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Rummenigge:

'Wir spielen eine phantastische Saison'

Der DFB-Pokal-Sieg ist perfekt, die Meisterschaft ist dem FC Bayern kaum mehr zu nehmen - Zeit für ein Zwischenfazit von Karl-Heinz Rummenigge. Mit fcbayern.de sprach der Vorstandsvorsitzende des deutschen Rekordmeisters ausführlich über das Jahr eins nach dem großen Umbruch im letzten Sommer. Der ehemalige Weltklasse-Stürmer äußerte sich aber auch über Bayerns aktuellen Toptorjäger Luca Toni, über Kapitän Oliver Kahn und er wirft einen Blick voraus auf das UEFA-Cup-Halbfinale gegen Zenit St. Petersburg.

Das Interview mit Karl-Heinz Rummenigge:

fcbayern.de: Herr Rummenigge, der erste Titel ist im Sack. Nach dem Pokalsieg haben Sie von einer „großen Mannschaft“ gesprochen. Wie groß ist sie denn schon?
Rummenigge: „Mit dem DFB-Pokal haben wir den ersten Titel gewonnen, die Meisterschaft steht vor der Tür und wir sind im Halbfinale des UEFA-Cups - damit hat die Mannschaft ihre Ziele ohne Frage absolut erreicht. Es ist eine große Leistung, die Ottmar Hitzfeld mit dieser Mannschaft vollbracht hat.“

fcbayern.de: Kann man sagen: Je erfolgreicher Ottmar Hitzfeld beim FC Bayern aufhört, desto schwieriger wird der Start für Jürgen Klinsmann?
Rummenigge: „Überhaupt nicht, das eine trenne ich rigoros vom anderen. Mit Ottmar haben wir jetzt eine wunderbare Zeit. Vor einem Jahr gab es ja schon die eine oder andere Schlagzeile: 'Ist Ottmar Hitzfeld noch der richtige Trainer für Bayern?' Das hat uns nicht gefallen. Ottmar hat bewiesen, dass er der richtige Trainer für Bayern in dieser Saison ist. Ich bin der Erste, der Ottmar am Samstag zum Pokalsieg gratuliert hat, ich werde auch der Erste sein, der ihm hoffentlich demnächst zur Meisterschaft gratulieren wird, und ich werde ihm beide Daumen drücken für den UEFA-Cup. Wir sind alle froh, dass Ottmar beim FC Bayern durch das große Tor rausgeht. Nächste Saison kommt dann Jürgen Klinsmann - das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.“

fcbayern.de: Befreit der erste Titel die Mannschaft ein bisschen vom Erfolgsdruck?
Rummenigge: „Der ehrlichste Titel ist die Deutsche Meisterschaft. In UEFA-Cup und DFB-Pokal liegen Glück und Pech nah beinander, das haben wir in den letzten Wochen gesehen. Man darf nicht vergessen, dass wir speziell in Getafe großes Glück hatten, dass wir das UEFA-Cup-Halbfinale erreicht haben. Auch am Samstag im Pokalfinale hatten wir, obwohl wir die bessere Mannschaft waren, das notwendige Quäntchen Glück. In der Meisterschaft setzt sich bei 34 Spielen immer das beste Team durch. Wenn man vom ersten bis zum letzten Spieltag immer Tabellenführer ist, gibt es keinen verdienteren Meister als Bayern München.“

fcbayern.de: Das Glück kam in den letzten Spielen meist in Gestalt von Luca Toni. Da Sie selbst Italienisch sprechen, haben Sie einen besonders engen Kontakt zu ihm. Wie sehr ist er denn inzwischen schon ein Bayer?
Rummenigge: „Luca hat sehr schnell verinnerlicht, dass Bayern München ein besonderer Klub ist. In Italien hat er ja nicht bei den Topklubs wie Inter, AC Milan oder Juventus gespielt. Er ist total glücklich hier beim FC Bayern, er hat Spaß und - das habe ich in den letzten Wochen festgestellt - jetzt fängt er auch langsam an, Deutsch zu sprechen. Mit den Toren kommt also auch eine gewisse Annäherung an die deutsche Sprache.“

fcbayern.de: Wie schwer wiegt Luca Tonis Fehlen am Donnerstag im UEFA-Cup-Halbfinale gegen Zenit St. Petersburg?
Rummenigge: „Es ist schade, dass er nicht spielen kann, weil er einen Lauf hatte. Doch damit müssen wir fertig werden. Dieselbe Situation hatten wir im DFB-Pokalhalbfinale gegen Wolfsburg. Da war Luca auch gelb-gesperrt, trotzdem haben wir 2:0 gewonnen. Ich hoffe, dass die Mannschaft gegen St. Petersburg eine ähnlich gute Leistung abruft.“

