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Cottbusser Lehren

Hoeneß: 'Wir sind ziemlich sauer'

Das Unheil hatte sich schon früh angedeutet. „Heute haben wir schon in den ersten zehn Minuten alle Zweikämpfe verloren - da habe ich schon geahnt, dass es ein schwieriges Spiel wird“, hatte Ottmar Hitzfeld nach der Auswärtspartie des FC Bayern bei Energie Cottbus gesagt. Seine Vorahnung sollte ihn nicht trügen: Mit 0:2 (0:2) verlor der Rekordmeister beim Tabellenletzten und kassierte dabei seine zweite Saisonniederlage.

„Wir haben einen rabenschwarzen Tag erwischt und ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann“, so Hitzfeld, der seine Mannschaft vor dem Spiel noch gewarnt hatte. Doch es half alles nichts. „Die Mannschaft hat die Bundesliga mit dieser Niederlage, mit der kein Mensch gerechnet hat, wieder spannend gemacht. Deswegen sind wir auch ziemlich sauer“, sagte Manager Uli Hoeneß und sprach von einem „hochverdienten Sieg“ der Cottbusser.

Katastrophale Zweikampfbilanz

In der Tat ließ der Tabellenführer im mit 22.743 Zuschauern erstmals in dieser Saison ausverkauften „Stadion der Freundschaft“ von Beginn an alle Tugenden vermissen, die für einen Erfolg gegen die abstiegsbedrohten Lausitzer nötig gewesen wären. „Von Anfang an haben wir die Zweikämpfe nicht angenommen und dem Gegner viel zu viel Raum gelassen“, kritisierte Hitzfeld und sprach von einer „katastrophalen Zweikampfbilanz in der ersten Viertelstunde.“

Noch deutlicher wurde Kapitän Oliver Kahn: „Cottbus kämpft ums überleben, wir hatten auch etwas mit 'ü' in unserem Spiel, nämlich Überheblichkeit“, so Kahn, der als einziger Akteur Normalform erreichte und mit einigen guten Paraden eine noch höhere Niederlage verhinderte. Hitzfeld ergänzte: „Cottbus ist über sich hinausgewachsen, aber nur weil wir eine lasche Einstellung gehabt haben.“

Schlechteste Halbzeit der Saison

Hinzu kamen „viele Fehler im Abwehrbereich“, so wie beim ersten Gegentreffer in der 18. Minute durch den Serben Branko Jelic, der 20 Minuten später auch das zweite Tor für die Gastgeber besorgte. Dabei machte sich auch das Fehlen des suspendierten Martin Demichelis als „Stabilisator vor der Abwehr“ (Hitzfeld) bemerkbar. „Den hätten wir heute gut gebrauchen können, gerade in diesem Bereich im Mittelfeld hat gar nichts geklappt“, konstatierte Hoeneß.

Die größte Chance, das Spiel doch noch in die richtigen Bahnen für die Münchner zu lenken, vergab Franck Ribéry, der in der 28. Minute mit einem schwach geschossenen Foulelfmeter am Cottbusser Torwart Gerhard Tremmel scheiterte. „Ich mache mir große Vorwürfe, bis zur Halbzeit ging mir der Strafstoß nicht mehr aus dem Kopf“, gestand Ribéry hinterher.

Eine Lehre für den FCB

Nach zuletzt großartigen Auftritten fand der französische Wirbelwind wie die meisten seiner Kollegen nicht ins Spiel. „Wir waren einfach nicht auf dem Platz, nicht aggressiv genug“, meinte Daniel van Buyten. „Die erste Halbzeit war unsere schlechteste Halbzeit in dieser Saison. Cottbus war viel präsenter. Wir haben heute nicht genug gemacht, um hier einen Sieg zu holen.“

„Wir haben absolut nicht das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten“, bemängelte Miroslav Klose. „Jeder Einzelne hat nicht alles aus sich raus geholt und als Mannschaft haben wir uns nicht unterstützt“, gab der Nationalstürmer als Hauptursachen für die zweite Saisonniederlage an. „Das war kein Ausrutscher, eher eine Lehre für uns. Wir werden aber die richtigen Schlüsse daraus ziehen.“

Kein Spaziergang

Viel Zeit dafür bleibt Hitzfeld nicht, bereits am Mittwoch steht das DFB-Pokalhalbfinale gegen den VfL Wolfsburg vor der Tür. Die Niederlage in Cottbus bewertete er als „ganz gut, um einige wieder wachzurütteln“, so Hitzfeld. „Einige Spieler haben wohl gedacht, es läuft von allein und es wird ein Spaziergang zur deutschen Meisterschaft. Spätestens jetzt wissen wir, dass wir noch lange nicht deutscher Meister sind.“

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