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Rummenigge im Interview

'München hätte sich bis auf die Knochen blamiert'

Bayerns Vorstands-Vorsitzende Karl-Heinz Rummenigge zu den Differenzen mit Münchens Oberbürgermeister Christian Ude.

fcbayern.de: Herr Rummenigge, vier Tage sind nach Ihrer Rede im Münchner Rathaus vergangen. Sind die Meinungsverschiedenheiten mit Oberbürgermeister Christian Ude mittlerweile ausgeräumt?
Karl-Heinz Rummenigge: „Nein, das sind sie nicht. Denn der Oberbürgermeister hat sich aus seinem Urlaub nur an die Medien gewandt und einiges gesagt, das man so nicht stehen lassen kann.“

fcbayern.de: Sie sprechen von seinen Ansichten beim Bau der Allianz Arena?
Rummenigge: „Ja. Herr Ude behauptet, die Stadt habe den Bau der Allianz Arena genehmigt und dafür auf Millionen-Einnahmen aus dem Olympiastadion verzichtet. Das ist falsch! Fakt ist: Der Bau der Arena wurde uns erst genehmigt, nachdem feststand, dass das Olympiastadion aus verschiedenen Gründen nicht umgebaut werden darf.“

fcbayern.de: Herr Ude behauptet des Weiteren, die Stadt habe dem FC Bayern 200 Millionen Euro für den Stadionbau zur Verfügung gestellt.
Rummenigge: „Auch das will und kann ich so nicht stehen lassen. Die Allianz Arena ist das einzige rein privat finanzierte Stadion in der ganzen Republik. Egal ob in Berlin, Kaiserslautern, Schalke und so weiter: Überall gab es Zuschüsse von Bund, Land oder den Städten. Die 200 Millionen, von denen Ude spricht, wurden ausschließlich in die Infrastruktur gesteckt. Und dieses Maßnahmenprojekt war schon längst beschlossen, völlig losgelöst von der Allianz Arena. Außerdem muss ich jetzt eines feststellen: Der FC Bayern hat in den vergangenen zehn Jahren insgesamt 577,2 Millionen Euro Steuern gezahlt.“

fcbayern.de: Ohne Infrastruktur und Allianz Arena hätte es aber auch nie ein WM-Spiel in München gegeben, oder?
Rummenigge: „Genau so sieht es aus. Ohne den FC Bayern und auch ohne den TSV 1860 wäre dieses Jahrhundertereignis Weltmeisterschaft an München vorbeigegangen. Es hätte kein Spiel gegeben, und – eigentlich genauso wichtig – auch das internationale Medienzentrum wäre nicht nach München vergeben worden. Über sechs Wochen berichteten 3000 Journalisten aus der bayerischen Landeshauptstadt in die Welt, sechs Wochen lang haben die hier gewohnt, gegessen und getrunken. Diese immensen Zusatzeinnahmen scheint der Oberbürgermeister ebenfalls vergessen zu haben. Stattdessen tut er so, als würde der FC Bayern die Stadt Geld kosten. Noch mal: Ohne die Allianz Arena und ohne das Drängen des FC Bayern hätte die Stadt die WM nur aus der Ferne erlebt. München hätte sich mitsamt seines Oberbürgermeisters in aller Welt bis auf die Knochen blamiert. Und das wollte Ude ja dann auch nicht.“

fcbayern.de: Ebenso wenig wie nun für den Rathausempfang seinen Urlaub unterbrechen. Wussten Sie davon, dass der Oberbürgermeister nicht vor Ort sein würde?
Rummenigge: „Als wir die Einladung bekommen und angenommen hatten nicht. Zwei Tage später haben wir es dann aus der Zeitung erfahren und waren - gelinde gesagt - sehr überrascht. Denn der FC Bayern hat diese Einladung nach all den Querelen nur aus zwei Gründen angenommen: Zum einen wegen der schönen Tradition, mit unseren Fans auf dem Marienplatz zu feiern. Und zum zweiten aus Respekt vor der Stadt München. Doch genau dieser Respekt fehlte auf der Gegenseite, denn bei einer Einladung oder einer Feier kann doch nicht der Chef fehlen. Wenn ich bei mir zuhause eine Party gebe, fahre ich auch nicht in den Urlaub.“

fcbayern.de: Glauben Sie, dass sich das Verhältnis mit dem Münchner Oberbürgermeister wieder normalisieren kann?
Rummenigge: „Wir sind jederzeit für ein Gespräch bereit und würden uns wünschen, dass wir zur Stadt ein vernünftigeres und harmonischeres Verhältnis bekommen als es in den vergangenen Jahren der Fall gewesen war. Mit dem Stadtrat haben wir keine Probleme, es geht mir allein um Herrn Ude. Er ist das Oberhaupt der Stadt, für die der FC Bayern ein unglaublicher Werbe- und Sympathieträger ist, aber er behandelt uns respektlos. Dennoch wird er bei uns immer willkommen sein. Zum Eröffnungsspiel der neuen Bundesligasaison wird er genauso eingeladen wie zu Oliver Kahns Abschiedsspiel. Aber ich bezweifle, dass er kommt. Seit der WM war der Oberbürgermeister erst einmal bei uns im Stadion - beim Pokalderby gegen 1860.“

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