwei Zähler Vorsprung auf den Lokalrivalen. „Wenn wir heute verloren hätten, wären es schon vier Punkte Rückstand auf die Löwen gewesen. Das wäre schon heftig gewesen“, sagte Jungprofi Mats Hummels. „Gegen 60 zu spielen ist immer etwas Besonderes. Dann auch noch das Siegtor zu schießen, ist natürlich besonders schön“, meinte Matchwinner Yilmaz. Auch er strich die Bedeutung des Erfolges hervor: „Wir sind jetzt in der Tabelle vor 60, das ist natürlich sehr positiv.“

Dritte Liga heißt das Ziel

Anders als in den letzten Jahren, als es für die zweite Mannschaft des FCB in erster Linie darum ging, junge Talente nach Möglichkeit auch für den eigenen Profi-Kader auszubilden, steht diese Saison auch die Tabelleim Vordergrund. Mindestens Platz zehn muss man am Ende inne haben, um sich für die neu geschaffene eingleisige Dritte Liga zu qualifizieren, in der zudem höchstens vier zweite Mannschaften vertreten sein werden, jeweils zwei aus der Süd- und der Nord-Staffel. Da die U23 des VfB Stuttgarts als Tabellenzweiter schon weit enteilt ist, war das Derby gegen die Löwen doppelt wichtig.

Das Spiel am Sonntag vor prächtiger Kulisse von 4.800 Zuschauern war ein Spiegelbild der bisherigen Saison. Hinten ließen die Bayern um Abwehrchef Thomas Linke und dem großen Torwart-Talent Thomas Kraft kaum etwas zu; im Mittelfeld wurde fleißig und konzentriert gearbeitet und durch Toni Kroos phasenweise auch spielerische Glanzpunkte gesetzt; nur ganz vorne klemmte trotz mehreren guten Gelegenheiten bis auf eine einzige Ausnahme der Schuh.

Eine Hinrunde mit Hindernissen

„Das A und O im Spiel sind nun einmal die Tore“, bemängelte Gerland hinterher einmal mehr die Chancenauswertung seiner Angreifer. Der als Torjäger eingekaufte Vitus Nagorny hat im bisherigen Saisonverlauf auch aufgrund von Verletzungs- und Anpassungsprobleme erst drei Mal getroffen, Daniel Sikorski kommt auf vier Tore. Eine gute Entwicklung attestierte Gerland dafür Yilmaz, der zu Saisonbeginn verletzungsbedingt ausgefallen war, sich zuletzt aber vier Mal in die Torschützenliste eintragen konnte.

„Wir müssen sehen, dass wir besser und effektiver nach vorne spielen“, sagte Gerland, der durch Verletzungspech (Hummels, Yilmaz, Stephan Fürstner) und Abstelllungen für den Profikader (Kroos, Hummels, Fürstner, Sandro Wagner,) immer wieder gezwungen war, seine Mannschaft umzubauen. „Das wir jetzt auf Platz acht überwintern, ist unter diesen Umständen fast schon erfreulich. Wir waren ja zwischenzeitlich sogar mal auf Platz 17 abgerutscht. Zum Glück hat sich das Team in den letzten Spielen berappelt“, sagte Kern, der insgesamt aber eine „enttäuschende Vorrunde“ eingestand: „Unsere Qualifikation hängt am seidenen Faden.“

Mit Pulsuhr und Trainingsplan in den Urlaub

Vor der Saison hatte man nämlich bei den Verantwortlichen mit einem Platz viel weiter vorne spekuliert. „Wenn alles einigermaßen verlaufen wäre, stünden wir jetzt da, wo der VfB steht“, sagte Kern: „Wir haben gedacht, wir spielen vorne mit, aber es ist ganz anders gekommen.“ Auf der mannschaftsinternen Weihnachtsfeier am Sonntagabend im Paulaner am Nockherberg hat er daher den Spielern noch mal ins Gewissen geredet. „Ich habe ihnen gesagt, was in den letzten 15 Partien auf dem Spiel steht.“ Ein Verpassen der Dritten Liga würde bestimmt nicht nur er als „Rückschritt“ für das junior team sehen.

„Wenn wir weiter so spielen wie in der Vergangenheit, werden wir bis zum Ende zittern müssen“, sagte Gerland. Der Trainer hat jedenfalls vorgesorgt und seinen Spieler bei der Weihnachtsfeier einen Trainingsplan und eine Pulsuhr in die Hand gedrückt. Zum Trainingsstart am 9. Januar wird er kontrollieren, wer von seinen Spielern auch im Urlaub regelmäßig ordentlich gearbeitet hat. Deniz Yilmaz ist überzeugt: „Ich denke, mit dieser Mannschaft können wir es in der Rückrunde noch unter die ersten Fünf schaffen. Wir sind eine Super-Truppe.“

Für fcbayern.de berichtet: Dirk Hauser

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