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Start-Ziel-Meister

Bayern feiern ihren 'goldenen Punkt'

Die Mannschaft tanzte, das Weißbier spritzte und Bastian Schweinsteiger wurde noch auf dem Rasen der Wolfsburger VW-Arena „verkauft“. Zumindest drohte dies Karl-Heinz Rummenigge dem 23-Jährigen an, nachdem dieser den Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern während eines TV-Interviews mit Bier übergossen hatte. „Uli Hoeneß hat mir zugezwinkert: Komm, mach das! Deswegen habe ich mich das getraut“, erzählte der „Übeltäter“, der sich allerdings nicht einmal als „schlimmster“ Weißbier-Duscher in Reihen des FC Bayern entpuppte.

Diesen Titel sicherte sich Luca Toni. Der Italiener verschonte nach der ersten Meisterschaft seiner Karriere weder Ottmar Hitzfeld noch einen seiner Mitspieler mit einer Brause aus zapffrischem Gerstensaft. Am Ende streifte er sich sogar die Spielführerbinde über den Oberarm und grüßte den verletzten und in München gebliebenen Bayern-Kapitän Oliver Kahn auf Deutsch über das Fernsehen: „Ciao Olli, ich bin der Capitan!“ An diesem Nachmittag machte die überschäumende Freude des FC Bayern vor niemandem halt.

Komplimente an die Mannschaft

Selten zuvor hat ein 0:0 so viel Jubel beim FC Bayern ausgelöst. Es war ja auch ein besonderes Remis - denn der eine Punktgewinn reichte den Münchnern, um schon drei Spieltage vor Schluss die 21. Deutsche Meisterschaft und den siebten Double-Gewinn der Vereinsgeschichte perfekt zu machen. „Das war ein goldener Punkt“, freute sich Rummenigge, der der Mannschaft „eine Super-Saison“ bescheinigte. „Sie hat Großartiges geleistet, wir sind hochzufrieden.“

Dass die Bayern in den 90 Minuten davor nicht meisterlich gespielt hatten, war schon vor dem Schlusspfiff Nebensache. „Es war doch klar, dass wir hier nur auf einen Punkt gespielt haben“, sagte Uli Hoeneß. Auch Hitzfeld fand die Leistung seiner ersatzgeschwächten Mannschaft nur drei Tage nach dem enttäuschenden Halbfinal-Aus im UEFA-Cup „ganz normal. Trotzdem holt man den wichtigen Punkt zur Deutschen Meisterschaft - da muss man der Mannschaft ein großes Kompliment für die starke Willensleistung machen.“

Hoeneß wunschlos glücklich

Mark van Bommel sprach seinen Teamkollegen ebenfalls ein „Kompliment“ aus, „wie wir heute ohne fünf, sechs, sieben Spieler gespielt haben.“ Die Leistung in Wolfsburg sei zwar „nicht gut“ gewesen, aber: „Es war egal, wie wir Deutscher Meister werden.“ Über die gesamte Saison sei der Titel verdient, betonte der Holländer nach seiner ersten Meisterschaft mit dem FC Bayern. „Wir hatten nur eine kurze Phase vor dem Winter, in der wir nicht so gut gespielt haben, ansonsten war es überragend.“

Auch Hoeneß war „hochzufrieden“ mit dem zurückliegenden Fußballjahr. „Dieser Titel ist das Ergebnis einer sehr dominanten Saison“, sagte der 56-Jährige, der als Manager mit dem FC Bayern zum 16. Mal Deutscher Meister sowie zum neunten Mal DFB-Pokalsieger geworden ist. „Mehr als das Double kann man sich vor der Saison nicht wünschen, noch dazu waren wir im UEFA-Pokal-Halbfinale.“

Immer vorneweg

Hoeneß machte keinen Hehl daraus, dass diese Meisterschaft „einen besonderen Stellenwert“ für ihn besitzt. „Weil wir vom ersten Spieltag an Tabellenführer waren“, erklärte er, „wir sind von der Liga gejagt worden und haben es souverän durchgezogen.“ Zum vierten Mal nach 1968/69, 1972/73 und 1984/85 schafften die Bayern in dieser Saison den Start-Ziel-Sieg, kein anderer Bundesligist hat dies bisher auch nur einmal geschafft.

Besonders ist der Double-Gewinn 2008 aber auch deswegen, weil der FC Bayern damit einen in seiner Geschichte noch nie dagewesenen personellen Umbruch äußerst erfolgreich abschließt. „Wir mussten tabula rasa machen“, erinnerte Rummenigge an die enttäuschende Saison 2006/07. Nachdem sich der Rekordmeister nun national mehr als rehabilitiert hat, freut sich der Verein in der kommenden Spielzeit auf die Rückkehr in die „Königsklasse“. Hoeneß sagte: „Im nächsten Jahr ist die Champions League wichtiger als alles andere.“

Große Meisterparty am 17. Mai

Zunächst steht in München aber erst einmal feiern auf dem Programm. „Heute Abend lassen wir es krachen, das hat die Mannschaft sich verdient“, kündigte Rummenigge in Wolfsburg an. Auf dem Rasen, in der Kabine, im Mannschaftsbus und natürlich im Flieger ließen die Spieler diesen Worten erste Taten folgen. Es sei „ganz schön was los gewesen mit Kissenschlacht und so weiter“, berichtete Uli Hoeneß kurz vor Mitternacht nach der Ankunft in München.

Weitergefeiert wurde in München dann bis spät in die Nacht im Feinschmecker-Lokal „Käfer“, wo auch die verletzten Spieler zur Mannschaft stießen. Ein Duplikat der Meisterschale wanderte von Tisch zu Tisch, das Original werden die Bayern erst nach dem letzten Spieltag am 17. Mai entgegennehmen. Dann steigt auch die Meisterparty mit den Fans auf dem Münchner Marienplatz. Hoeneß kündigte bereits „ein großes Fest“ an.

Nur Hoeneß blieb trocken

Der FCB-Manager hatte Wolfsburg übrigens als Einziger trockenen Fußes verlassen. Wegen einer Erkältung verschonten ihn die Spieler mit Weißbierduschen. Ansonsten wurde jeder nass gemacht, auch Vorstandschef Rummenigge. „Die Jungs sind so unter Druck das ganze Jahr, da ist es doch ganz normal, dass sie irgendwann ausflippen, wenn sie alles erreicht haben“, meinte Hoeneß, „wir haben jetzt mit dem Ligapokal zweieinhalb Titel, jetzt fällt alles von ihnen ab.“

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