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Interview, Teil zwei

Jansen: 'Bayern war eine neue Liga für mich'

Marcell Jansen hat viel erlebt in seinen ersten sechs Monaten beim FC Bayern: der Traumstart in die Saison, der Durchhänger im Herbst, seine ersten Europapokalspiele, seine Verletzung und vieles mehr. Im zweiten Teil des Interviews mit fcbayernde spricht der 22-jährige deutsche Nationalspieler über die Medien, englische Wochen und die Rolle des Außenverteidigers.

Das Interview mit Marcell Jansen, Teil 2:

fcbayern.de: In Deinem ersten halben Jahr in München hast Du auch den medialen Druck mitbekommen. Erst wurde der FC Bayern hochgejubelt, am Ende stark kritisiert.
Jansen: „Es ist schon sehr extrem hier. Aber ich habe die Zeit vor der WM miterlebt. Damals hieß es: Klinsmann, zieh nach Deutschland, mach dies und jenes. Nach dem 1:4 in Italien wurde die Mannschaft von allen Seiten extrem kritisiert und schlecht gemacht. Und nach der WM? Da wurde auf Knien gebettelt: Klinsmann, bleib doch! Deswegen sind die Medien für mich kein Problem. Ich belächle das eher.“

fcbayern.de: Die WM war also eine super Vorbereitung auf den FC Bayern?
Jansen: „Ja, besser geht es nicht. Ich respektiere die Medien, sie gehören zum Geschäft dazu. Aber ich kann nicht immer alles gutheißen. Das beste Beispiel dafür war die Zeit vor der WM. Ich war damals in der Nationalmannschaft noch in der zweiten Reihe und konnte alles schön beobachten. Ich habe alles genau gelesen und genau gesehen, was sich mit der WM geändert hat. Da sind wir in Deutschland ein bisschen zu schnelllebig. Aber mir macht das gar nichts mehr aus.“

fcbayern.de: Zurück zu Dir. Wie bist Du mit der körperlichen Belastung beim FCB zurechtgekommen?
Jansen: „Es war hart für mich, eine Riesenumstellung. Ich kannte englische Wochen im Grunde gar nicht. Klar, hatte ich auch in Gladbach mal zwei Spiele in einer Woche, gerade durch bei Länderspielen. Die Belastung beim FC Bayern war aber eine neue Liga für mich. Man gewöhnt sich daran. Und da man mit Spaß an der Sache ist, merkt man gar nicht, wie müde man ist.“

fcbayern.de: Wie hast Du Dich als Außenverteidiger im letzten halben Jahr weiterentwickelt?
Jansen: „Allein wegen der englischen Wochen kann es nur eine Weiterentwicklung geben. Durch die vielen Spiele, meine ersten Europapokalerfahrungen, gewinnt man viel an Reife. Und mit Franck Ribéry als Vordermann musste ich mein Spiel ein bisschen umstellen. Ich kann nicht so viel nach vorne gehen, und wenn, dann muss ich versuchen, effektiver zu werden. Ich habe gelernt, mir meine Vorstöße genau einzuteilen.“

fcbayern.de: Wie fällt Deine persönliche Bilanz nach einem halben Jahr FC Bayern aus?
Jansen: „Positiv. Ich bin gut aufgenommen worden, habe sehr viel gelernt und bin sehr dankbar, dass ich hier spielen darf. Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Verein so viel Geld für einen linken Verteidiger zahlt. Ich musste nach dem Abstieg mit Gladbach den Schritt für mich gehen. Wäre ich Stürmer, hätte ich sagen können: Ich bleibe noch ein Jahr und schieß die wieder hoch. Aber als linker Verteidiger? Die zweite Liga ist eine sehr schwierige Liga. Wenn es da mal ein, zwei Spiele nicht so läuft, dann heißt es gleich: Der bringt ja nicht mal in der zweiten Liga Leistung, der hat’s leider nicht geschafft.“

fcbayern.de: Man hat es als Linksverteidiger also schwerer, auf sich aufmerksam zu machen?
Jansen: „Es gefällt mir nicht, wenn es heißt, Außenverteidiger sei eine einfache Position. Der Außenverteidiger wird im modernen Fußball immer wichtiger, weil durch die Mitte nicht mehr viel geht. Oft wird übersehen, dass die Außenverteidiger die weitesten Wege haben und viel Kraft brauchen. Auch wenn man in einem Spiel nur wenige Offensivaktionen hat, wird man oft unterbewertet. Dabei ist es schon gut, wenn man seine Seite im Griff hat.“

fcbayern.de: Mit welchen Zielen gehst Du in das neue Jahr?
Jansen: „Ich habe viel vor, aber in kurzen Schritten. Erstes großes Ziel ist es, fit zu werden für die Rückkehr ins Mannschaftstraining. Zweites großes Ziel ist es, wieder viele Spiele zu machen mit dem FC Bayern und der Nationalmannschaft. Und ich will Titel gewinnen. Das wäre die optimale Vorbereitung auf die Europameisterschaft.“

fcbayern.de: Denkst Du schon oft an die EM?
Jansen: „Wenn man nicht gesund ist, dann ist es noch ein langer Weg. Deswegen plane ich auch in kurzen Schritten.“

Das Interview führte: Nikolaus Heindl

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