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'Ein absoluter Wahnsinn'

München feiert märchenhafte Abschieds-Party

Am Ende eines emotionalen Tages mit einigen Tränen und wunderschönen Toren beim 4:1-Sieg im Saisonfinale gegen Hertha BSC ließ sich Uli Hoeneß noch zu einer Kampansage hinreißen. „Unser Ziel ist es, nicht nur in Deutschland die Nummer eins zu sein sondern auch in Europa weiter anzugreifen“, sagte der Manager vom Rathausbalkon am Marienplatz und versprach der jubelnden Fan-Masse: „Wir werden alles tun, um dieses Ziel irgendwann zu erreichen. Ich hoffe, sehr bald.“

Über 30.000 Fans am Marienplatz, 69.000 in der Allianz Arena und mehrere zehntausend begeisterte Anhänger entlang der Auto-Corso-Strecke von Fröttmaning zum Rathaus hatten der Double-Gewinner-Mannschaft des FC Bayern an diesem Tag zugejubelt. „Ich habe schon viel erlebt, aber so viele Fans auf dem Weg hierher und da unten habe ich in dieser Form nie erwartet und nie erlebt. Das ist unglaublich“, sagte Hoeneß.

Emotionen übermannen Hitzfeld

Im Mittelpunkt der Emotionen standen aber ganz klar zwei Mann: Die scheidenden Ottmar Hitzfeld und Oliver Kahn. „Im Moment kann ich wieder lachen und ich bin sehr glücklich, dass ich alles überstanden habe“, sagte Hitzfeld nach seinem letzten Spiel auf der Bayern-Trainerbank. Vor dem Anpfiff der Partie hatte der 59-Jährige bei seiner offiziellen Verabschiedung durch den Bayern-Vorstand hemmungslos losgeweint. „Es waren auch Tränen des Glücks nach siebeneinhalb bewegende Jahre beim FC Bayern“, sagte Hitzfeld: „Oliver und ich hatten einen märchenhaften Abschied.“

Gemeinsam mit seinem langjährigen Wegbegleiter Kahn war Hitzfeld, der die Beziehung zum FCB-Kapitän als „Schicksalsgemeinschaft“ bezeichnete, ein letztes Mal vor die Presse getreten. „Ich habe diese wahnsinnig emotionale Stimmung voll aufgesaugt, habe den Weg vom Hotel ins Stadion noch mal voll wahrgenommen“, berichtete Kahn, der in der 88. Minute unter stehenden Ovationen von den Rängen das Spielfeld verlassen hatte und das Tor seinem Nachfolger Michael Rensing überließ.

Da ist das Ding

Um 17.38 Uhr hatte der „Titan“ aus den Händen von Bayern-Legende „Katsche“ Schwarzenbecke die Meisterschale überreicht bekommen und dabei seinen schon legendären Satz ausgerufen, den seine Teamkollegen in der folgenden Jubel-Nacht immer wieder lauthals kreischten: „Da ist das Ding!“

„Das ist ein absoluter Wahnsinn“, rief der 38-Jährige später mit glänzenden Augen vom Rathausbalkon. Kahn krallte sich zum Abschluss sogar noch einen letzten Rekord: Mit 21 Gegentoren unterboten die Bayern die 20 Jahre alte Defensiv-Bestmarke des SV Werder Bremen um einen Treffer. Darüber hinaus sicherte sich Luca Toni endgültig die Torjägerkanone und baute seine Trefferquote durch den Dreierpack gegen Hertha auf 24 Tore aus - so viele wie nie zuvor ein Bayern-Stürmer in seiner ersten Saison in München.

Kein Zurück mehr für Kahn

Toni will seine überragenden Torjäger-Qualitäten in der nächsten Saison auch in der Champions League demonstrieren, Kahn hingegen zog an diesem Jubel-Tag Bilanz seiner eindrucksvollen Karriere. „Es ist immer wieder das Größte, wenn man die Schale hat. 20 Jahre Profi-Fußball - das ist Wahnsinn. Es war alles drin. Es gibt kein Zurück mehr, es ist der optimale Moment, um aufzuhören. Ich fühle nur eins: Dankbarkeit“, sagte Kahn: „Jetzt ist es echt mal an der Zeit, dem Körper und den Nerven Ruhe zu geben.“

Während Hitzfeld am 1. Juli das Amt des Schweizer Nationalcoachs übernimmt, will sich Kahn erst mal in seinem neuen Lebensabschnitt „treiben lassen“. Am 2. September wird er bei seinem Abschiedsspiel noch mal ins Bayern-Tor zurückkehren. Seine Mannschaftskollegen werden zu diesem Zeitpunkt bereits die ersten Saisonspiele hinter sich haben. „Diese Mannschaft hat Riesen-Potenzial“, ist sich Kahn sicher.

Jürgen Klinsmann, übernehmen Sie

Dieses Potenzial weiter voll ausschöpfen soll Hitzfeld-Nachfolger Jürgen Klinsmann. Dafür wird der zukünftige Bayern-Coach wohl auch noch die eine oder andere „punktuelle“ Verstärkung im ohnehin schon ausgezeichnet besetzten Kader erhalten. „Wenn wir was machen, dann nur qualitativ“, versprach Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der aber Geduld einforderte: „Man kann jetzt nicht von uns verlangen, dass wir im nächsten Jahr die Champions League so im Nebenwaschgang gewinnen.“

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