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Temperamentsbündel Lucio

'Er ist ein absoluter Weltklasse-Verteidiger'

Wie angestochen rannte er zur Eckfahne, zerrte an seinem Trikot, klopfte unentwegt auf das FCB-Wappen auf seiner Brust, brüllte an der Eckfahne wild gestikulierend in Richtung Zuschauer, den ersten Gratulanten schubste er weg, kein Lächeln huschte über sein Gesicht - so sah es aus, als Lucio am Sonntag in der Allianz Arena seiner Freude freien Lauf ließ. Gerade hatte der Brasilianer den zwischenzeitlichen Ausgleich gegen den VfL Bochum erzielt, danach mussten einige Emotionen einfach raus.

0:1 lagen die Bayern vor Lucios Kopfballtreffer (31. Minute) zurück und waren zudem seit vier Minuten ein Mann weniger auf dem Platz, nachdem Mark van Bommel mit Gelb-Rot vom Platz geflogen war (27.). „Die Situation der Mannschaft war in diesem Moment nicht so gut“, erzählte Lucio, „das 1:1 war eine gute Antwort.“

Wichtige Tore

Dass ausgerechnet der 29 Jahre alte Innenverteidiger diese Antwort parat hatte, ist kein Zufall. So redescheu sich Lucio außerhalb des Platzes gibt, so tonangebend ist er im Spiel, besonders wenn es eng wird für den FC Bayern. Dann hält ihn fast nichts mehr in der Abwehr. Gegen Bochum trieb er den Ball mit großen Schritten immer wieder durchs Mittelfeld nach vorne, ein Tor erzielte er selbst, den Handelfmeter, den Ribéry zum 2:1 verwandelte (74.), leitete er mit einer Flanke ein.

Lucios Kopfballtreffer gegen den Revierklub war sein erstes Bundesligator seit 17 Monaten, sein 21. insgesamt im 202. Ligaspiel. Der Innenverteidiger hat somit fast genauso viele Tore erzielt, wie gelbe Karten kassiert (22). Zudem sind es fast immer wichtige Treffer, die auf sein Konto gehen. Seine beiden Tore in der laufenden UEFA-Cup--Saison in Aberdeen und gegen Anderlecht waren jeweils die 1:0-Führung für den FCB, letztes Jahr traf er zweimal im Achtelfinale gegen Real Madrid: im Hinspiel zum zwischenzeitlichen 1:1 (Endstand 2:3), im Rückspiel zum 2:0 (2:1). Sein letzter Bundesligatreffer im Oktober 2005 war der 1:1-Ausgleich in Köln (2:1).

Unbändiger Siegeswille

„Lucio ist ein sehr temperamentvoller Spieler. Gerade wenn wir in Rückstand sind, hat er keine Geduld und will alles an sich reißen“, weiß Ottmar Hitzfeld, der den Offensivdrang seinen Abwehrchef immer wieder zügeln muss. Lucio selbst weiß, „dass ich in erster Linie defensiv denken muss. Ein, zwei Vorstöße im Spiel sollten aber möglich sein.“ Gegen Bochum waren sie sogar notwendig. „Mit einem Mann weniger muss die Abwehr auch mit nach vorne marschieren“, meinte Martin Demichelis.

Dabei gelang es Lucio, seine Vorstöße so gut zu dosieren, dass er immer auch dann zur Stelle war, wenn er in der Abwehr gebraucht wurde. „Lucio hat eines seiner besten Saisonspiele gemacht, er hat unglaublich gespielt“, lobte Demichelis seinen Partner in der Innenverteidigung. „Als wir die gelb-rote Karte für Mark bekommen haben, hat mich Lucio angeschaut und gesagt: Micho, jetzt gewinnen wir“, erzählte der Argentinier von Lucios unbändigem Willen, der vom Platzverweis nur zusätzlich angestachelt wurde.

Emotional und weltklasse

„Ich habe mit Herz gespielt“, meinte Lucio, der das nach seinem Tor mit dem Klopfen auf das FCB-Wappen auf seiner Brust verdeutlichen wollte. Diese Leidenschaft macht den Brasilianer so unheimlich wertvoll für den FC Bayern. „Lucio ist momentan unheimlich motiviert“, erzählte Oliver Kahn, „es ist ganz wichtig, dass er mit dieser Emotionalität spielt, so wie ich auch ab und zu spiele. Er ist das, was man einen absoluten Weltklasse-Verteidiger nennt.“

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