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Mann des Abends

Podolskis Spiel der Emotionen

Der gewagte Plan ging auf. Über links machte Lukas Podolski mächtig Druck - und in den entscheidenden Momenten war der gebürtige Pole dann in der Mitte voll da. Beim 2:0 (1:0)-Erfolg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am Sonntag gegen Polen wurde der 23-Jährige in Klagenfurt von den Fans mit Sprechchören nach seinem fünften Doppelpack im DFB-Trikot als Matchwinner gefeiert - und direkt nach dem Match auch zum „Mann des Spiels“ gewählt.

„Heute ist das mit Poldi auf links voll aufgegangen“, lobte Kapitän Michael Ballack. Der Stürmer des FC Bayern wollte sich nach der Partie nicht als Matchwinner feiern lassen, sprach immer in der „Wir“-Form, statt von seiner eigenen Spitzenleistung. „Wir haben heute ein gutes Spiel hingelegt und jetzt muss es so weitergehen. Wir dürfen uns nicht ausruhen, das war nur der erste Schritt“, sagte er.

Risiko belohnt

Was im November 2007 mit einem Experiment beim 4:0 gegen Zypern begonnen hatte, funktionierte reibungslos beim EM-Ernstfall. Bundestrainer Joachim Löw ging das Wagnis mit dem Stürmer im linken Mittelfeld ein und wurde für das Risiko gleich doppelt belohnt. „Da kann ich mit dem Ball am Fuß Tempo machen", hatte Podolski bereits vor dem Spiel erklärt.

Nach zehn Minuten nahm er erstmals Fahrt auf, da noch ohne Durchschlagskraft. Immer wieder bot sich Podolski an, forderte den Ball und war danach nicht nur auf dem linken Flügel aktiv. Als Mann für Standards durfte er auch ran; auch wenn Freistoß (16.) und Eckball (27.) noch Spielraum für
Verbesserungen ließen.

Sensationelle Trefferquote

Dagegen lief es in der 20. Minute perfekt. Mario Gomez bediente Miroslav Klose, und der legte dem einstigen WM-Sturmpartner auf. 1:0 - für Podolski war es im 49. Länderspiel der 26. Treffer. Der 27. folgte in der Schlussphase, volley mit links. Auf überschwänglichen Jubel verzichtete der im polnischen Gleiwitz zur Welt gekommene Torschütze.

Die polnischen Gegenspieler dankten es ihm nicht alle: Kurz vor der Pause traf ihn Dariusz Dudka schmerzhaft an der rechten Leiste. Noch härter knüpfte ihn sich Mariusz Lewandowski mit einem bösen Tritt gegen den Unterschenkel nach einer Stunde vor.

Experiment geglückt

Vier Tage nach seinem 23. Geburtstag konnte Podolski („Ich habe ein polnisches Herz") froh sein, dass er danach mit seinen schwarz-rot-goldenen Schuhen im Spiel der Emotionen noch weiterkicken konnte - und auch sein Trainer war erleichtert. Im stillen Kämmerlein hatte Löw lange über die „hervorragende Variante" nachgedacht und dann den Münchner auf der Franck-Ribéry-Position gebracht. „Es wird vielleicht eine kleine Umstellung. Aber ich traue es mir zu", hatte Podolski
keine Bedenken gehabt.

Dagegen hatten die deutschen Fans nach der Pause einige Minuten lang Sorgen, ob es zum ersten EM-Sieg seit zwölf Jahren reichen würde, bis Podolski sie erlöste: In der 72. Minute hämmerte er einen Schuss aus 14 Metern in den Winkel und durfte danach als Sieger versuchen, die Wünsche der Verwandtschaft nach Trikots zu erfüllen. „Meine Familie hat mich um welche gebeten."

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