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Auswärtsspiel, Teil 7

Oliver Kahns Erinnerungen an Rostock

Es ist seine 21. Profisaison und zugleich seine letzte. Mit 38 Jahren hat Bayern-Kapitän Oliver Kahn das Ende seiner langen und überaus erfolgreichen Sportlerkarriere vor Augen. Weit über 500 Bundesligaspiele hat der dreimalige Welttorhüter des Jahres in den letzten 20 Jahren bestritten, die Hälfte davon in des Gegners Stadion. Vor seinen 17 letzten Auswärtsspielen in der Bundesliga blickt Kahn auf fcbayern.de noch einmal auf den jeweiligen Gegner zurück und erinnert sich an besondere Augenblicke, skurrile Situationen, aber auch an sportlich emotionale Momente. Siebte Station: Rostock.

Kahns Erinnerungen an Rostock

„Geht es um unsere Spiele in Rostock, dann fällt mir auf Anhieb immer eine bestimmte Szene ein: Mein Faust-Tor! Es war in der Saison 2000/01, als wir kurz vor Schluss mit 2:3 hinten lagen. Wir bekamen noch einmal einen Eckball und ich ging mit nach vorne in den Strafraum, hoffte, vielleicht ein wenig für Unruhe sorgen zu können. Auf einmal kommt der Ball genau in meine Richtung, ich gehe entgegen, springe hoch und fauste ihn ins Tor zum 3:3. Mein erstes Tor in der Bundesliga!!

Natürlich fand der Treffer keine Anerkennung, ich wurde damals sogar von Schiedsrichter Markus Merk mit Gelb-Rot vorzeitig in die Kabine geschickt, weil ich zuvor schon wegen Ballwegschlagens die Gelbe Karte bekommen hatte. Dabei dachte ich, es wäre ein klares Tor gewesen, schließlich darf der Torwart die Hände im Strafraum benutzen. Man muss sich das mal vorstellen: Man fliegt vom Platz, nachdem man ein Tor geschossen hat. Phänomenal! Aber Spaß beiseite, das ging natürlich damals alles in Ordnung. Ich musste, bei aller Ernsthaftigkeit im Fußballgeschäft, auf dem Weg in die Kabine über mich selbst lachen.

Doch ich wollte dieses Spiel unbedingt gewinnen, ich wollte mich nicht damit abfinden, dass wir, nachdem wir in den Jahren zuvor immer deutlich in Rostock gewonnen haben, diesmal als Verlierer vom Platz gehen müssen. Als ich dann im Strafraum war, brach dann dieser instinktive Reflex aus mir heraus, das ist in uns Torhütern einfach drin. Es passieren Dinge im Leben, die kann man nicht erklären. So muss ich wohl weiterhin auf mein erstes Tor in der Bundesliga warten, vielleicht gelingt es mir ja noch in einem der letzten 17 Spiele, wer weiß.

Dieses Spiel damals ist ein gutes Beispiel dafür, wie es zwischen dem FC Hansa und uns meistens zur Sache ging. Wir kamen meistens als Titelfavorit dahin, während Rostock gegen den Abstieg spielte. Da wurde um jeden Zentimeter gekämpft, da wurde sich nichts geschenkt. Und folglich gab es auch immer viele, viele Gelbe und auch einige Rote Karten. Dabei muss ich aber betonen, dass nie Bösartigkeit in den Spielen herrschte, es ging einfach für beide Mannschaften immer um viel. Und genau so wird es auch bei meinem letzten Besuch im Ostseestadion: Rostock steht unten drin, wir kommen als Tabellenführer. Das wird auch diesmal wieder ein hartes Stück Arbeit werden. Aber hoffentlich mit dem besseren Ende für uns.“

Bilanz: 7 - 1 - 2; 20:6 Tore

Nächste Station: Hannover

(Anm. d. Red.: Aufgrund einer Ellenbogen-Verletzung und einer internen Sperre konnte Oliver Kahn die Auswärtsspiele in Bochum, Dortmund und Berlin nicht bestreiten.)

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