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Kampfbereite 'Dons'

'Das größte Spiel unserer Karriere'

Dem Volksmund zufolge handelt es sich bei den Schotten um ein besonders geiziges Völkchen. Den Einwohnern von Aberdeen wird sogar eine extrem starke Ausprägung dieser Eigenschaft nachgesagt. Sie gelten auf der Insel als die Geizigsten unter den Geizigen. Doch wie lässt es sich dann erklären, dass die Reisegruppe des FC Aberdeen für ihr Rückspiel im UEFA-Cup-Sechzehntelfinale mit dem „Bayrischen Hof“ einer der nobelsten und teuersten Hotels in München gewählt hat und dazu auch schon zwei Tage statt dem üblichen einen vor dem Spiel angereist ist?

Ganz einfach: Es ist die besondere Bedeutung des Aufenthaltes in der bayrischen Landeshauptstadt. „Dieses Spiel ist eines der größten in unser Klubgeschichte“, sagte Aberdeens Sportdirektor Willie Miller über die Partie am Donnerstagabend in der Allianz Arena. „Es ist für uns das wichtigste Spiel der letzten Jahre“, erklärte Duncan Fraser, Geschäftsführer der„Dons“.

Calderwood mit Schmetterlingen

Das Duell mit dem FC Bayern hat für die Beteiligten beim FC Aberdeen historische Bedeutung angenommen. Und spätestens seit dem 2:2 im Hinspiel letzter Woche im heimischen Pittodrie-Stadion sehen die Schotten die Chance, gegen den FC Bayern wie schon vor 25 Jahren im Viertelfinale der Pokalsieger-Cups Fußballgeschichte zu schreiben und im zehnten Anlauf endlich den ersten Sieg bei einer deutschen Mannschaft zu feiern.

„Das ist möglicherweise das größte Spiel unserer Karriere. Ich kann es kaum abwarten“, sagte Routinier Barry Nicholson vor dem Abschlusstraining seiner Mannschaft am Mittwochabend in der Allianz Arena. „Es ist eine phantastische und großartige Gelegenheit für uns, hier zu sein und uns mit einem Gegner wie Bayern München zu messen. Wir alle freuen uns darauf und wollen das Spiel gewinnen“, sagte Trainer Jimmy Calderwood, der nach eigener Aussage am Dienstagmittag „mit Schmetterlingen im Bauch“ gemeinsam mit seinem 22-Mann-Kader den Flieger nach München bestiegen hat.

Aberdeen will angreifen

Mit einer ähnlichen Einstellung und wohl auch einer ähnlichen Startelf wie im Hinspiel wollen Calderwood und seine Mannen dem FC Bayern „ein paar Probleme bereiten. Wir werden angreifen, wann immer sich eine Chance dazu bietet“, sagte Nicholson. Calderwood kündigte eine offensive Ausrichtung „mit einigen Offensivspielern“ an. Zwei davon dürften die beiden Torschützen aus dem Hinspiel sein: Josh Walker und Sone Aluko, der am Spieltag seinen 19. Geburtstag feiert. Walker wurde am Dienstag 19 Jahre alt. Beide gehörten zu den großen Aktivposten der „Dons“ beim Spiel in Aberdeen.

Calderwood glaubt allerdings nicht, die Bayern noch einmal wie in Aberdeen überraschen zu können. Durch die Rückkehr von Mark van Bommel und Willy Sagnol schätzt er die Münchner stärker ein als vor einer Woche. „Wir sind gut vorbereitet und gehen optimistisch an die Aufgabe heran“, sagte ein unaufgeregter Calderwood. Gemeinsam mit seiner Mannschaft nahm er am Mittwochmorgen an einer Werksbesichtung bei einem Münchner Automobilhersteller teil.

6.000 schottische Schlachtenbummler

Von Nervosität vor dem Spiel in der 66.000 Zuschauer fassenden Bayern-Heimstätte ist beim FC Aberdeen jedenfalls keine Spur „Der Druck des Weiterkommens liegt bei den Bayern. Wir müssen versuchen, genauso zu spielen wie in Pittodrie. Dann werden wir sehen, was dabei für uns rauskommt“, sagte Abwehrmann Zander Diamond, der sich wie schon im Hinspiel auf heiße Zweikämpfe mit Bayern-Stürmer Luca Toni einstellt. „Ich glaube, die Bayern mögen es nicht, wenn man hart zur Sache geht.“

Übrigens: Da zunächst kein in Aberdeen empfangbarer Sender das Spiel aus München in seinem Programm hatte, beteiligten sich die „Dons“ mit Geld aus der Klubkasse an den Lizenz- und Übertragungskosten und ermöglichten damit eine Liveübertragung bei „Setanta Sports“. „Wir sind sehr glücklich, dass unsere Fans nun dieses bedeutsame Spiel sehen können“, sagte Fraser. Über 6.000 Aberdeener Fans werden am Donnerstag in der Allianz Arena erwartet. Und da sage noch mal einer, die Schotten seien geizig.

Für fcbayern.de berichtet: Dirk Hauser

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