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'Atemberaubend'

Ribéry und Toni sind Trumpf

Es ist noch nicht aus der Bayern-Kabine an die Öffentlichkeit gedrungen, ob Franck Ribéry und Luca Toni schon das Schafkopfen gelernt haben. Bei diesem Spiel geht es darum, durch Stechen der gegnerischen Karten die meisten Punkte zu erlangen, die Karten sind daher hierarchisch nach Trümpfen und Farben geordnet. Schafkopf lässt sich ganz gut mit der Bundesliga vergleichen: Auch hier geht es darum, den Gegner auszustechen, um am Ende die meisten Punkte zu haben. Die größten Trümpfe im Blatt des FC Bayern heißen dabei in der laufenden Spielrunde: Franck Ribéry und Luca Toni.

Beim Spiel gegen den Karlsruher SC waren der Franzose und der Italiener einmal mehr bestechend in Form. Mit zwei Einzelleistungen sorgten sie für den 2:0-Erfolg des Rekordmeisters und feierten ihre Treffer in der Allianz Arena zu heimatlichen Klängen („Oh Champs-Elysée“ und „Bello e impossibile“). „Da haben sich unsere Leute eine lustige Geschichte einfallen lassen“, sagte Uli Hoeneß, „das soll die Spieler dran erinnern, dass wir ihre Heimat nicht vergessen haben.“

'Der überragende Mann'

Dabei scheinen Ribéry und Toni in München längst ihre zweite Heimat gefunden zu haben. „Bei Franck besteht das Leben aus Fußball und Familie. Wenn diese zwei Faktoren stimmen, dann spielt er so, wie er das hier zelebriert hat“, meinte Hoeneß, nachdem Ribérys Hochgeschwindigkeitsläufe auf dem linken Flügel einmal mehr für Raunen im Stadion gesorgt hatten. Der FCB-Manager nannte es „wahnsinnig“, „atemberaubend“ und „frappierend, mit welchem Tempo er mit dem Ball am Fuß läuft. Und das nicht ein-, zweimal pro Halbzeit, sondern sechs, sieben Mal.“

Ribéry selbst betonte nach dem Spiel einmal mehr, wie wohl er sich in München fühle. „Der Verein, meine Mitspieler und die Fans geben mir noch mehr Kraft und Selbstvertrauen für meine Dribblings, meine Sprints und meine Tore. Das ist wichtig für mich“, sagte der 24-Jährige, der gegen den KSC in seiner unnachahmlichen Art getroffen hatte: Vier Gegenspieler ließ er stehen, dann schoss er den Ball durch die Beine des fünften ins Tor. „Er war der überragende Mann, er war überall. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Spieler“, sagte selbst KSC-Verteidiger Maik Franz.

Torgefählich und unverkäuflich

„Ich freue mich über mein Tor, weil es wichtig war. Die Partie war zu diesem Zeitpunkt noch offen“, meinte Ribéry, der erklärte, dass der persönliche Torerfolg „nicht mein oberstes Ziel“ sei. Das belegt auch die Statistik. Gegen Karlsruhe erzielte der Franzose seinen achten Saisontreffer, aber 15 weitere Tore hat er vorbereitet. In bisher 29 Pflichtspielen war er somit an 23 Treffern beteiligt.

„Da können alle Öl-Magnaten zusammenlegen, der Spieler wird nicht abgegeben“, erklärte Hoeneß Ribéry (Vertrag bis 2011) bereits für unverkäuflich. Die Fans des FC Bayern würden „ihren“ Franck ohnehin am liebsten nie wieder hergeben. Mit Sprechchören und Standing Ovations feierten sie ihn am Samstag einmal mehr in der Allianz Arena, was dem Franzosen natürlich nicht verborgen blieb. „Ich bemerke schon seit einiger Zeit, dass es immer mehr Beifall für mich gibt“, berichtete er.

Ribéry wie Zidane

„Da muss ich lange zurückdenken, dass ein Spieler so mit Standing Ovations verabschiedet wurde“, geriet auch Oliver Kahn ins Schwärmen, als er nach dem KSC-Spiel auf Ribéry angesprochen wurde. Der FCB-Kapitän verglich den Franzosen sogar mit Zinedine Zidane. Ribéry habe zwar „einen bisschen anderer Stil“, aber „von der Technik her“ sei er ein zweiter Zidane und in punkto Tempo setze er neue Maßstäbe. „Ich habe selten einen Spieler gesehen, der die Dinge mit so einer Geschwindigkeit macht“, so Kahn, „Franck ist, glaube ich, the next stage.“

Gebremst wird Ribéry nur von Ottmar Hitzfeld. „Er kann nicht jedes Spiel 90 Minuten durchspielen. Er macht viele Sprints, sein Spiel ist kräftezehrend“, erklärte der Trainer, der darauf achtet seinen „fliegenden Franzosen“ ja nicht zu verheizen. „Wenn er zwei Spiele hintereinander über 80, 90 Minuten machen würde, würde er 100-prozentig in einen Muskelfaserriss hineinlaufen.“

Ein Tor aus keiner Chance

Von seiner Kraft lebt auch Luca Toni. Mit der ganzen Wucht seines Körpers (1,96 m, 94 kg) stemmt sich der Italiener Spiel für Spiel als vorderster FCB-Angreifer in die Abwehrreihe des Gegners. Er wühlt sich geradezu in den Strafraum, zieht mehrere Verteidiger auf sich und nutzt seine Chancen eiskalt. Gegen Karlsruhe wandt er sich mit dem Ball um seinen Gegenspieler, fiel fast zu Boden und schoss den Ball dennoch aus spitzem Winkel zum wichtigen 1:0 in die Maschen.

Bereits zum zwölften Mal hat Toni jetzt den ersten FCB-Treffer erzielt. Insgesamt kommt er in 32 Pflichtspielen auf unglaubliche 24 Tore und 9 Vorlagen. In der Bundesliga (14 Tore) und im UEFA-Pokal (7) führt er die Torschützenliste an. „Luca Toni ist halt ein echter Torjäger“, meinte Hitzfeld, „er macht nicht nur die einfachen Dinger rein, sonst wäre er nicht in Italien Torschützenkönig geworden. Seine Präsenz auf dem Platz und im Strafraum ist schon sehr bemerkenswert.“ Hoeneß sagte: „Luca macht auch aus keiner Chance ein Tor.“

Wichtig ist die Mannschaft

„Das zeichnet einen guten Stürmer aus“, reagierte Toni cool auf das Lob der Verantwortlichen. Natürlich würde es ihm, „gefallen, Torschützenkönig zu werden.“ Am wichtigsten sei aber der Erfolg mit der Mannschaft, betonte der 30-Jährige. Auf dem Weg zu möglichst vielen Titeln könnte er zusammen mit Franck Ribéry der entscheidende Trumpf des FC Bayern sein. Und das Schafkopfen lernen die beiden bestimmt auch noch.

Für fcbayern.de berichtet: Nikolaus Heindl

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