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Rekordpokalsieger

Kahn einmal mehr der große Rückhalt

Oliver Kahn genoss diesen Augenblick. Ein letztes Mal schlenderte er über den vom goldenen Konfetti übersäten Rasen des Berliner Olympiastadions, ganz alleine mit sich und seinen Gedanken. Kurz zuvor hatte er noch total im Mittelpunkt gestanden. Um 22.41 Uhr Uhr war es, als er das Siegerpodium bestieg und aus den Händen von Bundespräsident Horst Köhler den DFB-Pokal in die Hand nahm und ihn dann in den Berliner Nachthimmel stemmte.

„Es ist so eine schöne Mischung aus Wehmut und Hochstimmung, wenn man weiß, dass man hier zum letzten Mal beim Finale ist. Dann kann man jetzt alles ein bisschen genießen“, sagte er nach dem 2:1-Erfolg gegen Borussia Dortmund. Es war Kahns insgesamt sechster Triumph im DFB-Pokal, wodurch er nun alleiniger Rekordhalter ist.

Alle suchen nach dem Schlusspfiff Kahn

Dass er und seine Mannschaft diesen Erfolg feiern konnten, lag zum einen an Luca Toni, dem Doppeltorschützen in insgesamt 120 Spielminuten. Zum anderen aber auch an eben Kahn. Beim Stand von 1:1 hielt er in der 100. Minute einen Schuss von Florian Kringe, den wohl nur ganz wenige Torhüter auf dieser Welt halten. Blitzschnell tauchte er ins linke Eck ab und lenkte den tückischen Aufsetzer mit den Fingerspitzen geradeso noch um den Pfosten.

„Olli hat eine super Leistung geboten. In der schwierigen Phase, als wir unter Druck waren, hat er vor allem in der Luft unheimlich stark gehalten, hat Bälle runtergeholt und sicher gefangen, die nicht unbedingt leicht waren. Da er unser Mannschaft unglaublichen Rückhalt gegeben“, hielt Manager Uli Hoeneß nach dem Spiel fest.

Ritterschlag von Rummenigge

So stürmten Kahns Teamkollegen nach dem Schlusspfiff auch zuerst auf Kahn zu. Auch Ottmar Hitzfeld suchte sofort den Weg zu seinem langjährigen Weggefolgten. Vor der Siegerehrung sah man beide lange zusammenstehen und sich intensiv unterhalten. „Wir ergänzen uns sehr gut“, hatte Hitzfeld kürzlich über Kahn gesagt.

Von FCB-Chef Karl-Heinz Rummenigge hatte der 38-Jährige Schlussmann schon vor dem Finale den Ritterschlag erhalten. „Wir hatten viele gute Spieler: Steffan Effenberg, Lothar Matthäus, aber für den Stellenwert, sportlich und in der Außendarstellung, war Kahn der wichtigste Mann. Er hat das personifizierte Bayern-Gen.“ Und das Bayern-Gen bedeutet: Titel gewinnen, immer wieder und immer wieder.

DFB-Pokal Teil 1 vom Triple?

Zum siebten Mal stand der Titan an diesem Abend des 19. Aprils 2008 in einem Pokal-Endspiel, nur ein Mal ging er nicht als Sieger vom Platz. 1999 war das, als die Münchner Werder Bremen im Elfmeterschießen unterlagen, nachdem sie wenige Tage zuvor den Alptraum von Barcelona gegen Manchester United erleben mussten. „Normal hätten wir das Spiel mit verbundenen Augen gewonnen, wenn wir nicht vorher das Champions-League-Finale verloren hätten“, ist sich Kahn sicher.

Im Sommer wird Kahn nun seine Towarthandschuhe an den viel zitierten Nagel hängen. „Irgendwann ist man froh, wenn es vorbei ist. Ich habe nichts an Emotionen ausgelassen.“ Zuvor möchte er aber noch zwei Mal ein Siegerpodest besteigen. Am letzten Bundesligaspieltag für die Meisterschale und am 14. Mai in Manchester beim Finale des UEFA-Cups.

Für fcbayern.de im Berliner Olympiastadion: Dirk Hauser

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