präsentiert von
Menü
'Es hat Spaß gemacht'

Bayern rotieren zum Erfolg

Über den Wolken, irgendwo zwischen Brüssel und München, ergriff Uli Hoeneß das Bordmikrofon der Lufthansa-Sondermaschine. „Ich möchte mich sehr herzlich bei der Mannschaft für dieses großartige Spiel bedanken“, sagte der FCB-Manager, der nach dem 5:0 (2:0)-Rekordsieg des FC Bayern im Achtelfinal-Hinspiel des UEFA-Cups beim RSC Anderlecht allen Grund hatte, auf Wolke sieben zu schweben. „Es hat nicht nur Spaß gemacht, sondern auch dazu geführt, dass wir nächste Woche in aller Ruhe das Viertelfinale klar machen können.“ Dann wandte sich Hoeneß an den Regisseur dieses denkwürdigen Abends: Ottmar Hitzfeld.

„Ich bedanke mich auch bei Ottmar“, sagte er. Mit dem höchsten Auswärtssieg im Europapokal seit 13 Jahren habe der Trainer dem FC Bayern vor dem Rückspiel am kommenden Mittwoch „ein paar schöne Tage geschenkt. Mit einem 5:0 im Gepäck kann im Rückspiel eigentlich nichts mehr passieren“, meinte Hoeneß, der am kommenden Mittwoch aber dennoch mit weiteren Bestmarken rechnet. „Ich bin mir sicher, dass Ottmar mit seiner Rotation nächste Woche wieder Rekorde aufstellt.“

Sechs Neue in Anderlecht

Dass sich der Manager an diesem Abend so offenkundig am Hitzfeldschen Rotationsprinzip erfreute, ist bezeichnend. Seit Wochen läuft das Mannschaft-wechsel-dich-Spielchen des FCB-Cheftrainers auf Hochtouren, in Anderlecht hat es seinen bisherigen Höhepunkt erlebt. Wie beim Sieg auf Schalke vier Tage zuvor hatte Hitzfeld wieder sechs Spieler seiner Startformation ausgewechselt, erneut war sein Rotationsprinzip mit dem glanzvollsten UEFA-Cup-Auswärtsspiel in dieser Saison voll aufgegangen.

„Es war nicht so einfach, wie es das Resultat ausdrückt“, trat Hitzfeld dennoch ein bisschen auf die Euphoriebremse. Nach der ausgeglichenen ersten Halbzeit hätte es auch 1:1 stehen können, meinte der „General“. Durch Hamit Altintop war der FCB zwar früh in Führung gegangen (9.), doch Anderlechts Thomas Chatelle hätte mit einem Pfostentreffer beinahe ausgeglichen (21.). Kurz vor der Pause stellten dann ein Platzverweis für RSC-Profi Marcin Wasilewski (43.) sowie das 2:0 durch Luca Toni (45.+1) die Weichen für den FCB auf Erfolg.

Rotation auf drei Hochzeiten

„In der zweiten Halbzeit war es ein einfaches Spiel“, sagte Hitzfeld, dessen Mannschaft durch Lukas Podolski (57.), Miroslav Klose (67.) und Franck Ribéry (86.) das Ergebnis in die Höhe schraubte und dabei einige Spielzüge zeigte, „die ich schon lange nicht mehr gesehen habe“ (Mark van Bommel). Und das obwohl Hitzfeld in den zweiten 45 Minuten früh weiter durchwechselte. „Ein großes Kompliment an alle“, sagte Van Bommel, „jeder, der reinkommt, spielt auch gut.“

Egal, wer spielt, egal, in welcher taktischen Formation gespielt wird – die Bayern rotieren zum Erfolg. „Von 36 Spielen haben wir nur eines verloren“, sagte Hitzfeld. In dieser Saison hat er in zwei aufeinander folgenden Spielen noch nie dieselbe Elf auf den Platz geschickt. „Die Rotation ist kein Risiko für mich, sondern ein sinnvolles Konzept“, erklärte der FCB-Chefcoach, der den Tanz auf drei Hochzeiten zur Rotation auf drei Hochzeiten umfunktioniert hat. „Wenn wir alle Wettbewerbe zu Ende spielen, haben wir bis 17. Mai nur noch englische Wochen – und die schweren Spiele kommen erst noch. Daher brauchen wir alle Spieler.“

Hoeneß' Traum

Die Mannschaft selbst hat die ständige Rotation verinnerlicht. „Wir haben 20, 22 einsatzbereite Spieler. Deswegen gehen wir mit der Situation locker um“, sagte Philipp Lahm. Hitzfeld erzählte: „Ich habe den Spielern beigebracht, dass sie ein Team sind. Bei uns heißt es immer, wir haben den stärksten Kader aller Zeiten. Da ist es wichtig, dass jeder auch mal zum Einsatz kommt und wir uns unsere Kräfte einteilen. Das ist meine Philosophie.“

Ersatzspieler kennt der FCB-Chefcoach in seinem Kader nicht. „Es sind alles gleichwertige Spieler“, betonte er. Ein zusätzlicher hat sich freiwillig für das Rückspiel gegen Anderlecht gemeldet: Uli Hoeneß. „Ich werde in den nächsten Tagen trainieren, dass mich Ottmar vielleicht auch noch aufstellt“, sagte der Bayern-Manager. Über den Wolken, irgendwo zwischen Brüssel und München, wird man ja mal träumen dürfen.

Für fcbayern.de in Anderlecht: Nikolaus Heindl

Weitere Inhalte