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Goodbye Henke

'Es war noch einmal eine super Zeit'

Auch im Salt Lake Stadium von Kolkata saß Michael Henke dort, wo er immer saß: zwischen Ottmar Hitzfeld und Uli Hoeneß. Unzählige Male war er in siebeneinhalb Jahren beim Rekordmeister erregt von seinem Platz aufgesprungen, hatte geschimpft, seine Sitznachbarn geherzt und Anweisungen gegeben. Auch während des Spiels der Bayern gegen Mohun Bagan (3:0) am Dienstag in Kolkata wurde er noch einmal emotional, als Breno kurz vor Schluss mit Rot vom Platz musste. Der 3:0-Sieg des FCB wird dem 51-Jährigen aber aus seinem anderen Grund in Erinnerung bleiben. 7.200 Kilometer von der Heimat entfernt war es seine letzte Partie beim FC Bayern.

„120.000 Zuschauer, das habe ich auch noch nicht erlebt“, fand Henke im Gespräch mit fcbayern.de, dass es kaum einen besseren Ort für seinen Abschied hätte geben können. In einem außergewöhnlichen Stadion endet seine außergewöhnliche Zeit beim FC Bayern. Am Gewinn der Champions League und des Weltpokals, an fünf Meisterschaften und vier DFB-Pokalsiegen hat er in zwei Amtszeiten in München (1998-2004, 02/2007-06/2008) als Co-Trainer von Ottmar Hitzfeld entscheidend mitgewirkt.

Herzensangelegenheit FCB

Nun verlässt Henke wie auch Hitzfeld den Rekordmeister. Nur ein bisschen Wehmut komme jetzt auf, erzählte Henke. „Wir wissen ja schon seit längerem, dass es zu Ende geht, und konnten uns darauf vorbereiten.“ Größer als der Trennungsschmerz sei die Dankbarkeit für die zweite Amtszeit. „Ich bin froh, dass ich noch einmal anderthalb schöne Jahre beim FC Bayern haben durfte. Es ist nicht selbstverständlich, zweimal bei einem Verein zu sein“, meinte er, „es war noch einmal eine super Zeit.“

Es war auch eine anstrengende Zeit. Im Februar 2007 kehrte Henke an Hitzfelds Seite zum Rekordmeister zurück. Als damals Hitzfelds Anruf kam, musste er nicht lange überlegen. „Der FC Bayern ist natürlich mit Abstand die beste Trainerstation in Deutschland, aber für mich ist es auch eine Herzensangelegenheit, für den FC Bayern zu arbeiten“, erzählte er.

Krönender Abschluss

Nach der enttäuschenden Saison 2006/07 baute das erfahrende Trainerduo eine neue Mannschaft auf, führte sie zum Double und hat damit seine Mission mehr als erfüllt. „Nach der Enttäuschung des letzten Jahres und den Investitionen des Klubs war der Erfolgsdruck noch größer“, erzählte Henke, „wir wussten, dass wir tolle Spieler mit hoher Qualität bekommen, aber ob man die so schnell integrieren kann, dass man auch Erfolg hat, war nicht klar.“ Die Titel am Ende seien eine große Erleichterung gewesen.

Der krönende Abschluss der Saison war für Henke der Trip nach Asien. „Ich habe mich riesig auf diese Reise gefreut“, erzählte er, „es war ein wunderbares Erlebnis.“ Mit Mannschaft und Verantwortlichen genoss er in Jakarta, Bali und Kolkata noch einmal eine intensive Zeit. „Bayern München ist mittlerweile mein Verein, ich bin Fan des Vereins und seines ganzen Umfelds geworden“, sagte er.

Hitzfelds rechte Hand

Abschied nehmen konnte Henke in Asien besonders auch von Hitzfeld, dessen rechte Hand er insgesamt fast 14 Jahre war. „Michael ist ein Freund geworden“, sagte Hitzfeld, der Henke 1991 in Dortmund als Co-Trainer von seinem Vorgänger übernahm und später mit nach München brachte. „Er war ein Glücksfall für mich. Ich bin ihm sehr dankbar“, betonte Hitzfeld, der seinen Assistenten als „zuverlässig, loyal und fachlich topinformiert“ schätzt.

Henke auf der anderen Seite fühlte sich von seinem Chef stets akzeptiert. „Ich konnte meine eigenen Ideen problemlos einbringen, es herrschte ein blindes Verständnis zwischen uns und ein angenehmes Arbeitsklima, es ist einfach Sympathie da“, meinte er. In Zukunft werden sich die Wege der beiden aber trennen.

Jobsuche im In- und Ausland

Während Hitzfeld als Nationaltrainer in die Schweiz geht, ist Henke noch auf Jobsuche. „Ich habe ein paar breit gefächerte Optionen im In- und Ausland: vom Cheftrainer über den Manager bis zum Co-Trainer. Im Moment ist aber noch nichts enger verhandelt worden“, erzählte er. Hitzfeld hofft auf ein besonderes Wiedersehen: „Vielleicht wird er ja Nationalcoach eines anderen Landes, dann kämpfen wir gegeneinander.“

Für fcbayern.de berichtet: Nikolaus Heindl

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