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3. Doppelpack in 6 Tagen

Tore sind Luca Tonis Lebenselixier

Luca Toni wirkte ein wenig nervös. Ein Dutzend Augenpaare waren nur auf ihn und speziell auf seine Füße gerichtet. Jeder seiner Schritte wurde intensiv beobachtet, denn erstmals bewegte sich der Italiener öffentlich und im Fokus der Kameras im funkelnagelneuen Modell seines Fußballschuh-Ausrüsters. Nach ein paar lockeren Auf und Abs vermischt mit leichten Richtungswechseln war das erste Testtragen beendet.

Gut zwei Stunden später stand Toni erneut im Mittelpunkt. Diesmal saß er sichtlich entspannt und mit dem so typischen Luca-Toni-Lächeln im bestens gefüllten Presserondell des FC Bayern. Und natürlich gab es auch Fragen zu seinem neuen Arbeitsmaterial. Ob er denn auch ein bisschen abergläubig sei und nicht ein schlechtes Gefühl hätte, gerade jetzt seine Kickstiefel auszutauschen?

Neue oder alte Schuhe?

Mit den alten hat Toni nämlich innerhalb der letzten sechs Tage in drei Spielen (Getafe, Dortmund, Frankfurt) jeweils einen Doppelpack geschnürt. „Ja, ich bin abergläubig. Deswegen teste ich die Schuhe morgen noch mal und werde danach entscheiden, ob ich sie am Samstag anziehe“, sagte der 30-Jährige.

Am Samstag findet in Berlin das DFB-Pokalfinale gegen Borussia Dortmund statt. Dann möchte der Weltmeister von 2006 seinen ersten Klub-Titel erringen. Jeder, der selbst mal Fußball gespielt hat, weiß, dass man vor solch wichtigen Spielen nach Möglichkeit nichts an den eingespielten Gewohnheiten ändern möchte. Alles soll so bleiben, wie es zuletzt war. So denkt wohl derzeit auch Toni.

Toni wandelt auf Müllers Spuren

Wahrscheinlich wäre es in seiner derzeitigen Verfassung aber ganz egal, was für Treter er tragen würde, ob neue oder alte. Vielleicht würde er auch barfüßig das machen, was er wie kaum ein anderer Fußballer beherrscht: Tore schießen. „Was seine Torjägerqualitäten angeht ist er einer der Besten, die je hier beim FC Bayern gespielt haben“, sagte Oliver Kahn am Donnerstag.

33 Tore in 40 Pflichtspielen - so lautet die beeindruckende Bilanz des Stürmers, der im letzten Sommer vom AC Florenz an die Säbener Straße wechselte und gleich im ersten Jahr auf den Spuren des legendären Gerd Müllers wandelt. Sowohl in der Bundesliga (20) als auch im UEFA-Cup (10) ist er Führender der Torjägerliste und damit maßgeblich am Erfolg der Mannschaft beteiligt. Am Mittwoch in Frankfurt erzielte er die Sieg bringenden Treffer zum 2:1 und 3:1.

Torjäger und Anführer

„Er ist ein Knipser, ein Torjäger, wie es in dieser Art nur ganz wenige gibt. Er ist ein absoluter Strafraumspieler, steht immer richtig und braucht nur wenige Chancen. Seine Torjägerqualitäten sind überragend“, sagte Kahn, der aber nicht nur den unglaublichen Killerinstinkt seines Mitspielers hervorhob. „Er ist als Weltmeister total von sich selbst überzeugt und hat eine große Überzeugungskraft. Auch in den Momenten, in denen es nicht optimal läuft, ist er da, da hört man ihn. Er hat in Getafe die Mannschaft immer wieder angepeitscht und dann die Tore gemacht.“

Hervorhebenswert ist aber auch die Effizienz in Tonis Spiel. „Er geht die Wege, die er gehen muss, die wichtig sind. Er wirkt körperlich immer fit und muss nicht geschont werden“, sagte Kahn. In der Tat ist Toni einer der wenigen Spieler im Bayern-Kader, die in all den vielen englischen Wochen von der Rotation nahezu ausgeschlossen waren.

Toni gönnt sich keine Pause

„Er will Tore machen, dafür ist er bei Bayern und dafür lebt er. Auch wenn er müde ist, legt er noch mal einen Sprint hin, wenn er ein Tor machen kann und ist dann eiskalt. Es ist schon unglaublich, welch eine Mentalität er hat“, schwärmte Trainer Ottmar Hitzfeld nach Tonis Doppelpack in Frankfurt. In der Halbzeitpause hatte der Bayern-Coach Toni auswechseln wollen, um ihn fürs Pokalfinale zu schonen, doch dieser hatte darauf bestanden, weiterzuspielen. „Wer so heiß ist, der macht auch Tore“, sagte Manager Uli Hoeneß.

Toni gab zu, dass er vor der Saison nicht damit gerechnet habe, persönlich aber auch mit der Mannschaft gleich so erfolgreich durchzustarten. „Ich bin glücklich damit, aber jetzt kommen erst die wichtigen Spiele, in denen die Tore doppelt zählen“, sagte der Goalgetter vor der Rückkehr in die Stadt, in der er vor zwei Jahren mit Italien Weltmeister wurde. „Berlin hat mit Glück gebracht“, sagte Toni. Seine Schuhwahl wird er trotzdem sicherlich sehr gut überdenken.

Für fcbayern.de berichtet: Dirk Hauser

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