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'Von null auf hundert'

Toni und Ribéry lassen Bayern jubeln

Es lief die 76. Spielminute, als sich Franck Ribéry und Luca Toni grinsend gegenüberstanden. Ribéry schraubte nach seinem Tor in Toni-Manier an seinem Ohr, Toni streckte den Zeigefinger seiner rechten Hand in Ribéry-Manier gen Himmel - verkehrte Welt in der Allianz Arena. Dabei war eigentlich alles beim Alten. Toni und Ribéry machten den Unterschied aus zwischen einem guten VfB Stuttgart und einem meisterlichen FC Bayern. „Man kann dem FC Bayern nur zu solchen Spielern gratulieren, wir haben das heute zu spüren bekommen“, sagte Stuttgarts Mario Gomez.

Toni und Ribéry waren aber nicht nur beim 4:1-Sieg gegen den Noch-Meister VfB Stuttgart spielentscheidend, über die gesamte Saison waren die beiden Neuzugänge „zwei wichtige Gründe“ (Karl-Heinz Rummenigge), warum dem FC Bayern schon nach dem 30. Spieltag die Meisterschaft praktisch nicht mehr zu nehmen ist, der DFB-Pokal gewonnen wurde und auch im UEFA-Pokal das Finale anvisiert werden kann.

Toni trifft und trifft und trifft

„Luca und Franck sind im ersten Jahr sofort von null auf hundert durchgestartet und haben der Mannschaft große Qualität einverleibt“, meinte Rummenigge, der „sehr glücklich“ ist, den Italiener und den Franzosen im vergangenen Sommer für viel Geld nach München geholt zu haben. Solch hohe Investitionen seien immer mit Risiko verbunden, sagte der FCB-Vorstandsvorsitzende, doch Qualität koste eben Geld. „Uns war klar: Mit den beiden kriegen wir Qualität“ - was das Spiel gegen Stuttgart einmal mehr bewiesen hat. „Es ist Wahnsinn, was die beiden heute geleistet haben“, so Rummenigge.

Das erste Ausrufezeichen gegen die Schwaben setzte - natürlich - Luca Toni. Zum 16. Mal erzielte er in der laufenden Saison das 1:0 für den FC Bayern, insgesamt war er sogar 25 Mal am 1:0 beteiligt (9 Vorlagen). In der achten Minute stand er goldrichtig, als VfB-Verteidiger Matthieu Delpierre ihm den Ball genau vor die Füße legte und Toni aus fünf Metern mühelos einnetzte. Es war sein 35. Tor im 42. Pflichtspiel.

Wie Zirkus Sarrasani

Nicht nur aufgrund seiner Trefferausbeute wandelt Toni in den Spuren einer FCB-Stürmerlegende, sondern auch wegen der Art und Weise, wie er trifft. „Denken wir nur an das 2:1 im Pokal-Endspiel gegen Borussia Dortmund, wo er mit einem Reflex nur den Fuß hinhält und der Ball geht ins Tor - das sind Momente, die an Gerd Müller erinnern“, adelte ihn Franz Beckenbauer.

Einen Vergleich in der Welt des Fußballs sucht man bei Franck Ribéry hingegen vergeblich. „Leichte Züge von Zirkus Sarrasani“, stellte Rummenigge im Spiel des FC Bayern fest, nachdem der zunächst geschonte Franzose in der 57. Minute eingewechselt wurde. Auch Uli Hoeneß konnte nur staunen: „Was der beim dritten Tor gemacht hat: Das gibt es gar nicht. Ein normaler Mensch schießt gar nicht aus dem Winkel. Und dann wie er das macht…unglaublich.“

Nicht von dieser Welt

Was den FCB-Manager so begeisterte, war Ribérys Treffer zum vorentscheidenden 3:1 in der 75. Spielminute. Dabei perfektionierte der Franzose den Eröffnungstreffer von Philipp Lahm bei der WM 2006. Aus gut 25 Metern hämmerte er den Ball vom linken Strafraumeck in den rechten oberen Torwinkel. VfB-Trainer Armin Veh fand dies „sensationell“, Ottmar Hitzfeld sprach von einem „Geniestreich“. Nur 96 Sekunden später folgte der nächste: Erst ließ Ribéry zwei Abwehrspieler mit einer Köpertäuschung ins Leere Laufen, dann versenkte er den Ball zum 4:1 im Tor.

„Franck ist unglaublich, phantastisch“, meinte Hitzfeld, „ihm sind heute zwei Traumtore gelungen.“ Ribéry selbst wies nach Spielschluss Vermutungen zurück, dass er nicht von dieser Welt sei. „Ich bin kein Außerirdischer“, sagte er. Über seinen Weitschusstreffer freute er sich („So ein Tor macht man nicht oft.“), am wichtigsten sei aber, „dass ich mich beim FC Bayern wohl fühle und das Publikum mich liebt. Dann kann ich auch so eine Leistung bringen. Wenn es meinem Kopf gut geht, dann geht es auch meinen Beinen gut.“

Lektion vor der Fankurve

Nicht nur den Fans, sondern auch der Mannschaft ist der nur 1,70 Meter große Franzose ans Herz gewachsen. Christian Lell sagte Ribéry öffentlich „dankeschön. Es ist einzigartig, wie er die Tore macht. Es ist nicht nur für die Zuschauer, sondern auch für uns als Mannschaft eine Augenweide, ihn in der Mannschaft zu haben.“ Bastian Schweinsteiger holte ihn nach dem Spiel nach vorne, um vor den Fans den „Humba“-Jubel anzustimmen. „Ich musste ihm ein bisschen vorsagen, dann hat es schon geklappt“, erzählte Schweinsteiger.

Ribéry selbst freute sich über die Jubel-Lektion vor der Fankurve. „Es war mir wichtig, dass Bastian das gemacht hat und dem Publikum gezeigt hat, dass ich voll integriert bin“, sagte er. Und auch der Grund für den vertauschten Torjubel liegt im Zusammenhalt der Mannschaft. Ribéry erklärte: „Da habe ich mich über die Freundschaft mit Luca Toni gefreut.“

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