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'Unser absoluter Wunschkandidat'

Mit Querdenker Klinsmann auf neue Wege

Als Jürgen Klinsmann um 15.56 Uhr gemeinsam mit dem Vorstands-Trio Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und Karl Hopfner sowie dem Aufsichtsratsvorsitzenden Franz Beckenbauer auf dem Podium des Saals Garmisch im Arabella Sheraton Grand Hotel Platz nahm, wurde endgültig zur Gewissheit, was am frühen Morgen selbst bei eingefleischten Bayern-Fans für pures Erstaunen gesorgt hatte. Der ehemalige Bundestrainer Klinsmann wird ab dem 1. Juli 2008 Chefcoach beim FC Bayern und damit Nachfolger von Ottmar Hitzfeld. Selten zuvor war das Wort „Sensationsmeldung“ so passend wie in diesem Fall.

„Ich freue mich riesig und fühle mich geehrt, Trainer beim FC Bayern zu werden“, sagte der 43-Jährige anschließend vor 240 Journalisten und 33 TV-Kameras in der kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Am Freitagmorgen hatten beide Parteien noch letzte Details des Zweijahresvertrags geklärt. „Als Jürgen heute Mittag in München gelandet ist, war dann alles klar“, berichtete Manager Uli Hoeneß zufrieden. Schneller als von allen erwartet war damit die Hitzfeld-Nachfolge geklärt.

Rummenigge schlug Klinsmann vor

Dass die Wahl von Hoeneß und seinen Vorstandskollegen ausgerechnet auf Klinsmann fiel, scheint auf den ersten Blick überraschend. Unvergessen sind die verbalen Auseinandersetzungen zwischen Klinsmann und den Bayern-Verantwortlichen während dessen Tätigkeit von 2004 bis nach der WM 2006 als Bundestrainer. „Aber wir waren in der Sache mit Jürgen nie weit auseinander und haben – was die Öffentlichkeit nicht weiß - vor und während der WM oft miteinander telefoniert. Der persönliche Kontakt war immer gut“, versicherte Hoeneß. „Uli, aber auch Karl-Heinz und Franz haben mir in den zwei Jahren beim DFB viel Rückhalt gegeben“, bestätigte auch Klinsmann.

Dennoch: Kaum ein Experte hatte den Namen Jürgen Klinsmann auf der Liste der möglichen Hitzfeld-Nachfolger. „Ich möchte ausdrücklich betonen, dass Jürgen unser absoluter Wunschkandidat war“, stellte Rummenigge klar. Nachdem Hitzfeld am 17. Dezember dem Vorstand mitgeteilt hatte, seinen am Saisonende auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern, hatte der Vorstandschef selbst Klinsmann ins Gespräch gebracht und sofort die Zustimmung seiner Kollegen erhalten. „Karl-Heinz hat auch telefonisch den ersten Kontakt aufgenommen“, berichtete Hoeneß. Dies geschah schon ein paar Tage vor Weihnachten.

Klinsmann erfüllt alle Kriterien

„Als der Anruf kam, war die Entscheidung emotional schnell getroffen“, berichtete Klinsmann, dessen Sohn Jonathan während seiner Zeit als FCB-Profi (1995-97) in München geboren wurde. „Jürgen hat es sich eine Nacht überlegt und war dann gleich Feuer und Flamme“, sagte Hoeneß. In den Weihnachtsferien wurde dann zwischen dem FCB-Vorstand und Klinsmanns Vertretern das Vertragswerk ausgearbeitet. Klinsmann hat sich in dieser Zeit immer wieder bei Hoeneß am Telefon gemeldet, „um die Sache zu pushen“, so Hoeneß. Am Freitag war Klinsmanns erstes Engagement als Klub-Trainer dann endgültig perfekt. „Wir freuen uns beim FC Bayern alle auf die Zusammenarbeit“, betonte Rummenigge.

Warum die Bayern-Bosse und Aufsichtsratschef Beckenbauer einstimmig für Klinsmann votierten, machte Hoeneß deutlich. „Wir haben einen Mann gesucht, der progressiv ist, der auch so Fußball spielen lässt und der mit jungen Spielern arbeiten kann. Jürgen vereint alle diese Eigenschaften“, sagte der Bayern-Manager. Klinsmann sei ein „unkonventioneller Trainer. Ich freue mich sehr, dass wir mit Jürgen einen Querdenker holen konnten, einen Mann, der neue Wege geht.“

Klinsmann sucht eigenes Trainerteam

Beckenbauer bezeichnete die Entscheidung pro Klinsmann als „klug und gut durchdacht“, und erinnerte daran, wie der ehemalige Weltklasse-Stürmer nach seinem Amtsantritt beim DFB „alte Zöpfe“ abschnitt. „Er hat ein modernes Training eingeführt mit neuen Methoden, dem viele Trainerkollegen inzwischen gefolgt sind.“ Beim FC Bayern soll und will Klinsmann diesen Prozess nun fortsetzen.

„Ich freue mich hier die Arbeit weiterführen zu können, die ich bei der Nationalmannschaft angefangen habe“, sagte Klinsmann und kündigte an, sich in den nächsten Monaten einen eigenen Trainerstab zusammenstellen zu wollen. „Das wird ein Team mit internationalen Leuten sein, teilweise aus den USA. Dieses wird ein Energiefeld aufbauen, das den Spielern viel Spaß machen wird.“ Seine Trainingsphilosophie sei einfach erklärt: „Jeden Spieler jeden Tag individuell besser zu machen und dadurch auch die Mannschaft.“

Multilingualer Klinsmann

Die Spieler freuen sich jedenfalls schon auf Klinsmann. „Wir sind froh, dass Jürgen Klinsmann unser neuer Trainer wird“, sagte Nationalstürmer Miroslav Klose stellvertretend. „Ich freue mich auf alle Spieler, mit denen ich schon bei der Nationalmannschaft zusammengearbeitet habe. Es ist aber auch faszinierend für mich, mit internationalen Topleuten zu arbeiten“, sagte Klinsmann über den Reiz, den das Traineramt beim FCB auf ihn ausübt. Durch seine vielseitigen Sprachkenntnisse (Englisch, Französisch, Italienisch und seit Neuestem auch Spanisch!) bringt er beste Voraussetzungen für die Arbeit im Multikulti-Kader des FC Bayern mit.

Dass Klinsmann der absolut Richtige für den Rekordmeister ist, daran haben beide Seiten keinen Zweifel. „Wenn es einer geschafft hat, eine deutsche Nationalmannschaft, die 2004 am Boden lag, so weit zu führen, der wird es auch beim FC Bayern schaffen mit einer Mannschaft, die gut dasteht“, ist sich Hoeneß sicher. Und Klinsmann sagte: „Ich habe als Nationaltrainer viel gelernt und manche Stresssituation gemeistert. Die Erwartungshaltung beim FC Bayern ist mit die größte, die es im Vereinsfußball gibt. Aber ich bin darauf vorbereitet.“ Also dann: Herzlich willkommen beim FC Bayern, Jürgen Klinsmann!“

Für fcbayern.de berichtet: Dirk Hauser

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