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Vorentscheidung im Titelkampf?

Bayern trauen 'dem Braten noch nicht ganz'

Es war in der 67. Minuten, als zunächst nur die Südkurve, kurz drauf aber fast das ganze Stadion einen alten Klassiker anstimmte. „Deutscher Meister wird nur der FCB!“, schmetterten die Zuschauer in der Allianz Arena lauthals. Innerhalb kürzester Zeit hatte der FC Bayern gegen den Karlsruher SC auf 2:0 erhöht, Verfolger Werder Bremen kassierte zeitgleich binnen einer Minute zwei Treffer gegen den VfB Stuttgart. Den Fans des Rekordmeisters war in diesem Moment klar: Der 23. Spieltag könnte ein Meilenstein auf dem Weg zum Titel gewesen sein.

„Die Entwicklung in Stuttgart haben wir mit einem strahlenden Lächeln verfolgt", gestand Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld angesichts des 6:3-Kantersieges der Schwaben über Werder. Durch den 2:0-Sieg gegen den KSC vergrößerte seine Mannschaft den Vorsprung auf die Hanseaten auf sieben Punkte. „Es war ein angenehmer Nachmittag“, sagte ein zufriedener Uli Hoeneß, der am Sonntag sicherlich auch erfreut das Ergebnis des HSV vernommen hat. Die Hanseaten kamen beim 1. FC Nürnberg nicht über ein 0:0 hinaus und haben damit schon acht Zähler Rückstand.

Noch 33 Punkte zu verteilen

Vom Manager über Trainer Hitzfeld bis hin zu den Spielern - keiner beim FC Bayern wollte aber von einem bedeutenden Schritt im Titelkampf reden. „Der Vorsprung ist beruhigend, aber sicher noch keine Vorentscheidung. Ich traue dem Braten noch nicht ganz. Bremen und der HSV haben weiterhin die Chance, Meister zu werden“, drückte Hitzfeld mit Vehemenz auf die Euphoriebremse. „Eine Vorentscheidung ist das noch nicht, aber es ist jetzt eine vernünftige Distanz auf den zweiten Platz“, sagte Hoeneß.

Oliver Kahn konnte diese Einschätzung nur bekräftigen. „Ich habe schon zu viel erlebt und unzählige Meisterschaftskämpfe mitgemacht. Es ist noch ein langer, langer Weg bei elf Spielen“, meinte der Kapitän viel sagend. Immerhin sind noch 33 Punkte zu verteilen. „Da haben schon ganz andere Mannschaften so einen Vorsprung verspielt“, gab er zu bedenken.

Kahn glaubt an seine Mannschaft

Dass der FC Bayern sich diesen Vorsprung noch nehmen lässt, glaubt Kahn aber nicht: „Ich habe bei unserer Mannschaft momentan eigentlich nicht das Gefühl.“ Darin bestärkte ihn auch die Leistung seiner Vorderleute im Spiel gegen Karlsruhe. Sicherlich nicht brillant, aber eigentlich auch nie gefährdet gewann der Rekordmeister sein erstes Rückrundenheimspiel und baute damit die Erfolgsserie auf vier Siege in allen drei Wettbewerben aus.

„Das war heute kein perfektes Spiel, dazu wünsche ich mir schon mehr. Aber wenn man Meister werden will, muss man auch die weniger perfekten Spiele gewinnen“, sagte Hoeneß. Luca Toni (41.) mit einem Weltklasse-Tor und der wieder mal herausragende Franck Ribéry (64.) sicherten den Bayern diesen wichtigen „Arbeitssieg“ (Hoeneß). „Wir haben die letzten Heimspiele auch nicht schlechter gespielt, nur jetzt machen wir die Tore“, sagte Kahn, der außerdem die wieder mal sehr gute Defensivarbeit seiner Mannschaft lobte

Großer Kader Bayerns Plus

Karlsruhe kam nämlich im ganzen Spiel nicht zu einer richtigen Chance. „Ich glaube, die Mannschaft spielt momentan selbstbewusst, routiniert und souverän“, sagte Hoeneß. Nicht mal 48 Stunden nach dem Spiel in Anderlecht ließ die erneut auf sechs Positionen geänderte Elf nie einen Zweifel aufkommen, wer am Ende als Sieger vom Platz gehen wird. „Karlsruhe hat uns heute alles abverlangt. Wir mussten sehr viel Laufarbeit verrichten. Mit der gleichen Mannschaft wie in Anderlecht hätten wir heute mit Sicherheit nicht gewinnen können“, war sich Rotations-Meister Hitzfeld sicher.

Nicht nur Ausnahmekönner wie Ribéry und Toni sondern auch der große und vor allem ausgeglichene Kader könnte letztendlich den Ausschlag geben zugunsten der Bayern. „Das ist momentan unsere Stärke“, glaubt Kahn. Egal, wen Hitzfeld auch aufstellt, es funktioniert. Miroslav Klose ist sich jedenfalls sicher: „Wir können uns nur selber schlagen.“

Für fcbayern.de berichtet: Dirk Hauser

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