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Schlaudraff sagt Servus

'Es war nicht so negativ, wie manche denken'

Es war fast wie vor einem Jahr: 2.000 Fans beim Training des FC Bayern, kreischende Teenager, heißes Sommerwetter und mittendrin Jan Schlaudraff. Einziger Unterschied: Hatte der ehemalige Aachener im Sommer letzten Jahres mit großen Augen die Welt des FC Bayern entdeckt und sich auf einer Pressekonferenz erstmals den Münchner Journalisten vorgestellt, ist die Säbener Straße inzwischen Alltag für den 24-Jährigen, am Donnerstag erschien er dort zum letzten Mal vor der Presse.

„Es ist nicht so gelaufen, wie ich es mir gewünscht habe“, zog Schlaudraff Bilanz nach einem Jahr beim deutschen Rekordmeister, in dem er nie über die Rolle des Reservisten hinauskam. Zur neuen Saison wechselt der Stürmer zu Hannover 96, um einen Neuanfang zu versuchen. „Es ist für beide Seiten der bessere Schritt, etwas Neues zu machen“, schätzte er die Situation realistisch ein.

14 Spiele, 13 Mal eingewechselt

Schlaudraff geht also, doch er geht nicht im Groll. „Es war ein schwieriges Jahr, aber nicht so negativ wie manche denken“, betonte der 24-Jährige. Von Anfang an habe seine Zeit beim FC Bayern unter keinem guten Stern gestanden, erinnerte er an seine schwierigen ersten Monate. Nach einer Bandscheiben-Operation konnte er im Grunde erst in der Winterpause voll angreifen, zu allem Überfluss wurden seine Möbel nicht geliefert und er musste noch einmal umziehen.

14 Einsätze (8 in der Bundesliga, 6 im UEFA-Cup) stehen für ihn jetzt zu Buche, 13 Mal wurde er dabei eingewechselt. Nur einmal, am vergangenen Samstag in Duisburg, stand er in der ersten Elf des FC Bayern. Kein einziges Mal konnte er sich zudem in einem Pflichtspiel in die Torschützenliste eintragen, nur in Freundschaftsspielen blitzten seine Torjägerqualitäten auf. Fünf Testspiele, zehn Tore lautet hier seine Bilanz, allein am Mittwoch in Darmstadt traf er sieben Mal.

Große Konkurrenz

„Meine Freundschaftsspielbilanz ist sensationell, ansonsten fällt die Bilanz eher mau aus“, sagte Schlaudraff. Warum sich die „Schlange“, wie er von seinen Mannschaftskameraden gerufen wird, nicht durchsetzen konnte? „Die Gründe sind doch nahe liegend: Luca Toni, Miroslav Klose, Lukas Podolski. Man kann nicht auch noch einen vierten Stürmer forcieren“, erklärte Ottmar Hitzfeld.

Erst war er verletzt, dann war die Konkurrenz zu groß - auf diese Formel lässt sich das Bayern-Jahr von Jan Schlaudraff bringen. Selbst über das Double kann er sich nicht richtig freuen. „Als ich mit Aachen aufgestiegen bin, konnte ich ausgelassener feiern, weil ich wusste, dass ich meinen Teil dazu beigetragen hatte“, gab er zu.

Neuanfang in Hannover

Trotzdem genieße er jetzt die letzten Tage in München, berichtete Schlaudraff. Auch weil er voller Zuversicht nach vorne blicken kann. In Hannover will er in der neuen Saison wieder angreifen. „So viele Spiele wie möglich“ wolle er machen und sich mit dem Verein „im Mittelfeld der Tabelle etablieren“, sagte er. „Ich glaube, dass in Hannover etwas Gutes entstehen kann.“

Schlaudraff will seinen Teil zum erhofften Erfolg beitragen. „Ich glaube nicht, dass man sich in einem Jahr Bayern verschlechtert“, ist er überzeugt, dass ihm das Jahr in München nicht geschadet hat. Er will vom FC Bayern sogar etwas mitbringen zu seinem neuen Klub: das nötige Quäntchen Glück, wie zum Beispiel in Getafe. „Wenn ich ein bisschen was von dem Dusel mitnehmen könnte, wäre das ein Traum“, meinte er. Auch was das Einleben in Hannover betrifft, ist diesmal nicht mit Schwierigkeiten zu rechnen. „Die Möbel habe ich schon und werde sie mitbringen“, erzählte er. Ganz anders also als vor einem Jahr.

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