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Chance verpasst

'Hätten klare Verhältnisse schaffen können'

Es war „ein tolles Fußballspiel“ (Uli Hoeneß) mit „unheimlich viel Dramatik“ (Ottmar Hitzfeld), einen Sieger gab es beim Spitzenspiel zwischen dem FC Bayern und Werder Bremen aber nicht. 1:1 (1:1) hieß es am Ende, ein Ergebnis, mit dem der Rekordmeister zwar leben kann - immerhin wurde der Tabellenzweite auf Drei-Punkte-Distanz gehalten -, Freude wollte darüber aber nicht aufkommen. „Wir hatten mehr Spielanteile, die klareren Torchancen und haben einen Elfmeter verschossen - da kann man natürlich nicht zufrieden sein mit einem Unentschieden“, sagte Hoeneß.

Die Mannschaft habe „einen wesentlichen Schritt“ auf dem Weg zur Meisterschaft verpasst, ärgerte sich der FCB-Manager. „Durch einen Sieg hätten wir klare Verhältnisse schaffen können.“ Auch Hitzfeld sagte: „Wenn man die Chance hat, den direkten Konkurrenten zu distanzieren, dann muss man diese Chance auch beim Schopfe packen. Das ist uns leider nicht gelungen.“

Trauriger Luca Toni

Dabei hatten die Bayern genügend Möglichkeiten gehabt, die Partie für sich zu entscheiden und dem schärfsten Titelkonkurrenten auf sechs Punkte zu enteilen: gefährliche Fernschüsse, ein Kopfball von Miroslav Klose, eine gute Chance für Hamit Altintop und natürlich der verschossene Strafstoß von Luca Toni (29.). „Luca ist Weltmeister, da müsste er den Ball normalerweise aus elf Metern rein bekommen“, meinte Hitzfeld. Toni selbst war traurig: „Ich habe mich richtig gut gefühlt, es tut mir leid.“

Dass in der 76. Spielminute ein reguläres Tor des Italieners wegen vermeintlicher Abseitsstellung nicht anerkannt wurde, krönte das erfolglose Anrennen des FC Bayern. „Das war kein Abseits, sondern gleiche Höhe“, ärgerte sich Hoeneß, „eigentlich heißt es in der Regel: im Zweifel für den Angreifer. Bei uns heißt es aber: im Zweifel gegen den Angreifer.“

'Nackenschläge' zu Beginn

So blieb der Treffer von Zé Roberto (32.) der einzige auf Seiten des FC Bayern. Zuvor hatte Diego (6.) Werder sogar in Führung geschossen, damit aber erst recht ein wütendes Anrennen der Münchner ausgelöst. 20:8 Torschüsse, 18:7 Flanken, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe - die Statistik war nach dem Spiel eindeutig. „Wir hätten es verdient gehabt, das Spiel zu gewinnen“, sagte Hitzfeld. Hoeneß meinte: „Ich finde, die Bremer müssen schon ein paar Kerzen aufstellen, dass sie mit einem Punkt nach Hause fahren.“

Die Chancenverwertung ließ zu wünschen übrig, den Bayern wird aber auch etwas Positives in Erinnerung bleiben, nämlich wie sie „die Nackenschläge der ersten Halbzeit“ (Oliver Kahn) weggesteckt haben. „Das 0:1, die eine oder andere Abseitsentscheidung, den verschossenen Elfmeter - da haben wir sehr gut Moral gezeigt“, meinte Kahn, der aber auch den Finger in die Wunde legte: „Wir spielen zwar gefällig und auf ein Tor, aber machen einfach zu wenig draus.“

Fünfkampf um den Titel

Dabei spielte natürlich auch eine Rolle, dass mit Franck Ribéry einer der wichtigsten Ideengeber im Mittelfeld verletzt fehlte. „Sein Fehlen merkt man vor allem, wenn es um einen kurzen, genialen Moment geht“, sagte Kahn. Hoeneß meinte: „Natürlich kann man Franck nicht 100-prozentig ersetzen. Wenn dem so wäre, hätten wir ein bisschen zu viel Geld für ihn ausgegeben.“ Als Entschuldigung wollten die Bayern Ribérys Fehlen aber nicht gelten lassen. „Wir haben genügend Nationalspieler auf dem Platz, die auch mal explodieren oder Tore machen können“, betonte Hitzfeld.

Mehr als einen FCB-Treffer gab es am Sonntag aber nicht zu feiern. Anstatt der Konkurrenz in der Liga zu enteilen, bleibt der Titelkampf somit spannend, die ersten fünf Klubs sind sogar noch enger zusammengerückt. „Jetzt ist es weder ein Zwei- noch ein Dreikampf. Es können meiner Ansicht nach fünf Mannschaften deutscher Meister werden, auch Leverkusen und Hamburg, wenn sie eine Serie hinlegen“, meinte Hoeneß.

Spannung in der Liga

Am Ende gab es somit am Sonntag doch einen Sieger: die Fußball-Fans. „Wenn wir heute gewonnen hätten, hätten alle vom langweiligen Alleingang des FC Bayern geschrieben“, sah Hoeneß die Punkteteilung gegen Bremen auch ein bisschen positiv. „Für den Spaß der Bundesliga ist es also schön, dass es so gekommen ist.“

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