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Auswärtsspiel Teil 12

Oliver Kahns Erinnerungen an Frankfurt

Es ist seine 21. Profisaison und zugleich seine letzte. Mit 38 Jahren hat Bayern-Kapitän Oliver Kahn das Ende seiner langen und überaus erfolgreichen Sportlerkarriere vor Augen. Weit über 500 Bundesligaspiele hat der dreimalige Welttorhüter des Jahres in den letzten 20 Jahren bestritten, die Hälfte davon in des Gegners Stadion. Vor seinen 17 letzten Auswärtsspielen in der Bundesliga blickt Kahn auf fcbayern.de noch einmal auf den jeweiligen Gegner zurück und erinnert sich an besondere Augenblicke, skurrile Situationen, aber auch an sportlich emotionale Momente. Zwölfte Station: Frankfurt.

Kahns Erinnerungen an Eintracht Frankfurt:

„Auch wenn ich dieses Mal nicht in Frankfurt dabei bin, so möchte ich doch trotzdem ein paar Zeilen zu meinen früheren Spielen in Frankfurt schrieben. Erst vergangene Woche in Getafe haben wir ja alle hautnah erleben können, welche verrückten Geschichten der Fußball schreibt. Und auch in Frankfurt habe ich durchaus einige unvergessliche Dinge erlebt. Beispielsweise unsere 0:1-Niederlage letzte Saison. Wir kämpften noch um unsere Chance auf den Titel, die Eintracht gegen den Abstieg, als Christoph Preuß den Ball per Fallrückzieher zum Frankfurter Siegtreffer ins Tor beförderte.

Doch der Reihe nach. Drei Mal habe ich mit dem Karlsruher SC in Frankfurt gespielt, damals noch zu Hochzeiten von Spielern wie Uwe Bein, Antony Yeboah oder Maurizio Gaudino. Mitte der zweiten Halbzeit stand es 1:1, was der hoch favorisierten Eintracht gar nicht gefiel. Doch dann kam Jay-Jay Okocha ins Spiel. Erst bereitete er das 2:1 durch Bein vor, ehe er kurz vor Schluss mit einem bis heute legendären Solo, bei dem er mich und vier weitere Abwehrspieler ein ums andere Mal mit seinen Haken ins Leere schickte, selbst zum 3:1 traf. Das Tor wurde dann später sogar zum Tor des Jahres gewählt.

Einige Jahre später kam ich mit dem FC Bayern ins Waldstadion. Die Eintracht führte mit 1:0 und bekam dann Anfang der zweiten Halbzeit nach einem Foul von Sammy Kuffour an Kutschera einen Foulelfmeter zugesprochen. Glücklicherweise konnte ich den Strafstoß von Fjörtoft abwehren. Kurz danach prallten Kuffour und ich bei einer Rettungsaktion, woraufhin ich mit einer Gehirnerschütterung in die Klinik musste. Für mich kam Bernd Dreher ins Spiel, doch der verletzte sich nach nur sieben Minuten ebenfalls (Kreuzbandriss), so dass schließlich Michael Tarnat als dritter Torwart eingewechselt wurde. Die meisten Mannschaften hätten solche Nackenschläge wahrscheinlich nicht weggesteckt, doch bei uns ging es danach erst richtig los. Am Ende gewannen wir durch Tore von Giovane Elber und - ausgerechnet - Sammy Kuffour mit 2:1. Was für ein verrücktes Spiel.

Verrückt war auch das, was uns in meinem ersten Jahr beim FC Bayern in Frankfurt passiert ist. Es war in der Saison 1994/95 und ich konnte das Spiel wegen eines Kreuzbandrisses nur im Fernsehen verfolgen. Zur Halbzeit stand es 2:2, doch im zweiten Durchgang spielten wir groß auf und gewannen schließlich mit 5:2. Alle freuten sich über diesen klaren Sieg, doch am Ende hatte nur die Eintracht Grund zum Jubeln: Unser damaliger Trainer Giovanni Trapattoni wechselte mit Dietmar Hamann einen vierten Amateur ein. Das war laut Statuten nicht erlaubt, daraufhin wurde Spiel am „grünen Tisch“ mit 2:0 Toren und Punkten für die Eintracht gewertet.

Auch dieses Mal werde ich dieses Duell nur als Zuschauer verfolgen, doch große Sorgen mache ich mir keine. Preuß ist verletzt und kann nicht spielen, Okocha spielt nicht mehr und vier Amateure haben wir auch nicht im Kader...“

Bilanz: 3 - 2 - 5; 10:16 Tore

Nächste Station: Wolfsburg

(Anm. d. Red.: Aufgrund einer Ellenbogen-Verletzung und einer internen Sperre konnte Oliver Kahn die Auswärtsspiele in Bochum, Dortmund und Berlin nicht bestreiten.)

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