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'Fußball zum Verlieben'

FCB stürmt 'wie aus dem Lehrbuch' zum Titel

Als die Mannschaft vor der Fankurve jubelte, untersuchte Uli Hoeneß das Grün in der Allianz Arena. „Weil wir darüber nachdenken, den Rasen noch einmal zu wechseln“, begründete er, warum er nach dem Schlusspfiff scheinbar unbeeindruckt von der Feierstimmung durch den Mittelkreis gewandert war. Es war die Ruhe nach dem 5:0 (4:0)-Sturm der Bayern gegen Borussia Dortmund, die der FCB-Manager da ausstrahlte, und die stille Erleichterung über „einen wichtigen Schritt“ Richtung Titel. „Wir haben die Meisterschaft heute vorentschieden“, meinte er.

Mit zehn Punkten Vorsprung thront der FC Bayern sechs Spieltage vor Saisonende an der Tabellenspitze. „Die drei ausstehenden Auswärtsspiele könnte man verlieren und wäre trotzdem Meister. Ich glaube nicht, dass da noch viel passieren kann“, sagte Hoeneß, der von Gratulationen zum Titelgewinn aber noch nichts wissen wollte. „Glückwünsche nehme ich nicht an.“

Zum mit der Zunge Schnalzen

Auch die übrigen Bayern blieben vorsichtig. Bei Ottmar Hitzfeld dürfen sich Gratulanten erst vorstellen, „wenn nichts mehr passieren kann. Wir haben jetzt zehn Punkte Vorsprung, das sieht schon mal gut aus“, sagte der FCB-Trainer. „Normalerweise darf man das nicht mehr hergeben“, meinte Philipp Lahm, dem die jüngsten Ereignisse in Getafe aber Warnung genug sind. „Da haben wir erlebt, was im Fußball alles passieren kann. Deswegen darf man sich nicht zu früh freuen.“

Die Jubelstimmung der Bayern galt daher am Sonntag nur ihrem Gala-Auftritt gegen Dortmund. „Was wir hier in der ersten halben Stunde geboten haben, war Fußball zum Verlieben, Fußball von einem anderen Stern. Jedes Tor war herausgespielt, jedes Tor war eine Augenweide und das Eintrittsgeld wert“, schwärmte Uli Hoeneß vom „besten Heimspiel seit langem“, das auch bei Hitzfeld „Zungeschnalzen“ auslöste.

Fußball aus dem Lehrbuch

4:0 führten die Bayern schon nach 22 Minuten gegen desolate Dortmunder, deren Trainer Thomas Doll von einer „Hinrichtung“ sprach. Lukas Podolski (3.), Zé Roberto (8.) und Luca Toni (18., 22.) waren die Torschützen nach traumhaften Spielzügen. „Das waren Kombinationen wie aus dem Lehrbuch“, sagte Hoeneß, „wenn der DFB einen Lehrfilm drehen will über Konterfußball oder über Mit-drei-Zügen-zum-Tor, dann kann er das eine oder andere Tor mit übernehmen.“ Den Endstand besorgte vor 69.000 begeisterten Zuschauern Andreas Ottl (67.).

Mit einem derartigen Gala-Auftritt hatte niemand gerechnet beim FC Bayern. „Ich hatte eigentlich vermutet, dass das ein schwieriges Spiel wird heute“, erzählte Hoeneß. Immerhin steckten den Bayern noch die 120 Minuten von Getafe in den Knochen. Der FCB-Manager machte der Mannschaft daher „ein großes Kompliment, dass sie nach so einer Schlacht wie am Donnerstag heute Fußball zelebriert hat und die Zuschauer total von den Stühlen gerissen hat. Ich muss sagen: Chapeau!“

Toni auf dem Weg zur Torjägerkanone

„Die 120. Minuten von Getafe war ein riesiger Adrenalinstoß für die Mannschaft, von dem wir heute noch gezehrt haben“, meinte Hitzfeld. Selbst das Fehlen von Leistungsträgern wie Franck Ribéry, Miroslav Klose, Mark van Bommel und Lucio machte sich nicht negativ bemerkbar. „Heute ist brillant dargelegt worden, dass die Mannschaft auch ohne Franck und Miroslav Klose Zauberfußball spielen kann“, sagte Hoeneß.

Unverzichtbar scheint zurzeit allerdings Luca Toni. Der Italiener, der in seiner Heimat von der Sportzeitung „La Gazzetta dello Sport“ als „Toni cannibale“ gefeiert wurde, war an den ersten vier Treffern beteiligt, zwei davon erzielt er selbst. Mit jetzt 18 Saisontoren ist ihm die Torjägerkanone kaum noch zu nehmen, dennoch bleibt der 30-Jährige unersättlich. „Ich habe ihn in der Halbzeit gefragt, ob er runter möchte wegen der Kraft, aber er meinte nur: Ne, Tore, Tore, Tore“, berichtete Hitzfeld.

Warnung vor dem Pokalfinale

Viele Treffer erwarten die Fans jetzt auch im Pokalfinale am kommenden Samstag, wo der Gegner erneut Borussia Dortmund heißt. „Da muss ich warnen“, sagte jedoch Hoeneß, der in Berlin von einem völlig unterschiedlichen Spiel ausgeht. „Es wird viel schwerer werden als heute. Dortmund wird diese Niederlage sicherlich wurmen. Ich bin überzeugt, dass am Samstag eine andere Mannschaft auf dem Platz stehen wird.“

Dies gelte es jetzt auch, in die Köpfe der Spieler zu bringen, meinte der FCB-Manager. „Wenn sie glauben, dass es am Samstag so weitergeht, werden sie ein schweres Spiel erleben.“ Auch Ottmar Hitzfeld fiel das Ergebnis gegen Dortmund fast zu hoch aus. „Wir wollten schon ein Zeichen setzen fürs Pokalendspiel, aber so deutlich eigentlich nicht. So macht man den Gegner schärfer.“

Volle Konzentration aufs Finale

Nach der Vorentscheidung in der Meisterschaft kann der FC Bayern nun aber auch ganz anders an die kommenden Aufgaben herangehen. „Jetzt können wir uns besser auf das Pokalfinale und den UEFA-Pokal konzentrieren“, meinte Hoeneß. Und dafür, dass die Dortmunder nicht unterschätzt werden, wird der Kapitän höchstpersönlich sorgen. „Wenn man Oliver Kahn in der Mannschaft hat, kommt das nicht vor“, sagte Bastian Schweinsteiger.

Für fcbayern.de berichtet: Nikolaus Heindl

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