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Kahns letztes Derby

'Noch einmal so ein geiles Spiel'

Auf dem Platz spielte der FC Bayern gegen den Hamburger SV, doch mit geschlossenen Augen hätte man am Sonntag in der Allianz Arena glauben können, schon beim DFB-Pokal-Derby gegen den TSV 1860 zu sein. Die FCB-Fans bedachten den Lokalrivalen 90 Minuten lang mit Schmährufen. „Die haben sich schon eingestimmt auf Mittwoch“, waren die Gesänge auch Oliver Kahn aufgefallen, „die Fans wollen unterstreichen, wie wichtig dieses Derby für sie ist.“

Das gilt auch für Kahn selbst. Am Mittwoch im DFB-Pokal-Viertelfinale bestreitet der FCB-Kapitän das letzte Derby seiner Profi-Karriere. Seine Vorfreude darauf kann der 38-Jährige kaum verbergen. „Das waren immer große Highlights, die immer von großen Emotionen geprägt waren“, sagte er am Montag. Vor der Auslosung habe er „gehofft, dass wir gegen 1860 spielen, um noch einmal so ein 'geiles' Spiel zu erleben.“

Auch Kahn sah Rot

Für Kahn ist es das „geile“ Duell Nummer 20 mit den „Löwen“, wenn man nur die Pflichtspiele berücksichtigt. Zum ersten Mal stand er vor bald 14 Jahren (21. September 1994) bei einem Münchner Derby zwischen den Pfosten des FCB-Tores. 3:1 gewannen die Bayern damals, Manni Schwabl und Bernhard Winkler sahen auf Seiten der „Blauen“ die Rote Karte.

Es sollten nicht die einzigen Platzverweise in Kahns persönlicher Derby-Statistik bleiben. Elf Spieler (fünf „Rote“, sechs „Blaue“) wurden in seinen bisherigen 19 Duellen mit den „Löwen“ vorzeitig zum Duschen geschickt, darunter auch der Bayern-Torwart selbst. In seinem dritten Derby (2. März 1996) kassierte er zusammen mit dem „Löwen“ Olaf Bodden die Rote Karte, „nach einem Gerangel“, weiß er noch heute.

Kahn blickt zurück

„Ich habe so viele Derbys gespielt, da waren so viele Highlights dabei, positive wie negative, so viele emotional packende Spiele“, erinnerte sich Kahn vor seinem finalen Derby zum Beispiel an Carsten Janckers kurioses Tor am 11. April 1998, als sich 1860-Keeper Bernd Meier, im Glauben allein auf weiter Flur zu sein, den Ball vor die Füße legte, dabei aber den FCB-Stürmer hinter sich übersah, der sich heranpirschte und die Kugel ins leere Tor schoss.

Nicht vergessen hat Kahn aber auch das Derby vom 1. November 1996 (1:1), als Lothar Matthäus einen Elfmeter verschoss, oder das Derby vom 15. April 2000, als Jens Jeremies per Eigentor Kahn überwand und für einen 2:1-Sieg der „Löwen“ sorgte. Es war die letzte von bisher nur zwei Derby-Niederlagen Kahns. 13 Mal gewann der Bayern-Torwart gegen 1860, vier Mal spielte er unentschieden.

Auf den Kopf kommt es an

Dass der FC Bayern zuletzt vier Spiele in Folge gegen den TSV 1860 nicht gewonnen hat (drei Niederlagen, ein Remis), hakt Kahn hingegen schnell ab. „Das waren irgendwelche Freundschaftsspiele, die ganz nett sind, aber im Endeffekt keinen interessieren“, meinte der 38-Jährige. Umso mehr freut es ihn, dass am Mittwoch endlich wieder ein Pflichtspiel gegen die „Löwen“ ansteht. „Wir sind topmotiviert“, sagte er. Nach dem unbefriedigenden Remis gegen Hamburg sei es wichtig, „am Mittwoch wieder ein Zeichen zu setzen.“

Auch wenn der FC Bayern wie immer klarer Favorit gegen die „Löwen“ sei, erwartet Kahn aber keine leichte Aufgabe gegen den Zweiligisten. „Wir wissen ganz genau, dass das für 1860 das Spiel des Jahres ist. Die Sechzger haben nichts zu verlieren, sie werden topmotiviert sein.“ Entschieden wird das 204. Münchner Lokalderby daher im Kopf, glaubt Kahn. „Ein Derby hat eigene Gesetze. Da macht es wenig Sinn, über Taktik nachzudenken. Es ist alles eine Frage der Mentalität und der Einstellung.“

10:9 im Elfmeterschießen

Letzteres dürfte beim ehemaligen deutschen Nationaltorhüter wie immer vorbildlich sein. Topmotiviert wird Kahn in sein letztes Derby gehen. Er freue sich noch einmal auf „ein tolles Spiel“, das er am liebsten im Elfmeterschießen 10:9 gewinnen möchte, sagte er. Einen klaren Sieg in der regulären Spielzeit fände der FCB-Kapitän aber „nervenschonender“. In 19 Lokalderbys sind seine Nerven schon genug belastet worden.

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