präsentiert von
Menü
Dreher sagt Servus

'Ich war dabei und das war schön'

Zum Abschluss stand Bernd Dreher noch einmal da, wo er sich nicht wohl fühlt: im Mittelpunkt. „Einen haben wir noch vergessen“, sagte Bastian Schweinsteiger auf dem Rathausbalkon ins Mikrofon und meinte damit Dreher. Mit der Meisterschale in der Hand musste der 41-Jährige nach vorne treten und wurde von den mehr als 30.000 Fans auf dem Marienplatz gefeiert. „Ich fand das sehr nett, was die Jungs da gemacht haben“, erzählt Dreher fcbayern.de auf seiner letzten Dienstreise in Jakarta. „Eigentlich stand ich die letzten Jahre auf dem Balkon immer ganz hinten an der Wand, da fühle ich mich wohler als im Rampenlicht.“

Auf der Fußballbühne hat Bernd Dreher in zwölf Jahren beim FC Bayern nie eine Hauptrolle bekleidet, er war auch nie darauf aus. Bernd Dreher war Ersatztorhüter, Torwarttrainer, Integrationsfigur und immer da, wenn er gebraucht wurde. Zu Saisonende wird er den Verein verlassen und seine aktive Karriere beenden. 13 Bundesliga- und zwei Ligapokalspiele hat er seit 1996 im Trikot des FC Bayern bestritten, seine Titelsammlung fällt deutlich umfangreicher aus.

Rekordmeister und Rekordpokalsieger

21 Titel hat Dreher mit dem FC Bayern gewonnen: acht Mal die Meisterschaft - damit ist er zusammen mit Oliver Kahn und Mehmet Scholl Rekordmeister -, sechs Mal den DFB-Pokal - er ist zusammen mit Kahn Rekordpokalsieger -, fünf Mal den Ligacup, je einmal Champions-League und Weltpokal. „Ich freue mich, dass wird die Titel geholt haben, laufe aber nicht den ganzen Tag mit den Medaillen rum“, meint Dreher dazu, dass unter dem Strich mehr Titel als Einsätze für ihn zu Buche stehen, „ich war dabei und das war schön.“

Dem ehemaligen Uerdinger Stammkeeper war bewusst, dass er in München nicht oft spielen würde, als er 1996 zum FCB wechselte. „Ich wurde klar als Nummer zwei verpflichtet, das wusste ich“, erzählt er, „damals war auch noch Sven Scheuer da, mit dem ich mich als Nummer zwei abgewechselt habe.“ Dennoch hat er Ja gesagt zum FC Bayern. „Wenn man sechs Jahre in Uerdingen gespielt hat und dann eine Chance kriegt, zu Bayern München zu wechseln, dann würde das jeder machen“, glaubt er.

Comeback 2004/05

Sein Verhältnis zu Oliver Kahn sei in all den Jahren immer „super“ gewesen, berichtet Dreher. „Nur am Anfang wusste Olli nicht genau, wie er mit mir umgehen soll. Ich habe ihm aber schnell gesagt, dass ich akzeptiere, dass er die Nummer eins ist und ich ihm helfen werde, wo ich kann.“ Es ist schon ein besonderer Charakterzug von Dreher, dass er so lange auf der Ersatzbank ausgehalten hat, sogar zurückgekommen ist er, nachdem er 2003 als 37-Jähriger seine Karriere schon einmal beendet hatte und nur noch als Torwarttrainer beim FC Bayern tätig war.

Trainer Felix Magath reinstallierte ihn ein gutes Jahr später als Ersatzkeeper. „Als im Trainingslager ein Torwart fehlte, hat er gesagt, ich soll mal die Handschuhe anziehen - und dann ist er beim mir geblieben“, erinnert sich Dreher, „natürlich war auch ein Grund, dass uns damals der zwölfte Deutsche in der Mannschaft gefehlt hat, aber so schlecht war ich auch nicht. Wenn ich eingesetzt wurde, habe ich immer gezeigt, dass ich noch mithalten kann.“

Letzte Auftritte

Sein letztes Bundesligaspiel bestritt Dreher vor einem Jahr. Am 19. Mai 2007 stand er beim 5:2-Sieg gegen Mainz im Tor, 40 Jahre, 6 Monate und 17 Tage war er damals alt und kann sich seitdem ältester eingesetzter FCB-Spieler aller Zeiten nennen. „Ich bin schon ein bisschen stolz, dass ich in diesem Alter noch einmal für Bayern München spielen durfte“, sagt er. Seinen allerletzten Auftritt im FCB-Trikot hatte er vergangenen Januar, als er beim Freundschaftsspiel in Düsseldorf eine Halbzeit lang zwischen den Pfosten stand und kurz vor Abpfiff den 3:2-Sieg mit einer Glanzparade rettet.

„Das werde ich nie vergessen, da wurde mir in der letzten Minute noch das Knie aufgerissen“, erzählt Dreher und zeigt eine Narbe am linken Knie. Es dürfte die letzte seiner Zeit in München bleiben, denn am 30. Juni endet sein Vertrag. Gerne wäre Dreher dann Nachfolger von Sepp Maier als Torwarttrainer geworden, der Verein hat sich jedoch für Walter Junghans entschieden. „Ich muss das akzeptieren und tue das auch“, meint Dreher, der jetzt auf Jobsuche ist.

Ein neuer Lebensabschnitt

„Ich weiß noch nicht, was kommt“, erzählt er. Klar ist nur, dass er Torwarttrainer sein möchte, denn Dreher ist einer, der auf dem Platz stehen muss. „Büro geht gar nicht“, sagt er mit einem Grinsen. Im In- oder Ausland hält Dreher die Augen nach einem passenden Klub offen. „Ich habe jahrelang mit Sepp Maier und Oliver Kahn trainiert, eine bessere Visitenkarte gibt es nicht“, meint er. „Schade, dass meine Zeit bei Bayern jetzt zu Ende geht. Ich hatte tolle Jahre dort. Jetzt freue ich mich aber auf einen neuen Lebensabschnitt.“

Für fcbayern.de in Jakarta: Nikolaus Heindl

Weitere Inhalte