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Portugal-Schreck

Schweinsteigers erstklassige Trotzreaktion

Nach seinem 1:0 warf Bastian Schweinsteiger Kusshände in den Abendhimmel, nach der Vorarbeit zum 2:0 feierte er mit Hilfscoach Hansi Flick und spätestens mit dem Freistoß zum 3:1 hatte der Portugiesen-Schreck seine Bringschuld endgültig mehr als erfüllt. Der 23 Jahre alte Mittelfeldspieler des FC Bayern wirbelte beim 3:2-Viertelfinalerfolg über Portugal wie in besten Zeiten und wurde zum „Man of the Match“ gewählt. So will Fußball-Deutschland „Schweini“ sehen - und feiern.

„Ich bin überglücklich. Wir sind in den Top 4. Das ist sensationell. Wir haben die meiner Meinung nach beste Mannschaft aus dem Turnier gekegelt“, sagte Schweinsteiger. Bei der Vorrunden-Pleite gegen Kroatien baute der 54-malige Nationalspieler den Reservisten-Frust noch mit einer Tätlichkeit ab, im K.o.-Duell in Basel gegen seinen Lieblingsgegner setzte er die Energie so um, wie es Bundestrainer Joachim Löw verlangt hatte und durfte sich in der 83. Minute bei seiner Auswechslung frenetisch feiern lassen.

Freudentanz mit Cowboy-Hut

„Heute haben wir auch für den Trainer gespielt. Ich habe mir vorgenommen, der Mannschaft so gut es geht zu helfen“, meinte der Bayern-Profi weiter. Bei der kollektiven Jubel-Arie nach Spielschluss schnappte sich Schweinsteiger von einem Fan einen schwarz-rot-goldenen Cowboy-Hut und tanzte ausgelassen auf dem Rasen.

Wie schon beim 3:1-Erfolg im kleinen WM-Finale vor zwei Jahren blühte Schweinsteiger auch im Baseler St.-Jakob-Park gegen die Südeuropäer wieder auf. Die Pässe kamen an, die Standards klappten endlich im deutschen Spiel - und ein eigenes Tor gelang ihm gleich zum Auftakt. Traumhaft spielte sich Michael Ballack auf dem linken Flügel mit Lukas Podolski durch, dieser flankte scharf in die Mitte, und dort wollte Schweinsteiger in der 22. Minute mit aller Macht das Tor: 1:0 nach entschlossenem Grätschschritt. Es war sein erstes Länderspieltor seit mehr als anderthalb Jahren und der 14. Treffer im Nationaltrikot insgesamt - vielleicht sein wichtigster.

Vorlage für den Teamkollegen

Beim 2:0, nur vier Minuten später, war Schweinsteiger der Ausgangspunkt. Als er sich den Ball 35 Meter vor dem Tor zum Freistoß zurechtlegte, dürfte dem schon mehrfach durch ihn überwundenen Keeper Ricardo mulmig zumute gewesen sein. Doch der Mittelfeldakteur flankte den Ball vors Tor, fand damit Miroslav Klose und dieser beendete den eigenen EM-Fluch mit seinem ersten Europameisterschaftstor.

Gegen Österreich hatte Schweinsteiger noch neben dem dabei in den Ehrengastbereich verbannten Löw auf der Tribüne mitgezittert. Der Bundestrainer, der vom schussstarken Spieler nach der Roten Karte aus der Vorrunde eine „gewisse Bringschuld“ eingefordert hatte, musste auch diesmal wieder vor allem in der Schlussphase fernab der Bank bangen. Zuvor hatte der ideenreiche und spritzige Außenspieler es ihm leichter gemacht, sogar in der Defensive half er aus.

Der Clou mit dem Schuh

Und dann kam nach dem Seitenwechsel noch der Clou mit dem Schuh. In der Verletzungspause von Klose schlüpfte Schweinsteiger auf dem frisch verlegten Rasen an der Linie schnell in die neuen Treter, führte Sekunden später den Freistoß aus und Ballack traf zum 3:1; die Entscheidung vor 39.374 Zuschauern.

Nach dem Anschlusstreffer durch Hélder Postiga (87.) musste er noch einige lange Minuten überstehen, bis der Erfolg feststand. Zwar hatte Schweinsteiger schon vor dem Viertelfinale vom „schönen Essen“ im Nobel-Hotel geschwärmt - nun kann er es sich richtig schmecken lassen.

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