präsentiert von
Menü
Altintop optimistisch

'Können auch gegen Deutschland gewinnen'

Klar, dass Hamit Altintop in diesen Tagen ein gefragter Mann bei der türkischen Nationalmannschaft ist. Zum einen werden seine Mitspieler sicherlich alles wissen wollen, was der Bayern-Profi Wissenswertes über seine Münchner Kollegen in der deutschen Nationalmannschaft berichten kann. Zum anderen werden gerade die deutschen Medienvertreter Schlange stehen, um vom 25-Jährigen ein paar Aussagen zum Halbfinal-Kracher bei der Europameisterschaft zu bekommen.

Deutschlang gegen die Türkei - Altintop macht gar kein Hehl daraus, dass „das ist ein ganz besonderes Spiel für mich ist.“ Am 8. Dezember 1982 erblickte er in Gelsenkirchen das Licht der Welt, wurde knapp 21 Jahre später beim FC Schalke 04 Bundesligaspieler und wechselte vor einem Jahr von den „Königsblauen“ zum FC Bayern, wo er bis zu seiner Fußverletzung Mitte März Stammspieler war.

Altintop lobt Weltklasse-Lahm

„Ich habe Deutschland viel, eigentlich alles, zu verdanken.“ Dennoch sei er in seinem Herzen immer Türke geblieben: „Ich stehe zu meinem Land. Sobald ich das Trikot trage, fühle ich diesen Patriotismus, meine Zugehörigkeit zur Türkei.“ Das wird auch am Mittwochabend im Baseler St.-Jakob-Park so sein, wenn er im direkten Duell auf seine FCB-Mitspieler Philipp Lahm, Lukas Podolski, Miroslav Klose, Bastian Schweinsteiger oder Marcell Jansen treffen wird. Besonders mit Lahm, der im deutschen Team auf links verteidigt, dürfte der rechte Mittelfeldspieler Altintop mehrfach die Klingen kreuzen. „Philipp spielt eine Weltklasse-EM“, lobte Hamit.

Aber auch der ehemalige Schalker verdient für seine Leistungen bei diesem Turnier höchsten Respekt. Von seinem Trainer Fatih Terim zunächst in der Abwehr-Viererkette eingesetzt kam er zuletzt in der Mittelfeldzentrale zum Zug. Beim „Gruppen-Endspiel“ gegen Tschechien gab er die Vorarbeit zu allen drei türkischen Toren. Im Viertelfinale gegen Kroatien verwandelte er den letzten und entscheidenden Elfmeter zum Sieg seiner Mannschaft. „Ich habe Hamit nach dem letzten Vorrundenspiel gratuliert. Er ist einer der besten und Führungsspieler bei der Türkei“, sagte Podolski über Altintop.

Hamit vermisst Halil

„Ich darf mittlerweile mitbestimmen, wie wir auftreten. Terim vertraut mir. Das habe ich mir hart erarbeitet, ich bin seit drei Jahren bei jedem Spiel von Beginn an dabei“, sagte der 25-Jährige. Auch über die Nichtnominierung seines Zwillingsbruders Halil hat er mit dem türkischen Nationalcoach ausführlich gesprochen. „Terim sagte, seine Leistung reiche nicht ganz aus. Das war erstmal ein Schock“, gab Hamit zu, der nun täglich mehrfach mit seinem Bruder telefoniert: „Er wäre gern dabei und freut sich jetzt über die Erfolge seines Zwillingsbruders.“

Und sicherlich wäre auch Terim froh, wenn er gegen Deutschland auf Schalke-Stürmer Halil zurückgreifen könnte. Aufgrund von Verletzungen und Sperren stehen ihm gerade einmal noch 15 einsatzfähige Spieler zur Verfügung. Altintops Optimismus kann dies aber nichts anhaben. „Egal wie viele Verletzte und wie viele Gesperrte wir haben, ich glaube fest, dass wir ins Endspiel kommen. Wir haben andere Spieler, die man noch nicht so kennt. Und diese Jungs brennen.“

Die Türkei auf Griechenlands Spuren?

Wichtig sei es, dass man auch gegen die Deutschen („Natürlich sind sie die Favoriten“) versuche, die eigene Spielphilosophie durchzubringen. „Wenn wir uns auf unsere Stärken konzentrieren, haben wir auch eine große Chance“, ist sich Altintop sicher. Die große Stärke der Türken im bisherigen Turnierverlauf war sicherlich der Kampfgeist und der Wille. Drei Mal bogen sie in der Schlussphase noch Spiele zu ihren Gunsten um. „Unsere Stärken sind Leidenschaft und Emotionen, und das können wir auf dem Platz ausleben“, so Altintop. Im Viertelfinale gegen Kroatien sei seine Mannschaft gerannt, „bis wir Blutblasen an den Füßen hatten.“

Der Bayern-Profi weiß, dass die Türkei in ihrem ersten Halbfinale bei einer EM überhaupt nichts zu verlieren hat. „Warum sollten wir nervös werden? Wenn unser Kollektiv stimmt, können wir auch gegen die Deutschen gewinnen“, sagte Altintop, der selbst den ganz großen Coup nicht ausschließen möchte: „Wer weiß, vielleicht sind wir wie die Griechen 2004 auf dem Weg zum EM-Titel.“

Für fcbayern.de berichtet: Dirk Hauser

Weitere Inhalte