fcbayern.de: Sind Sie froh, dass St. Petersburg in Leverkusen gezeigt hat, was diese Mannschaft zu leisten imstande ist?
Rummenigge: „St. Petersburg ist kein Verein, der in Europa sehr bekannt ist. Gerade in Leverkusen hat man aber gesehen, dass das eine klasse Mannschaft ist, die es versteht, wunderbar zu kontern und sehr schnell nach vorne zu spielen. Wir wissen, was uns da erwartet, das wird kein Selbstläufer. Wir werden beide Spiele hochkonzentriert spielen müssen. Möglicherweise ist das Hinspiel am Donnerstag hier in München sogar das wichtigere Spiel, damit wir mit einem guten Ergebnis nach St. Petersburg reisen. Es wäre schön, zu gewinnen, wunderschön wäre es, zu Null zu gewinnen.“

fcbayern.de: Fürchten Sie, dass sich die Bayern-Profis nach der ersten Siegesfeier schwer tun, sich jetzt wieder auf die Wettkampfsituation einzustellen?
Rummenigge: „Den Eindruck habe ich nicht. Das Einzige, das mir etwas Sorgen macht, ist der Fakt, dass wir seit drei Monaten kontinuierlich nur noch englische Woche haben. Auch am Samstag war speziell in der zweiten Halbzeit festzustellen, dass die Beine manchmal etwas schwerer werden. Das ist auch völlig normal, wir hatten ja 17 Spiele mehr auf dem Buckel als Borussia Dortmund. Auf der anderen Seite gibt der Erfolg der Mannschaft Moral. Die Mannschaft ist heiß auf drei Titel, das merkt man. Aber selbst wenn wir nicht ins UEFA-Cup-Finale einziehen, spielen wir schon jetzt eine tolle, erfolgreiche, phantastische Saison.“

fcbayern.de: Würde der FC Bayern mit einem Sieg im UEFA-Cup eine großartige Saison daraus machen?
Rummenigge: „Seit 2001 haben wir leider international keine so großen Erfolge mehr gefeiert. Es wäre schön, wenn wir jetzt das Finale erreichen und den UEFA-Cup vielleicht sogar gewinnen würden. Dadurch würden wir sicherlich international an Standing gewinnen. Wir werden versuchen, das zu schaffen, aber das wird nicht so einfach.“

fcbayern.de: Sie treffen regelmäßig Kollegen anderer europäischer Topklubs. Haben Sie festgestellt, dass der FC Bayern im Laufe dieser Saison international wieder mehr an Beachtung gewonnen hat?
Rummenigge: „Im letzten Jahr waren alle negativ überrascht, in diesem Jahr hat unsere Politik speziell mit den neu verpflichteten Spitzenspielern natürlich Aufmerksamkeit hervorgerufen. Wir können jetzt wieder mit etwas breiterer Brust durch die Tür gehen, aber das ist eine Momentaufnahme. Man weiß nie, wie es im nächsten oder übernächsten Jahr sein wird.“

fcbayern.de: Letzten Sommer haben Sie nicht nur sehr viel Geld in die neue Mannschaft investiert, sondern auch viel Arbeit. Freuen Sie sich jetzt, dass sich diese vielen Reisen und Verhandlungen gelohnt haben?
Rummenigge: „Im Nachhinein muss ich sagen, das war fast meine interessanteste Zeit beim FC Bayern. Es waren zum Teil schwierige und langwierige Verhandlung, wir haben tagtäglich an einem Masterplan gearbeitet. Als wir ihn dann stehen hatten, waren wir alle überzeugt, eine Mannschaft aufgebaut zu haben, die attraktiven und erfolgreichen Fußball spielen kann. Das hat sie diese Saison bewiesen."

fcbayern.de: Oliver Kahn hat sich in seinem letzten Profijahr noch einmal zu einer tadellosen Saison aufgerafft. Wie sehr wird er der Mannschaft nächstes Jahr gerade als Typ fehlen?
Rummenigge: „Oliver ist eine große Persönlichkeit, er verkörpert das sogenannte 'Bayern-Gen' perfekt. Ich kann mich noch sehr gut an das Meisterschaftsfinale 2001 erinnern, als wir in der 90. Minute das Gegentor durch Barbarez kassiert haben und Sammy Kuffour wie tot auf dem Rasen lag. Oliver hat sich ihn geschnappt, ihn gerüttelt und nach vorne gejagt - das sind die Spieler, die eine Mannschaft in den schwierigen Momenten braucht. Wir werden sicherlich nicht nur den Torhüter, sondern auch die Persönlichkeit Oliver Kahn vermissen. Irgendwie werden wir das aber kompensieren. Andere Spieler müssen in seine Fußstapfen treten.“

fcbayern.de: Kann Luca Toni, der laut Oliver Kahn auch schon dieses Bayern-Gen besitzt, diese Rolle übernehmen, auch wenn er des Deutschen noch nicht so mächtig ist?
Rummenigge: „Ich würde auch Franck Ribéry nicht vergessen. Nicht nur auf dem Platz, sondern auch in der Kabine sind die beiden prägende Persönlichkeiten, auch für die gute Stimmung innerhalb der Mannschaft. Aber auch ein Mark van Bommel ist in der Hierarchie sehr weit oben. Trotzdem wird es nicht einfach, die Persönlichkeit Oliver Kahn zu ersetzen.“

Das Interview führten: Dirk Hauser und Nikolaus Heindl

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