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Beobachten und schweigen

Hitzfeld nimmt die Schweiz ins Visier

Gelöst wie nie genoss Ottmar Hitzfeld Ende Mai in Asien seine letzten Diensttage beim FC Bayern, danach verabschiedete er sich in den Urlaub. Doch wenn am Samstag die Europameisterschaft beginnt, ist es auch für den 59-Jährigen wieder mit der Ruhe vorbei. Der künftige Schweizer Nationaltrainer wird ganz genau beobachten, wie die Eidgenossen, die er nach der EM übernimmt, auftreten.

„Ich kenne die Schweizer Mannschaft nicht so gut“, bekannte der bisherige Chefcoach des FC Bayern. Bei der EM wolle er deshalb die Chance nutzen, „die Spieler besser kennen zu lernen“. Hitzfeld will alle Partien der Eidgenossen, angefangen beim Eröffnungsspiel am Samstag in Basel gegen Tschechien, im Stadion verfolgen. Sagen wird der „General“ in der Öffentlichkeit aber nichts. „Ich werde keine Kommentare abgeben“, stellte er klar.

Kein Autoritätsverlust

Dass die Autorität des Noch-Amtsinhabers Jakob „Köbi“ Kuhn, der freiwillig seinen Rückzug nach der EM verkündet hatte, durch Hitzfeld Berufung leidet, glauben die Schweizer Spieler nicht. „Grundsätzlich ist es eine Entscheidung von Kuhn gewesen, nach der EM aufzuhören“, sagte Kapitän Alexander Frei. „Es ist immer schwierig, den richtigen Zeitpunkt zu finden, wann einer aufhört und der Neue bekannt gegeben wird.“ Kuhn habe immer noch Biss und sei hungrig auf Erfolg.

Auch Abwehrspieler Ludovic Magnin sieht Kuhn nicht als Auslauf-Modell. „Er hat in acht Jahren alles erreicht, was er erreichen sollte. Ich glaube nicht, dass es für die EM eine große Rolle spielt, dass danach jemand anderes kommt.“ Wichtig sei, dass die Schweiz nach dem legendären „Köbi“ Kuhn „einen großen Trainer bekommt, der uns weiterentwickelt“. Man könne froh sein, mit einem Mann zu arbeiten, der so viele Titel geholt hat.

Frischer Wind

Hitzfeld sei eine gute Wahl, meinte auch Frei. „Er wird nicht nur die Nationalelf, sondern auch den Schweizer Fußball voranbringen“, sagte der Stürmer. Allerdings dürfe man nicht zu viel von Hitzfeld erwarten, warnte Magnin. „Als der Name Hitzfeld fiel, haben alle Schweizer gesagt: Jetzt werden sie Weltmeister, aber wichtig wird vor allem sein, dass frischer Wind hereinkommt.“

Die Spieler freuen sich also auf ihren neuen Chef, aber auch Hitzfeld selbst verbirgt die Vorfreude auf seine neue Aufgabe nicht. „Jetzt bin ich doch noch Nationaltrainer geworden, weil auch der Zeitpunkt passte“, sagte Hitzfeld, der 2004 beinahe deutscher Bundestrainer geworden wäre, aus gesundheitlichen Gründen aber ablehnte.

Enger Bezug

Zur Schweiz habe er „einen engen Bezug“, sagte der 59-Jährige Erfolgstrainer, der beim FC Bayern unter anderem fünf Deutsche Meisterschaften sowie den Sieg in Champions League und Weltpokal feierte. Angefangen hat seine lange Laufbahn aber in der Schweiz. Als Profi wurde er mit dem FC Basel zweimal Schweizer Meister (1972, 1973), spielte zudem beim FC Lugano und FC Zürich. Beim SC Zug startete er 1983 seine steile Trainerkarriere, die mit zwei Titelgewinnen (1990, 1991) bei Grasshopper Zürich ihren ersten Höhepunkt hatte.

„Ich war 17 Jahre in der Schweiz tätig. Ich habe der Schweiz viel zu verdanken“, betonte Hitzfeld, der sein Aufgabe als Nationalcoach als „Herzensangelegenheit“ bezeichnet. Seine erste Bewährungsprobe wird er mit der Schweiz am 20. August beim Testspiel gegen Zypern haben. Bis dahin wird er ganz genau hinschauen, was die Schweiz bei der EM bietet.

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