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Wut und Zuversicht

'Jetzt haben wir ein Endspiel'

Uli Hoeneß fand es „fatal“, Lukas Podolski „unnötig und ärgerlich“, Luca Toni war einfach nur „stinksauer“ - keine Frage, die Stimmung war gedrückt, als die Bayern am Donnerstag die Allianz Arena verließen. In der 90. Minute hatte Cosmin Contra dem deutschen Rekordmeister den Abend verdorben. Mit seinem Last-Minute-Treffer sorgte der Rumäne für den 1:1 (1:0)-Endstand im Viertelfinalhinspiel des UEFA-Cups zwischen dem FC Bayern und dem FC Getafe. Die Ausgangslage des FCB für das Rückspiel hat sich dadurch deutlich verschlechtert. „Das ist auch für die Moral ein Dämpfer“, sagte Ottmar Hitzfeld, „aber kein Grund, den Kopf hängen zu lassen.“

Ganz im Gegenteil. Nächste Woche werden die Bayern „mit einer Portion Wut“ (Hitzfeld) nach Getafe reisen. „Jetzt kommt eine Jetzt-erst-recht-Stimmung auf“, meinte der FCB-Cheftrainer. Oliver Kahn verspürte schon Vorfreude auf die Partie vor den Toren Madrids. „Jetzt haben wir eine schöne Europapokalnacht vor uns, mit allem drum und dran“, sagte der FCB-Kapitän und versicherte: „0:0 wird dieses Spiel sicher nicht ausgehen.“

Vorfreude aufs Rückspiel

Das darf es auch nicht. Denn um das drohende Aus abzuwenden, muss der FCB in Getafe mindestens ein Tor erzielen. „Jetzt haben wir ein Endspiel“, sagte Hitzfeld, dessen Mannschaft im Rückspiel erstmals in der laufenden UEFA-Cup-Saison richtig unter Druck steht. „Es wird ein heißes Spiel und sehr, sehr schwer. Ich freue mich darauf“, sagte Hoeneß, der die Partie auch als Reifeprüfung für den FCB versteht. „Eine UEFA-Pokal-K.o.-Runde besteht aus zwei Spielen. Große Mannschaften müssen dann eben das zweite gewinnen.“

Dass die Bayern fähig sind, in Getafe zu gewinnen, hat im Hinspiel vor allem die erste Halbzeit bewiesen. Über weite Strecken spielte vor 62.000 Zuschauern in der Allianz Arena fast nur der deutsche Rekordmeister und ging durch Luca Tonis achten UEFA-Cup-Treffer (26.) völlig verdient in Führung. „In der ersten Halbzeit haben wir sehr stark gespielt“, sagte Hitzfeld, „alle zwei, drei Minuten hatten wir eine Torchance und hätten in der Halbzeit schon 2:0 führen müssen.“

Zu große Lücken

Ein zweiter Treffer wollte den Bayern auch in der zweiten Spielhälfte aber einfach nicht gelingen. Selbst „Riesenkonterchancen“ (Hitzfeld) ließen die Münchner ungenutzt. „Da braucht man sich nicht wundern, wenn man nachher Schwierigkeiten kriegt“, meinte Hoeneß. Es dauerte jedoch bis zur 90. Minute, ehe Getafes Joker Contra stach - „das Tor hat sich abgezeichnet“, sagte Lukas Podolski.

Schon am Ende der ersten Halbzeit hatten sich nämlich Nachlässigkeiten ins Spiel der Bayern eingeschlichen. Ungewohnt große Lücken wurden auf dem Platz zwischen den Mannschaftsteilen des FCB sichtbar. „Die Räume waren so groß, das kann man nicht zulaufen. Da ist es schwierig, das Spiel unter Kontrolle zu kriegen“, sagte Mark van Bommel. Die angebotenen Lücken nutzte Getafe geschickt und kam zu mehreren guten Chancen. In der Schlussminute führte schließlich „eine Verkettung von einigen defensiven Fehlern“ (Hitzfeld) zum nicht unverdienten Ausgleich.

'Wir werden weiterkommen'

„Wir sind selbst schuld“, meinte Bastian Schweinsteiger und auch Marcell Jansen war nach dem Schlusspfiff selbstkritisch: „Wir müssen halt den Sack zumachen oder zumindest so kompakt stehen, dass wir das 1:0 über die Bühne schaukeln.“ Besser machen wollen es die Bayern schon am Sonntag gegen Bochum und natürlich nächste Woche in Getafe.

Gedanken an das drohende Aus verschwenden die Bayern nicht. „Jeder redet so, als ob wir schon ausgeschieden wären“, sagte Van Bommel, der damit ganz auf der Linie von Kapitän Kahn lag: „Da ist noch lange nichts verloren. Wir werden in Getafe weiterkommen, und wenn es im Elfmeterschießen ist.“

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