präsentiert von
Menü
Pech, Oberpech, Lucio

'Er ist praktisch angeschossen worden'

Lucio war am Donnerstagabend überall. Unzählige Pässe des Gegners fing er ab, fast jeden Zweikampf gewann er, zusammen mit Martin Demichelis, seinem Partner in der Innenverteidigung, meldete er St. Petersburgs Toptorjäger Pavel Pogrebnyak total ab. Auch in der 60. Minute war Lucio schneller als der Gegner, als Viktor Fajsulin am linken Flügel den Ball in den FCB-Strafraum passte. „Das war keine Flanke, sondern ein Schuss“, sagte Ottmar Hitzfeld zu diesem scharfen Ball, auf den Lucio gedankenschnell reagierte. Mit dem Kopf wollte er ihn ins Tor-Aus befördern - doch von Lucios Stirn schlug der Ball im eigenen Tor ein. Es war der Treffer zum 1:1-Endstand.

„Betrübt“ saß Lucio nach dem Schlusspfiff in der Kabine, erzählte Karl-Heinz Rummenigge, Bastian Schweinsteiger sagte: „Er nimmt sich so was natürlich zu Herzen.“ Dabei machte dem Brasilianer keiner einen Vorwurf. „Es war nicht sein Fehler. Er ist praktisch angeschossen worden“, meinte Rummenigge, der Lucio eine „überragende“ Leistung bescheinigte. Beim Eigentor könne der 29-Jährige „nicht viel machen“, sagte Ottmar Hitzfeld, „wir hätten vielmehr vorher schon verhindern müssen, dass der Gegner so frei zur Hereingabe kommt.“

Erst Pech, dann Oberpech

Am Tag danach ging es Lucio immer noch „nicht so gut“, wie er in einer Pressekonferenz erzählte. Noch auf dem Spielfeld hatte der Abwehrchef des FC Bayern seinen Lapsus wieder gutmachen wollen. Immer wieder stürmte er mit nach vorne, sechs Torschüsse sollte er am Ende aufs gegnerische Tor abgegeben haben, mehr als jeder andere Spieler auf dem Platz.

Um ein Haar wäre er dafür auch belohnt worden. In der 79. Minute traf er den Ball 18 Meter vor dem Tor mit voller Wucht, doch St. Petersburgs Schlussmann Vyacheslav Malafeev lenkte den Ball mit den Fingerspitzen über das Tor. „Ich hätte ihm diesen Schuss gewünscht, den der Torwart in Weltklassemanier gehalten hat. Besser kann man den nicht schießen, aber besser halten auch nicht“, sagte Rummenigge, „das Eigentor war Pech, dass der Schuss nicht reingegangen ist, war Oberpech.“

Heiß auf den VfB

Dieses doppelte Pech muss Lucio nun möglichst schnell abhaken. Dass er das schafft, davon sind alle beim FC Bayern überzeugt. „Er ist erfahren genug, dass er das wegsteckt. Ich hoffe, er schüttelt sich und dann fängt es im nächsten Spiel bei Null an“, meinte Rummenigge und Hitzfeld ist überzeugt: „Lucio wird am Sonntag wieder ein gutes Spiel machen.“

Lucio selbst sagte: „Ich bin ein Kämpfer.“ Er wolle jetzt „nach vorne schauen“. Wer den Brasilianer kennt, weiß: Am Sonntag gegen den VfB Stuttgart wird er besonders heiß sein. Nicht nur weil er gegen St. Petersburg ins eigene Tor traf, sondern auch weil er im Hinspiel gegen den VfB mit Rot vom Platz geflogen war. Lucio möchte einiges wieder geraderücken.

Weitere Inhalte