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Breitners Erinnerungen

'Wir sind schlichtweg überrannt worden'

Als der FC Bayern am Mittwochmorgen nach Aberdeen aufgebrochen ist, war auch ein Mann mit an Bord, der nicht unbedingt die besten Erinnerungen an die Hafenstadt in Nordostschottland hat. Am 16. März 1983 war es, als Paul Breitner als Profi des Rekordmeisters dort gemeinsam mit seinen Mannschaftskollegen ein schon sicher geglaubtes Spiel aus der Hand gab und das Aus im Viertelfinale des Europapokals der Pokalsieger erleiden musste.

Zweimal gingen die Bayern damals im Pittodrie-Stadion durch Tore von Klaus Augenthaler und Hans Pflügler in Führung, zweimal glichen die Schotten aus und gewannen am Ende sogar 3:2. Auf dem Flug nach Aberdeen sprach fcbayern.de mit dem heutigen Berater des FCB-Vorstands über das Spiel damals, wie es zum Aus kommen konnte und welche Lehren man daraus für das Duell am Donnerstagabend ziehen kann.

Das Interview mit Paul Breitner:

fcbayern.de: Herr Breitner, mit welchen Erinnerungen und Gefühlen haben Sie das Flugzeug nach Aberdeen bestiegen?
Paul Breitner: „Ich habe leider keine guten Erinnerungen an Aberdeen. Das liegt aber nicht nur an 1983. Uli Hoeneß und ich haben 1970 die U19-Europameisterschaft in Schottland gespielt und wir sind in Aberdeen im Viertelfinale gegen Holland ausgeschieden. Und dann 13 Jahre später habe ich dort mit dem FC Bayern das Aus im Europacup der Pokalsieger erlebt durch ein 2:3-Niederlage im Rückspiel. Das Hinspiel war 0:0 ausgegangen.“

fcbayern.de: Es war ihr letztes Spiel im Europapokal.
Breitner: „Stimmt. Die Niederlage beruhte aber nicht auf der Stärke des FC Aberdeen. Wir machen da nach einer Stunde durch Hans Pflügler das 2:1 und dachten dann, wir spielen zwar schlecht, aber jetzt haben wir es trotzdem geschafft. Danach sind wird dann schlichtweg überrannt worden. Man hatte das Gefühl, dass bei jedem Ballkontakt drei, vier Gegenspieler anfliegen. Innerhalb weniger Sekunden war die ganze Mannschaft verunsichert und total von der Rolle. Anders kann ich mir im Nachhinein nicht erklären, warum wir damals nicht mindestens ein Unentschieden erreicht haben.“

fcbayern.de: Wahrscheinlich hat damals auch die Atmosphäre im Stadion dazu beigetragen, dass die Partie gekippt ist, oder?
Breitner: „Es ist etwas passiert, was in diesen kleinen und engen britischen Stadien damals nicht untypisch war. Es geht 90 Minuten rauf und runter, es wird gekämpft und geackert bis zum Umfallen.“

fcbayern.de: Die Situation beider Klubs von 1983 und heute kann man aber kaum noch vergleichen.
Breitner: „Nein, das kann man nicht. In den letzten zehn Jahren gab es in Schottland keine dritte Kraft hinter Celtic und den Rangers. In den siebziger und achtziger Jahren indes ist dies mal Edinburgh und mal Aberdeen gelungen. Es gab Mannschaften, die ein Gleichgewicht fanden zu den beiden großen Klubs aus Glasgow. Das gibt es heute nicht mehr.“

fcbayern.de: Was glauben Sie wird die aktuelle Bayern-Mannschaft dort am Donnerstagabend trotzdem erwarten?
Breitner: „Fußballerisch ist der FC Bayern klar besser. Also wird der Gegner versuchen, dies über mehr Kampfbereitschaft, mehr Einsatz und mehr Laufbereitschaft auszugleichen. Das bedeutet, dass unsere Mannschaft da mithalten und den Kampf annehmen muss. Das ist das einzige Rezept gegen jede britische Mannschaft. Und wenn das gelungen ist, kann man dann spielerisch zum Erfolg kommen.“

fcbayern.de: Es wäre aber nicht das erste Mal in einem Pokalwettbewerb, dass der große Favorit beim eigentlich unterlegenen Gegner strauchelt.
Breitner: „Es führt kein Weg daran vorbei, dass der FC Bayern klarer Favorit ist. Das bedeutet für mich, dass ich ganz stark davon ausgehe, dass wir eine Runde weiterkommen.“

Das Gespräch führte: Dirk Hauser

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