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Hitzfelds große Fußstapfen

FCB geht ohne Zeitdruck auf Trainersuche

Als die Verbindungstür zu den Umkleidekabinen aufging, konnte man gut erkennen, wie Uli Hoeneß ganz bewusst und fast schon symbolisch Ottmar Hitzfeld den Vorzug ließ beim Betreten des Presserondells. Dort hatten sich über 60 Medienvertreter eingefunden, 14 Kameras waren aufgestellt, ein Fernsehsender übertrug sogar live von der Säbener Straße. Es war ein Auflauf wie wenige Tage vor einem Champions-League-Finale.

Das riesige mediale Interesse galt aber nicht in erster Linie dem Auftakt des FC Bayern in die Rückrundenvorbereitung, und auch nicht dem Winterneuzugang Breno aus Brasilien. Der hatte sich zuvor schon in seiner ersten Pressekonferenz in München vorgestellt. Nein, es galt überwiegend Hitzfeld, der einige Tage zuvor seinen Abschied vom FC Bayern zum Saisonende bestätigt hatte, und Hoeneß, von dem Antworten auf die Nachfolgefrage erhofft wurden.

Hitzfeld sieht seine Aufgabe beendet

Die Frage nach Hitzfelds Beweggründen, seinen am 30. Juni 2008 auslaufenden Vertrag beim Rekordmeister nicht zu verlängern, konnte der Bayern-Coach schnell beantworten. „Ich bin vor knapp einem Jahr gekommen, um dem FC Bayern für vier, fünf Monate auszuhelfen. Ich hatte nie vor, langfristig hier zu arbeiten“, sagte Hitzfeld, der zu Beginn des letzten Jahres Felix Magath abgelöst hatte. Die Herausforderung, einen personellen Umbruch beim FC Bayern anzugehen, habe ihn dann aber dazu bewogen, ein weiteres Jahr zu bleiben.

„Diese Entwicklung sehe ich nach einem Jahr abgeschlossen. Wenn ich eine intakte Mannschaft hinterlassen kann, ist mein Ziel erreicht“, sagte Hitzfeld. Mit viel Freude blicke er seinen letzten Monaten als Chefcoach beim FCB entgegen, betonte Hitzfeld. Was er in Zukunft machen will, ist noch offen. Als Möglichkeiten bietet sich ihm offenbar der Trainerposten bei der Schweizer Nationalmannschaft oder die Rückkehr als TV-Experte. Vor seiner Rückkehr nach München hatte der 58-Jährige Fußballlehrer beim Bezahlsender „Premiere“ gearbeitet. „Zweieinhalb Jahre war ich beim Fernsehen - und habe kein Spiel verloren. Das war ein toller Job“, sagte Hitzfeld lächelnd.

Hoeneß' Appell an die Presse

Wer ihn im Sommer auf der Trainerbank beim FC Bayern beerbt, ist derzeit noch völlig offen. Man werde im Vorstand in aller Ruhe „kreuz und quer diskutieren“, betonte Manager Hoeneß. Zeitdruck verspürt er dabei nicht. „Wir werden nicht bis Mai, Juni warten, haben aber auch nicht das Ziel, in zwei oder drei Wochen einen Namen zu nennen.“ Auf die in den Zeitzungen gehandelten Namen wollte er erst gar nicht eingehen. Hoeneß bat aber in der Berichterstattung zur Fairness: „Ich habe kein Problem damit, wenn Diskussionen in den Zeitungen geführt werden. Ich habe aber die dringende Bitte, keine Halb- und Unwahrheiten darzustellen. Da werden wir sehr empfindlich reagieren.“

Über das Anforderungsprofil des „Neuen“ wollte Hoeneß keine Auskunft geben. „Das müssen wir nicht in der Öffentlichkeit diskutieren.“ Die Fußstapfen, die Ottmar Hitzfeld hinterlässt, sind aber groß, gab Hoeneß zu bedenken: „Da muss man die Entscheidung gut überlegen. Deshalb werden wir uns alle Zeit der Welt lassen, denn es wird schwer genug, einen guten Nachfolger zu finden. Aber wenn wir uns für einen Trainer entscheiden, dann kriegen wir den auch. So viel Selbstvertrauen haben wir.“

Mit straffen Zügeln zum Erfolg

Sportliche Auswirkungen der Trainer-Suche auf die laufende Saison befürchtet Hoeneß, der einen vorzeitigen Abschied von Hitzfeld - „egal was passiert“ - ausschloss, nicht. „Ottmar hat heute vor der Mannschaft erklärt, dass er alles geben wird, um die Ziele zu erreichen und viele Erfolge einzuheimsen. Er wird keine Unruhe zulassen.“ Hitzfeld kündigte gleichzeitig an, das Team mit straffen Zügeln führen zu wollen: „Wir dürfen uns intern nichts erlauben.“

Das Vertrauen, dass der FC Bayern „nach wie vor in mich hat“, möchte er mit Erfolgen zurückzahlen. „Wir wollen einige Titel holen. Das ist meine Mission beim FC Bayern.“ Der Rückendeckung der Klubführung kann er sich dabei sicher sein. „Egal wie sie Saison läuft“, betonte Hoeneß, „Ottmar Hitzfeld wird den FC Bayern nie durch die Hintertür, sondern immer durch das große Tor in der Allianz Arena verlassen.“

Für fcbayern.de berichtet: Dirk Hauser

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