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FC Bayern II

Berg- und Talfahrt in Liga drei

Zwei Tage nach dem Spiel war Hermann Gerlands Kopf immer noch rot. Die abschließende 0:1-Niederlage gegen den VfR Aalen wurmte ihn. „Wenn man so viele Spielanteile und Chancen hat wie wir, dann muss man einfach gewinnen“, sagte er fcbayern.de. Dass das Ergebnis bedeutungslos war, minderte seinen Ärger nicht. „Wenn man Fußball lehrt, dann muss man den Spielern beibringen, gewinnen zu wollen, und zwar immer“, betonte er. Doch so sehr sich Gerland auch über das letzte Saisonspiel echauffierte, mit der Saison 2007/08 kann der Trainer des FC Bayern II zufrieden sein.

Die „kleinen“ Bayern haben ihr Saisonziel erreicht. Als Tabellenachter der Regionalliga Süd schafften sie die Qualifikation für die zur nächsten Spielzeit neu eingeführte Dritte Liga, schon am vorletzten Spieltag war ihnen dies nicht mehr zu nehmen. Dabei hatte die Mannschaft mit widrigen Umständen zu kämpfen. „Alle anderen Vereine haben sich verstärkt, wir haben mit Mats Hummels einen unserer besten Spieler sogar noch abgegeben“, sagte Gerland.

Eine Berg- und Talfahrt

Dass es trotzdem mit der Dritten Liga geklappt hat, lag an einer starken Rückrunde des FCB II. In der Hinrunde waren die Münchner einmal sogar auf Rang 17 abgestürzt - Angst, das Saisonziel zu verfehlen, hatte Gerland aber nie, behauptete er. „Wir haben ja gesehen, dass die anderen spielerisch nicht besser sind als wir“, sagte der 53-Jährige. Nach zehn Jahren als Trainer der zweiten Mannschaft des Rekordmeisters weiß Gerland um die Besonderheiten der Arbeit mit einem Nachwuchsteam. „Junge Spieler sind nicht in der Lage, konstant auf einem Level zu spielen, das ist eine Berg- und Talfahrt.“

Die Folge: „Wir können jede Mannschaft schlagen, wir können aber auch gegen jede verlieren“, sagte Gerland. Das zeigte auch wieder die abgelaufene Saison, in der die „kleinen“ Bayern keine der beiden Partien gegen Meister FSV Frankfurt verloren (2:1, 2:2), aber gegen Absteiger SV Elversberg auch zweimal nicht gewannen (0:3, 1:1).

Immer torgefährlicher

Unverkennbar ist aber auch die positive Entwicklung, die die Mannschaft auch in diesem Jahr wieder durchgemacht hat - besonders im Angriff, der zunächst Ladehemmung hatte, sich in der Rückrunde aber treffsicher präsentierte. 32 Tore erzielten die FCB-Stürmer in der zweiten Saisonhälfte, das sind 50 Prozent mehr als in der Hinrunde (21). „Wir haben monatelang Torabschluss trainiert, irgendwann muss das ja fruchten“, meinte Gerland.

Besonders mit seinem Toptorjäger Daniel Sikorski war der Trainer zufrieden. „Er hat einen Riesenschritt nach vorne gemacht“, sagte Gerland über den Österreicher, der mit zwölf Saisontreffern Vierter der Torschützenliste der Regionalliga Süd wurde. Aber auch die Leistung von Sikorskis Sturmpartner Deniz Yilmaz, Torhüter Thomas Kraft sowie Matthias Schwarz, Stefano Celozzi und Holger Badstuber hob Gerland hervor. Letzterer zählte ursprünglich noch zum U19-Kader des FC Bayern, entwickelte sich jedoch zum „Leistungsträger“ beim FCB II.

Extra-Lob für Linke

Nicht zu vergessen natürlich Thomas Linke. Der 38 Jahre alte Mannschaftskapitän war in seiner letzten Saison noch einmal Vorbild auf und außerhalb des Platzes. „Er war der überragende Mann, die Mannschaft hat unglaublich von ihm profitiert“, betonte Gerland, der Linke nach wie vor für bundesligareif hält. „Mit seinen 38 Jahren kann Thomas immer noch bei 15 Vereinen in der Bundesliga spielen. Er hat bei uns 33 Spiele von der ersten bis zur letzten Minute gemacht. Das ist in seinem Alter eine unglaubliche Leistung.“

Umso größer ist der Verlust, der jetzt durch Linkes Karriereende entsteht. „Er ist nicht adäquat zu ersetzen“, weiß Gerland, den ohnehin Personalsorgen plagen. Auch Schwarz, Michael Görlitz, Michael Kokocinski und eventuell Sandro Wagner werden den Verein verlassen. Bisher stehen für die neue Saison nur Björn Kopplin, Thomas Müller, Mehmet Ekici, Dominik Rohracker und Viktor Bopp aus der eigenen U19 als Neuzugänge fest. „Ich hoffe, dass die jungen Spieler wenigsten zehn gute und zehn normale Spiele machen“, sagte Gerland.

Schwieriger Start in Liga drei

Schon jetzt weiß der Trainer, dass er wieder vor einer schwierigen ersten Saisonhälfte in der Dritten Liga steht. „Es wird wieder holprig werden“, glaubt er. In der Vorbereitung muss er auf einen Teil seiner Mannschaft verzichten. Einige Spieler werden Lücken im Profi-Kader auffüllen müssen, andere werden im Juli zur U19-Europameisterschaft reisen. Einspielen können sich die „kleinen“ Bayern daher erst im Laufe der Saison.

„Meister werden wir nicht“, sagte Gerland schon jetzt, halb im Spaß, halb ernst. Kraft für das Abenteuer in der Dritten Liga schöpft Gerland jetzt erst einmal in Ägypten. „Das wird auch Stress“, blickt er mit einem Schmunzeln der afrikanischen Hitze entgegen. Seinen roten Kopf dürfte er daher auch im Urlaub erst einmal behalten.

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