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Beckenbauer:

'Ich erwarte einen Dreikampf'

Franz Beckenbauer ist mal wieder auf Reisen. Zurzeit ist der Präsident des FC Bayern in Zagreb auf einem UEFA-Kongress. Dort stand der 62-Jährige der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in einem Interview Rede und Antwort. Darin spricht er über den Titelkampf in der Bundesliga, Klinsmanns Co-Trainer und seine persönliche Zukunft.

Das Interview:

Frage: Die Bundesliga startet in die Rückrunde. Zwei Mannschaften sind punktgleich an der Spitze. Was spricht für Bayern München, was spricht für Werder Bremen als nächsten deutschen Meister?
Beckenbauer: „Für den FC Bayern spricht sicherlich die frühe Bekanntgabe des Nachfolgers von Ottmar Hitzfeld. Dass man die Spekulationen vom Tisch hat, ist wichtig. Sonst hätte man die nächsten Monate jeden Tag Spekulationen gehabt. Das hätte nur Unruhe gebracht. Für die Bremer spricht vielleicht, dass sie in der Vorrunde viele Verletzte hatten, oft mit einer anderen Mannschaft spielen mussten und trotzdem oben mitgespielt haben. Es gibt zwischen München und Bremen keine allzu großen Unterschiede.“

Frage: Kann noch ein Überraschungsteam in den Meisterschaftskampf eingreifen?
Beckenbauer: „Ich glaube, vielleicht der HSV. Die haben sich damit abgefunden, dass ihr Trainer Huub Stevens geht. Also ich denke, wenn sie sobald wie möglich einen neuen Trainer präsentieren, dann traue ich ihnen zu, dass sie um den Titel mitspielen können. Ich erwarte einen Dreikampf.“

Frage: Ottmar Hitzfeld hört zum Saisonende auf. Sehen sie seine Position dadurch geschwächt?
Beckenbauer: „Nein, weil der Ottmar eine Respektsperson ist. Die Spieler respektieren ihn. Das spürt man.“

Frage: Jürgen Klinsmann bringt mit Martin Vasquez einen hierzulande unbekannten Mexikaner als Co-Trainer mit nach München. Was halten Sie von dieser Entscheidung?
Beckenbauer: „Martin Vasquez ist ein neues Gesicht in der Bundesliga. Das kann nicht schaden. Es ist immer gut, wenn neue Ideen hereingebracht werden.“

Frage: Wird Jürgen Klinsmann den FC Bayern genauso umkrempeln, wie er den DFB umgekrempelt hat?
Beckenbauer: „Ich weiß nicht, ob das notwendig ist. Er hat eine völlig neue Trainersprache etabliert. Das war schon eine Revolution. Jetzt hat man viele Dinge bereits übernommen, selbst Ottmar Hitzfeld, so dass jetzt viele Dinge nicht mehr so revolutionär sind. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er personell etwas ändert, dass er Karl- Heinz Rummenigge absetzt oder mich, das glaube ich nicht. (schmunzelt)

Frage: Wie lange bleiben Sie beim FC Bayern noch in Ihren Ämtern? Kommt 2009 wie angekündigt der Abschied?
Beckenbauer: „In den letzten Jahren habe ich mit der neuen Konstellation als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender weniger Zeit für den FC Bayern aufwenden müssen. Ich bin gewählt bis 2009. Das sind noch zwei Jahre, das ist noch eine lange Zeit. Wir werden bis dahin sicher eine Regelung finden.“

Frage: Sie sind jetzt ein dreiviertel Jahr in der FIFA-Exekutive. Sind Sie überrascht vom Arbeitsaufwand?
Beckenbauer: „Überrascht bin ich nicht. Aber es sind nicht nur die Sitzungen in den vielen Kommissionen, die einen beschäftigen. Ich muss auch beispielsweise bei der U17-WM und U20-WM der Frauen in Neuseeland und Chile anwesend sein. Wenn es nur die Sitzungen wären, wäre es einfach.“

Frage: Wieviel Zeit bleibt bei Ihrem Stress für die eigene Familie?
Beckenbauer: „Also ich habe jetzt wesentlich mehr Zeit für meine Familie als vor der WM. Wenn ich frei habe, bin ich nur zu Hause und kümmere mich um die Familie. So ganz ohne Tätigkeit und alles auf Null einzuschränken geht für mich definitiv nicht.“

Frage: Das heißt, den Rentner Beckenbauer wird es nicht geben?
Beckenbauer: „Wenn ich es gesundheitlich schaffe, muss ich das Rentnerdasein wohl noch vor mir herschieben.“

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