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Bayerns Abwehrbollwerk

Das Fundament zum Titel steht hinten

„Der Sturm gewinnt Spiele, die Abwehr gewinnt Meisterschaften“ - dass diese alte Fußballweisheit mehr als nur ein Körnchen Wahrheit besitzt, hat der FC Bayern bei seinen bisherigen 20 Meisterschaften bewiesen. In jeder Saison, in der die Münchner den Titel holten, verfügten sie auch über eine der besten, oft sogar die beste Abwehr der Liga. „Meister wird nicht, wer die meisten Tore schießt, sondern wer defensiv gut organisiert ist“, wies Hitzfeld auch zu Beginn dieser Saison auf die Bedeutung der Defensive hin. Einmal mehr wurde der FCB-Cheftrainer bestätigt. Denn die Abwehr ist für den FC Bayern das Fundament zum 21. Meistertitel.

Nur elf Gegentore ließ die FCB-Verteidigung in den bisherigen 23 Ligaspielen zu, so wenig wie nie zuvor in der Klubgeschichte. Schon die Hinrunde hatten die Bayern mit je einem neuen Vereins- (8 Gegentore) und Ligarekord (2 Gegentore in Heimspielen) abgeschlossen. Jetzt jagen die Münchner die Saisonbestmarke von Werder Bremen (22 Gegentore, Saison 1987/88). „Ich bin ehrgeizig genug, diesen Rekord noch zu holen“, sagte Oliver Kahn und geriet dann über seine Abwehr ins Schwärmen: „Die Defensive in dieser Saison ist die beste, mit der ich je bei Bayern gespielt habe.“

Alle arbeiten mit

Marcell Jansen freute sich über das „Riesenlob“ des Kapitäns und meinte schmunzelnd: „Jetzt sind wir natürlich unter Druck.“ Sorgen, dass das Abwehrbollwerk jetzt noch bröckeln könnte, machen sich die Bayern aber nicht. „Wir spielen sehr konstant, machen kaum Fehler und haben eine gute Abstimmung“, sagte Kahn, dem in seiner letzten Profisaison noch einmal eine Abwehr ganz nach seinem Geschmack vergönnt ist. In 14 von 23 Spielen kassierten der FCB-Schlussmann und sein Vertreter Michael Rensing bereits keinen Gegentreffer. Ein neuer Zu-Null-Rekord, den Bremen (1987/88) und Bayern (2001/02) mit 19 Spielen ohne Gegentreffer gemeinsam halten, ist in Reichweite.

„Was uns stark macht, ist eine gewisse Grundaggressivität und dass auch unsere Stürmer defensiv denken“, hob Jansen das mannschaftsdienliche Denken innerhalb des Teams hervor. Selbst Franck Ribéry und Luca Toni würden mit nach hinten arbeiten, erzählte Mark van Bommel. „Jeder stellt sein eigenes Ego hintan.“ Mit der Beton-Abwehr im Rücken lässt sich dann auch selbstbewusst aufspielen. „Es ist wichtig, sich auf die Defensive verlassen zu können“, so Van Bommel, „wir wissen: Wenn wir kein Tor schießen, holen wir halt einen Punkt.“

Hitzfeld rotiert, Abwehr steht

Vor einem Jahr war das Vertrauen in die Defensive eher wackelig. „Da haben wir zu viele Gegentore bekommen“, erinnerte Karl-Heinz Rummenigge. Insgesamt spielten die Bayern in der letzten Saison nur acht Mal zu Null, eine Marke, die sie bereits jetzt weit hinter sich gelassen haben. „Das liegt nicht nur an der Abwehr“, glaubt Rummenigge, „es wird auch gut im Mittelfeld gearbeitet.“ Jansen sagte: „Diejenigen, die vor der Abwehr spielen, stehen sehr kompakt und sind stark in den Zweikämpfen.“

Mit zwei Sechsern im Mittelfeld ließ Hitzfeld seine Mannschaft über weite Strecken der laufenden Saison spielen. Zuletzt variierte er sein System aber auch, so dass nur ein defensiver Mittelfeldspieler vor der Abwehr agierte - für die Abwehr hatte dies keine negativen Folgen. Auch die Personalrotation - gegen Karlsruhe änderte er seine Viererkette im Vergleich zum Spiel davor auf drei Positionen - änderte nichts an der Stabilität. Vier Mal in Folge blieb der Rekordmeister in den letzten Spielen ohne Gegentor.

Besser als in der Hinrunde

„Wir arbeiten im Training sehr gut und jeder weiß dann auf dem Platz, was er zu tun hat“, erklärte Van Buyten das blinde Verständnis in der Defensive. „Das hat mit der Kommunikation zu tun, jeder will dem anderen helfen“, meinte Jansen. Hitzfeld erklärte, dass sich seine Spieler weiterentwickelt hätten. Die Mannschaft stehe jetzt sogar noch stabiler als in der Hinrunde, sagte der Cheftrainer. „Wir haben mehr Klasse, mehr Stabilität in der defensiven Organisation und sind jetzt eher gewappnet, auch internationale Spiele zu gewinnen.“ Von der Meisterschaft ganz zu schweigen.

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