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'Ottmar, du bis fast perfekt'

Hitzfeld feiert glanzvollen Abschied

Als die Meisterschaft unter Dach und Fach war, ging Ottmar Hitzfeld seinen Spielern in die Falle. Michael Rensing lenkte den FCB-Cheftrainer ab und Mark van Bommel sowie Andreas Ottl gossen zwei volle Gläser Weißbier über den 59-Jährigen. Hitzfeld ergriff mit zwei schnellen Schritten die Flucht, dann wischte er sich das schäumende Bier aus den Haaren und lachte. Die Weißbier-Dusche nach seiner siebten und letzten Deutschen Meisterschaft, dem insgesamt 25. Titel seiner Trainerkarriere genoss er in vollen Zügen.

„Es sind besondere Gefühle. Da habe ich es auch in Kauf genommen, geduscht zu werden“, sagte er später, gekleidet in das trockene Sakko von FCB-Mediendirektor Markus Hörwick, im Fernseh-Interview. Zum 250. Mal hatte er in Wolfsburg als Bayern-Trainer auf der Bank gesessen und zum fünften Mal mit dem FCB die Meisterschaft gewonnen. Zwei Wochen zuvor hatte er bereits den dritten DFB-Pokalsieg mit den Münchnern perfekt gemacht.

'Eine besondere Saison'

„Es war eine besondere Saison, weil die Erwartungshaltung riesig war“, war Hitzfeld stolz auf seinen letzten Titel mit dem FC Bayern. Nach der Saison beendet er nach siebeneinhalb Jahren seine Tätigkeit beim deutschen Rekordmeister und wechselt als Nationaltrainer in die Schweiz. „Wenn er es schafft, sich für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren, ist das mit einer Meisterschaft gleichzusetzen“, sagte ihm Franz Beckenbauer.

Bevor er in seine Wahlheimat zurückkehrt, kann Hitzfeld aber erst noch einmal mit dem FC Bayern feiern. Das letzte Jahr war eines seiner wichtigsten in München. Mit zwei Titeln hat er den Neuaufbau nach einer enttäuschenden Saison 2006/07 zu einem glanzvollen Ende geführt. „Man hat große Investitionen getätigt, der Druck war enorm hoch“, sagte er, „wir hatten viele neue Spieler, auch Spieler, die nicht deutsch sprechen. Da weiß man nie, wie es läuft, wie es die Mannschaft verkraftet, wenn es Rückschläge gibt. Wenn man dann Deutscher Meister wird, ist das schon eine Genugtuung. Ich freue mich für den ganzen Verein, dass man es geschafft hat, wieder die Nummer eins in Deutschland zu sein.“

Fachlich und menschlich top

Sein Nachfolger Jürgen Klinsmann erhalte „ein intaktes Team“, meinte Hitzfeld. „Ich freue mich, dass ich Jürgen eine super Mannschaft übergeben kann, mit der man auch in der nächsten Saison wieder ganz oben mitspielen wird“, sagte er und gab Klinsmann noch mit auf den Weg: „Bei Bayern zählen nur Titel.“

Davon hat der 59-Jährige beim FC Bayern insgesamt 13 gefeiert, Höhepunkt war der Gewinn der Champions League 2001. Doch nicht nur wegen seiner großen Erfolge wird Hitzfeld von Fans, Mannschaft und Verantwortlichen geschätzt. „Über das Fachliche brauchen wir uns nicht zu unterhalten, da ist er top“, sagte Beckenbauer, „auch von der Menschlichkeit her ist er nicht zu schlagen. Er beleidigt keinen Spieler, versucht, den Spieler wieder aufzubauen, wenn er am Boden liegt.“ Der FCB-Präsident rief Hitzfeld zu: „Ottmar, du bis fast perfekt.“

Das i-Tüpfelchen zum Schluss

Mit zwei Titeln hat sich der „General“ selbst einen perfekten Abschied beim FC Bayern bereitet. In den verbleibenden drei Bundesligaspielen kann er dem ganzen nun noch das i-Tüpfelchen aufsetzen: 497:218 Tore stehen für ihn als Bayern-Trainer zu Buche, den 500. Treffer dürfte ihm die Mannschaft zum Abschluss auch noch schenken - gefolgt von der einen oder anderen Weißbierdusche am letzten Spieltag.

Hitzfelds Trainerbilanz:

  • Weltpokalsieger 2001
  • Champions-League-Sieger 1997 (mit Dortmund), 2001
  • Deutscher Meister 1995, 1996 (beide mit Dortmund), 1999, 2000, 2001, 2003, 2008
  • DFB-Pokalsieger 2000, 2003, 2008
  • Ligapokalsieger 1998, 1999, 2000, 2007
  • DFB-Supercupsieger 1995, 1996 (beide mit Dortmund)
  • Schweizer Meister 1990, 1991 (beide mit Grasshopper Zürich)
  • Schweizer Pokalsieger 1985 (mit FC Aarau), 1989, 1990 (beide mit Grasshopper Zürich)
  • Schweizer Supercupsieger 1989 (mit Grasshopper Zürich)

Hitzfelds Bilanz als Bayern-Traienr:
250 Spiele: 155 Siege, 53 Unentschieden, 42 Niederlagen

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