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Pokalfinale erreicht

'Wie die Eichhörnchen' auf Titeljagd

Auf Hochglanz poliert schimmerte der „Pott“ vor dem Anpfiff golden vom Spielfeldrand. Mark van Bommel traute sich beim Aufwärmen bis auf eineinhalb Meter an die Trophäe heran und hätte sie kurz darauf mit einem Querschläger beinahe von ihrem Tischchen geschossen, auch Uli Hoeneß riskierte beim Fernsehinterview einen kurzen Blick aus der Ferne auf den Pokal. Zwei Halbzeiten später war die Distanz zwischen den Bayern und dem DFB-Pokal bis auf einen Schritt zusammengeschmolzen. Nach dem 2:0 (0:0)-Erfolg im Halbfinale gegen den VfL Wolfsburg trennt den FCB nur noch das „Traumfinale“ (Ottmar Hitzfeld) gegen Borussia Dortmund am 19. April vom 14. DFB-Pokalsieg. Da war selbst Routinier Oliver Kahn nach Feiern zumute.

Ausgelassen tanzte und hüpfte der FCB-Kapitän nach dem Schlusspfiff mit der ganzen Mannschaft vor der Fankurve. Durch den Einzug in sein siebtes und letztes Pokalfinale hatte er einen neuen Rekord aufgestellt. „Ich muss mich erst an diese neuen Jubel-Arien gewöhnen“, musste er über seine ungewohnte Tanzeinlage selbst lächeln. In der Bayern-Kabine sei „schon geschmunzelt“ worden, berichtete Miroslav Klose, und selbst Hitzfeld war „überrascht, dass Olli wie die jungen Spieler herumhüpft. Das zeigt, welcher Druck abgefallen ist.“

Geduldig und präsent

Zwei Niederlagen in Folge - eine unbedeutende gegen Anderlecht und eine blamable in Cottbus - hatte der FCB vor dem Pokal-Halbfinale eingesteckt, eine dritte wäre undenkbar gewesen. „Olli weiß, dass Bayern München ein sensibles Gebilde ist, das schnell explodieren kann. Wenn wir heute ausgeschieden wären, hätte es gebrannt hier“, sagte Hitzfeld, dessen Mannschaft gegen Wolfsburg aber nichts anbrennen ließ.

90 Minuten lang beherrschte der Rekordpokalsieger die Partie gegen die aktuell beste Rückrundenmannschaft der Liga. „Wir waren heute von der ersten bis zur letzten Minute total präsent. Wir haben so konzentriert gespielt, dass Wolfsburg kaum eine Torchance hatte“, meinte ein zufriedener Uli Hoeneß. Hitzfeld sagte: „Wir waren dem 1:0 im gesamten Spiel näher als Wolfsburg. Wir haben Geduld gehabt und kontinuierlich den Druck erhöht.“

'Die richtige Reaktion'

Franck Ribéry (60.) und Miroslav Klose (66.) krönten mit ihren Toren den engagierten Auftritt der Bayern, die sich damit nicht nur das Ticket für Berlin sicherten, sondern auch die letzten Niederlagen vergessen machten. „Nach dem Spiel in Cottbus hatte ich Sorgen, dass sich ein Schlendrian einschleichen würde“, sagte Hoeneß, „das haben wir diese Woche angesprochen und die Mannschaft hat heute die richtige Reaktion gezeigt.“

Auch Hitzfeld freute sich, dass sich seine Elf gegen Wolfsburg „rehabilitiert“ hat. „Die Mannschaft hat ihr wahres Gesicht gezeigt“, sagte der FCB-Cheftrainer, der hofft, dass der Einzug ins Pokalfinale der Mannschaft „noch einmal einen großen Schub“ gibt. „Wir haben ein klares Ziel: in vier Wochen nach dem Ligapokal den zweiten Titel zu holen, damit wir auch einen Riesenschub für die Meisterschaft kriegen.“

Am Samstag gegen Leverkusen

In der Bundesliga können die Bayern schon am Samstag gegen den Tabellendritten aus Leverkusen einen wichtigen Schritt Richtung Titel machen. „Der Sieg heute wird noch einmal Kräfte freisetzen“, geht Hitzfeld zuversichtlich in dieses Spitzenspiel. „Wir können Leverkusen aus dem Meisterrennen rausschießen“, betonte Kahn, „wenn wir gewinnen, sind sie neun Punkte hinter uns.“

Meisterschaft, DFB-Pokal und UEFA-Cup - „wir wollen alles mitnehmen, was möglich ist“, will der FCB-Torwart sein letztes Profijahr mit möglichst vielen Titeln krönen. „Davon träumt man natürlich.“ Schritt für Schritt wollen die Bayern den Traum ihres Kapitäns nun in die Tat umsetzen. Hoeneß gab die Devise vor: „Wir wollen schön langsam wie die Eichhörnchen eins nach dem anderen machen.“ In Berlin hält der FCB am 19. April die erste Titel-Nuss in Händen, sie muss nur noch geknackt werden.

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