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Elfmeter-König Ribéry

'Solche Spieler gibt es nur ganz wenige'

Als Schiedsrichter Peter Gagelmann nach dem Foul von Chhunly Pagenburg an Miroslav Klose auf den Elfmeterpunkt zeigte, kam Keeper Oliver Kahn ganz aufgeregt aus dem Tor zu seinen Vorderleuten gerannt. „Er wollte wissen, wer schießt“, berichtete Daniel van Buyten am nächsten Tag. Kahn machte sich ganz offensichtlich Sorgen, denn die letzten beiden Strafstöße für den FCB hatten Luca Toni (gegen Bremen) und Hamit Altintop (traf in Aberdeen erst im Nachschuss) vergeben. Als er dann erfuhr, dass Franck Ribéry anlaufen wird, war er doch erleichtert.

Die Art und Weise wie der Franzose dann den 1:0-Siegtreffer im 204. Münchner Derby erzielte, hätte Kahn so wohl nicht erwartet. Nachdem Ribérys erster erfolgreicher Versuch abgepfiffen wurde, weil zwei Bayern-Spieler zu früh in den Strafraum gelaufen waren, lupfte der 25-Millionen-Mann beim zweiten Versuch den Ball einfach halbhoch in die Mitte. Es war die Kopie seines Elfmetertreffers zum 1:0 beim 4:0-Sieg bei Werder Bremen Mitte August gegen Tim Wiese.

Kahn schwärmt von Filou Ribéry

„Solche Spieler gibt es nur ganz selten“, zog Kahn den Hut vor Ribéry, der seine Mannschaft mit diesem Kunstschuss in der Nachspielzeit der Verlängerung das DFB-Pokalhalbfinale bescherte. „Man muss sich das mal überlegen. Man schießt den ersten Elfmeter topsicher unten rein, der Ball wird wiederholt. Mental eine unglaublich schwierige Situation für den Schützen. Aber was macht der? Halbhoch in die Mitte. Das ist legendär“, sagte ein tief beeindruckter Kahn und wiederholte mit Nachdruck: „Solche Spieler gibt es nur ganz wenige auf der Welt.“

Natürlich wollte am Donnerstagmorgen an der Säbener Straße jeder vom französischen Derby-Held alles zu diesem „verrückten“ (Uli Hoeneß) Elfmeter wissen. Nach einem verschmitzten Lächeln begann „Filou“ Ribéry ganz cool zu erzählen: „Beim ersten Elfmeter war ich eigentlich ganz zufrieden mit meinem Schuss, leider musste ich ihn wiederholen. Ich wusste aber gleich, wie ich es anstellen wollte. Ich hatte großes Selbstvertrauen.“

Respekt sogar von Gegner

Ob er denn keine Angst gehabt hätte, sich mit dieser gewagten Ausführung zu blamieren? „Ich habe gesehen, dass der Torwart beim ersten Schuss seitlich weggesprungen ist. Beim zweiten ist mir aufgefallen, dass er aktiver war, nervöser und dass er sofort springen wird. Deshalb hatte ich auch keinen Zweifel“, entgegnete Ribéry, der sogar von 1860-Schlussmann Philipp Tschauner pure Hochachtung dafür erntete: „Ein cooler Hund.“

„Da war sehr viel Mut dabei“, attestierte Hoeneß dem Vize-Weltmeister. Denn ein Scheitern auf diese Art und Weise zu diesem Zeitpunkt des Spiels hätte sicherlich zur Folge gehabt, „dass ihn dann jeder zerrissen hätte“, sagte Trainer Ottmar Hitzfeld. „Ich kann meine Schussvariante ändern, bis der Kopf unten ist“, betonte Ribery.

'Wer nichts wagt, der nichts gewinnt'

„Es kann natürlich sein, dass mich ein Keeper mal durchschaut und einfach stehen bleibt. Dann sehe ich alt aus.“ Bisher ist ihm das aber noch nicht widerfahren, weshalb er wohl auch bei den nächsten Elfmetern seinem Motto treu bleiben wird: „Wer nichts wagt, der nichts gewinnt.“ Van Buyten ist sich sogar sicher: „Ich glaube, er hat noch mehr Tricks in seinem Kopf.“ Oliver Kahn wird das dann bestimmt ganz entspannt und voller Vorfreude von seinem Tor aus verfolgen.

Für fcbayern.de berichtet: Dirk Hauser

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