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Sieg mit Lerneffekt

FCB zwischen 'atemberaubend' und 'nachlässig'

Als fast alle Bayern-Spieler am Dienstagabend das Stadion schon verlassen hatten, stand Uli Hoeneß noch immer in der Mixed Zone der Gelsenkirchener Veltins-Arena. Kaum hatte der FCB-Manager alle Reporter-Fragen geduldig beantwortet, war er umringt worden von einem Pulk Jugendspieler des Wuppertaler SV. Noch immer trug er seine rote Stadionjacke, Schweißperlen schimmerten auf seiner Stirn. Doch Hoeneß lächelte. Ohne Unterlass gab er Autogramme, stand für Erinnerungsfotos zur Verfügung und war zu Späßen aufgelegt. Er genoss das Gefühl, die Schalker Arena erstmals als Sieger zu verlassen.

Vor allem aber hatten die vorangegangenen 45 Minuten den FCB-Manager in Hochstimmung versetzt. „Unsere Mannschaft hat in der zweiten Halbzeit so gespielt, wie wir uns den FC Bayern vorstellen“, freute sich Hoeneß nach dem 5:2 (2:2)-Sieg gegen den Regionalligisten aus Wuppertal. Der deutsche Rekordmeister zog damit ins DFB-Pokal-Viertelfinale ein und feierte gleichzeitig einen erfolgreichen Rückrundenstart.

FCB wie in einem Freundschaftsspiel

Gegen den Spitzenreiter der Regionalliga Nord deuteten die Münchner zumindest 45 Minuten lang an, wozu sie fähig sind. „An der zweiten Halbzeit kann man fast nichts verbessern. Ich fand es teilweise atemberaubend, was den anderen da links und rechts um die Ohren geflogen ist“, war Hoeneß beeindruckt vom Sturmlauf der Bayern nach der Pause. Zunächst hatte beim FCB aber die Umstellung von Freundschaftsspielen auf das erste Pflichtspiel des neuen Jahres nicht geklappt.

„In der ersten Halbzeit haben wir nicht die nötige Mentalität und Aggressivität gehabt. Jetzt wissen wir wieder, mit welcher Einstellung wir von Anfang an ins Spiel gehen müssen“, meinte Oliver Kahn. „Wir haben immer noch so gespielt wie in Freundschaftsspielen“, monierte Hoeneß. Ottmar Hitzfeld bemängelte Leichtsinn und Sorglosigkeit in der Defensive. „Wir hatten in der ersten Halbzeit nicht die Zweikampfbilanz, die ich mir vorstelle.“

Lob an Wuppertal

Die Quittung folgte in Person der Wuppertaler Tobias Damm (26.) und Mahir Saglik (29.), die die zweimalige FCB-Führung durch Miroslav Klose (14., 27.) jeweils ausglichen. „Das war keine einfache Situation für uns“, sagte Hitzfeld und sparte nicht mit Lob für den Gegner. „Wuppertal hat uns das Leben sehr schwer gemacht. Sie sind speziell in der ersten Hälfte an die Grenze der Belastbarkeit gegangen.“

„So wie die Wuppertaler in der ersten Halbzeit aufgetreten sind, hätten hier viele Mannschaften Schwierigkeiten gehabt. Sie sind um ihr Leben gerannt“, meinte Hoeneß. Der WSV habe „sehr engagiert, sehr einsatzfreudig, sehr hart in den Zweikämpfen“ agiert, die Bayern hingegen hätten von ihren Gegenspielern „viel zu weit weg gestanden“ und in der Abwehr „viel zu nachlässig gespielt“.

Richtig Fußball nach der Pause

Daraus zogen die Bayern in der Halbzeitpause ihre Lehren. Nach einer sachlichen Analyse des Trainers rüttelten sich die Spieler auch selbst wach. „In der Halbzeit habe ich gespürt, dass die Mannschaft hier unbedingt gewinnen will“, erzählte Hoeneß, „die Spieler haben sich gegenseitig heiß gemacht. Dementsprechend sind sie in der zweiten Halbzeit aufgetreten.“

Nach Wiederanpfiff spielten nur noch die Bayern. Daniel van Buyten (50.) und Luca Toni (53.) sorgten schnell für klare Verhältnisse, kurz vor Schluss setzte Hamit Altintop (88.) noch einen Treffer obendrauf. „Die Mannschaft hat Charakter gezeigt und mit einer unglaublichen Konzentration weitergespielt“, freute sich Hitzfeld. Hoeneß sagte: „Nach der Pause hat die Mannschaft von der ersten Minute an richtig Fußball gespielt und Zweikampfstärke gezeigt. Wuppertal hatte keine Chance mehr.“

Gegen Rostock nachlegen

Auf der Leistung der zweiten Halbzeit wollen die Bayern nun aufbauen. „Es war ein guter Auftakt. Jetzt müssen wir am Freitag nachlegen und über 90 Minuten ein gutes Spiel abliefern“, legte Philipp Lahm noch in der Veltins-Arena den Fokus auf den nun folgenden Bundesligastart bei Hansa Rostock. „Mit Blick auf Rostock war es sehr wichtig, so ein Spiel unter absoluten Wettbewerbsbedingungen zu haben“, meinte Kahn, „wir haben gesehen, dass wir von Anfang an sehr aggressiv spielen müssen.“

Der hart erkämpfte Sieg gegen Wuppertal war somit eine lehrreiche Generalprobe für die Bayern vor dem Beginn der Bundesliga-Rückrunde. „Es ist gut, dass wir heute 90 Minuten gefordert wurden. Wir sind jetzt gut gerüstet für die Rückrunde.“ Mit dieser Erkenntnis machte sich auch Hoeneß schließlich auf den Nachhauseweg.

Für fcbayern.de in der Veltins-Arena: Nikolaus Heindl

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