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Kahns Suspendierung

Hitzfeld: 'Ich musste ein Zeichen setzen'

Es gab sicherlich schon erfreulichere Gelegenheiten, in denen Ottmar Hitzfeld vor die Presse trat. Als er am Mittwoch gegen 12.10 Uhr das proppevolle Presserondell an der Säbener Straße betrat, wirkte er hochkonzentriert und vielleicht sogar ein wenig angespannt. Schließlich wollte er die Öffentlichkeit darüber in Kenntnis setzen, warum er seinen langjährigen Kapitän Oliver Kahn für das Spiel in Berlin suspendiert und ihm eine saftige Geldstrafe von 25.000 Euro auferlegt hat.

„Ich musste irgendwann ein Zeichen setzen, damit jeder Spieler weiß, wie er sich beim FC Bayern zu verhalten hat“, sagte Hitzfeld und beteuerte: „Es hat mir wehgetan, dass es ihn getroffen hat. Aber ich musste reagieren.“ Der Bayern-Coach sprach selbst von „drakonischen Strafen“, die er Kahn am Dienstag in einem persönlichen Gespräch vor dem Training mitgeteilt hatte. „Er hat das auch eingesehen und sich entschuldigt. Somit ist der Fall für mich abgeschlossen.“

Kahn bleibt Kapitän

Hitzfeld betonte, dass Kahn, der am Mittwoch wegen Rückenproblemen mit dem Training aussetzte, weiterhin Kapitän bleibe und auch am Mittwoch im UEFA-Cup-Spiel gegen Thessaloniki wieder ins Tor zurückkehren werde: „Es gibt eine klare Absprache. Ich war die letzten Jahre sehr, sehr zufrieden mit ihm, habe ihm viel zu verdanken, der Verein hat ihm viel zu verdanken. Olli war immer ein Vorbild, das soll er auch bleiben. Ich will ihn weiterhin in einer starken Position.“

Dass es zur Bestrafung kam begründete Hitzfeld damit, dass Kahn in zwei konkreten Fällen seiner Vorbildfunktion nicht nachgekommen ist. Zum einen hatte der 38-jährige Schlussmann am Montag in einem Interview öffentlich Mitspieler kritisiert. „Das müssen wir absolut unterbinden, sonst haben wir hier ein Irrenhaus“, sagte Hitzfeld. Zum anderen hatte Kahn die mannschaftsinterne Weihnachtsfeier am Samstag zu früh verlassen und zudem seine obligatorische Rede als Kapitän an Mark van Bommel abgebenen.

Kahn kommt auf Weihnachtsfeier Pflichten nicht nach

„Er hat sich nicht richtig verhalten bei der Weihnachtsfeier. Es kann ja nicht sein, dass ein Kapitän frühzeitig nach Hause oder sonst irgendwo hingeht, wenn das nicht abgesprochen war“, sagte Hitzfeld und machte deutlich. „Oliver Kahn hat als Kapitän eine Vorbildfunktion innerhalb der Mannschaft, an ihm orientieren sich die Mitspieler.“ Gegen diese Regel hat der Keeper verstoßen. „Wenn ich das durchgehen lasse: Wen soll ich dann noch zur Disziplin rufen, wenn der Kapitän sie nicht vorlebt?“, fragte Hitzfeld.

Der „General“ machte aber auch deutlich, dass er mit Kahns Bestrafung die ganze Mannschaft disziplinieren will. „Wir haben einige negative Schlagzeilen gehabt und ich habe lange Zeit zugeschaut.“ Einige Dinge hätten zuletzt aber Überhand genommen. „Das war ein Zeichen nach innen, damit jeder Spieler weiß, dass wir eine verschworene Truppe sein müssen, um unsere Ziele zu erreichen. Und wir haben große Ziele in dieser Saison“, stellte Hitzfeld klar.

Hitzfeld will Ehrencodex einführen

Aus diesem Grund hat Hitzfeld auch beschlossen, in der Winterpause einen Ehrencodex aufzustellen. Darin sollen unter anderem folgende Punkte geklärt werden: „Was ist wichtig beim FC Bayern? Wie verhalte ich mich in der Öffentlichkeit?“ Dieser Ehrencodex soll den Bayern-Profis als Orientierung gelten. „Das wird einige Spieler dazu anhalten, sich Gedanken zu machen, welche Verpflichtungen man auch gegenüber dem FC Bayern hat - in der Öffentlichkeit und innerhalb der Mannschaft.“

Hitzfeld möchte so die unterschiedlichen Charaktere in seinem Multi-Kulti-Kader auf eine Linie bringen. „Die Mannschaft ist sicherlich noch in der Entwicklung und hat noch nicht diese Höhen und Tiefen erlebt wie andere, die dann zusammenwachsen“, sagte der Bayern-Coach. Der 58-Jährige will die Konzentration aller wieder mehr auf das Sportliche lenken will: „Wir müssen darauf achten, dass wieder Ruhe einkehrt. Wir können uns andere Nebenkriegsschauplätze nicht leisten.“

Für fcbayern.de berichtet: Dirk Hauser

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