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Auswärtsspiel Teil 8

Oliver Kahns Erinnerungen an Hannover

Es ist seine 21. Profisaison und zugleich seine letzte. Mit 38 Jahren hat Bayern-Kapitän Oliver Kahn das Ende seiner langen und überaus erfolgreichen Sportlerkarriere vor Augen. Weit über 500 Bundesligaspiele hat der dreimalige Welttorhüter des Jahres in den letzten 20 Jahren bestritten, die Hälfte davon in des Gegners Stadion. Vor seinen 17 letzten Auswärtsspielen in der Bundesliga blickt Kahn auf fcbayern.de noch einmal auf den jeweiligen Gegner zurück und erinnert sich an besondere Augenblicke, skurrile Situationen, aber auch an sportlich emotionale Momente. Siebte Station: Hannover.

Kahns Erinnerungen an Hannover:

„Hannover 96 gehört zu den Vereinen, gegen die ich die in meiner langen Karriere mit die wenigsten Spiele bestritten haben. Das lag vor allem daran, dass die 96er zwischen 1989 und 2002 in der 2. Liga gespielt haben und erst in der Saison 2001/02 mit der noch heute gültigen Bestleistung von 75 Punkten wieder aufgestiegen sind. Doch auch wenn es seitdem nur fünf Partien in Hannover gab, die hatten es in sich.

Es ging immer knapp zu zwischen uns und den 96ern, das zeigt schon die Bilanz von zwei (Bayern-)Siegen und drei Unentschieden bei 9:7 Toren. Gleich im ersten Spiel in der Saison 2002/03 hämmerte mir Hannovers Verteidiger Vinicius einen Freistoß aus 35 Metern ins Tor. Ich hatte damals auf das Stellen einer Mauer verzichtet, was ich auch heute noch bei Freistößen aus dieser Distanz mache. Aber die Bedingungen im Stadion waren damals sehr außergewöhnlich schwierig. Da ist es schon mal drin, dass so ein Ball rein geht.

Wie eng unsere Spiele in Hannover waren, zeigen auch die nächsten zwei Spiele. Beim 3:3 in der Saison 2003/04 lagen wir bis kurz vor dem Ende mit 2:3 hinten, ehe uns Owen Hargreaves in der letzten Minute doch noch einen Punkt gesichert hat. Noch dramatischer ging es ein Jahr später zu. Am 29. Spieltag, wir hatten drei Punkte Vorsprung auf Schalke, stand es bis zur 90. Minute noch 0:0, als sich erneut Hargreaves, der kaum drei Minuten im Spiel war, ein Herz fasste und aus über 20 Metern den Ball in den Torwinkel drosch. Wir gewannen 1:0, Schalke verlor in Hamburg und wir machten einen vorentscheidenden Schritt zur Meisterschaft, die wir zwei Spieltage später in Kaiserslautern unter Dach und Fach brachten.

Es gibt aber auch schmerzhafte Erinnerungen an Hannover, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Beim 1:1 vor zwei Jahren prallte ich kurz nach der Halbzeit mit Thomas Brdaric zusammen und zog mir eine schwere Oberschenkelprellung zu. Danach musste ich zwei Wochen aussetzen und verpasste unter anderem das Hinspiel im Champions-League-Achtelfinale gegen den AC Mailand.

Amüsanter war dagegen ein Zwischenfall 2003: Bei einer Rettungsaktion gegen einen Hannoveraner Stürmer sprintete ich einem Ball bis zur Eckfahne nach. Dummerweise konnte ich nicht mehr rechtzeitig abstoppen und sprang mit einer Hechtrolle über die Werbebande des damaligen 96er-Sponsors TUI. Der Werbeslogan lautete: „Alltagsmüde? Machen Sie den Abflug - Sie haben es sich verdient“. Treffender könnte ich mich am Sonntag nach meinem letzten Spiel in Hannover wohl kaum verabschieden.“

Bilanz: 2 - 3 - 0; 9:7 Tore

Nächste Station: Gelsenkirchen

(Anm. d. Red.: Aufgrund einer Ellenbogen-Verletzung und einer internen Sperre konnte Oliver Kahn die Auswärtsspiele in Bochum, Dortmund und Berlin nicht bestreiten.)

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